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Johanna Christl – seit Jahrzehnten die Glöcknerin von Weiden | BR24

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Seit vielen Jahrzehnten pflegt Johanna Christl in Weiden bei Thierhaupten im Landkreis Augsburg eine Familientradition: Sie lässt die Glocken der Nikolauskapelle dreimal täglich läuten. Auch mit 78 Jahren denkt sie noch lange nicht ans Aufhören.

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Johanna Christl – seit Jahrzehnten die Glöcknerin von Weiden

Kirchenglocken – für manche sind sie Signal und festliche Begleitung, für andere ein Ärgernis. In einem kleinen Ort bei Augsburg gehört das Läuten weiter zur Tradition. Seit den 60er-Jahren kümmert sich Johanna Christl ums Läuten der Nikolauskapelle.

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Johanna Christl macht sich auf den Weg: Dreimal am Tag geht die 78-Jährige in die kleine Nikolauskapelle in Weiden, einem 25-Seelen-Dorf bei Thierhaupten im Landkreis Augsburg. Dort läutet sie um 6 Uhr, um 12 Uhr und abends um 18 Uhr von Hand die Glocken, und das seit 56 Jahren.

Am Eingang dreht sie den Schlüssel zweimal um und tritt in die kühle Kapelle. Schnell noch mit Weihwasser bekreuzigt, und schon greift sie beherzt zu der schlichten Kordel, die durch ein kleines Loch in der Decke bis in den Turm hinaufreicht. Dann erklingen die Glocken der Nikolauskapelle. Zwei bis drei Minuten läutet Johanna Christl, zu besonderen Anlässen auch länger.

Läuten, bis die Gäste aus Thierhaupten und Neukirchen wieder zu Hause sind

Zweimal im Jahr wird hier die Heilige Messe gefeiert: Am Nikolaustag, zu Ehren des Patrons der Kapelle und in der Woche von Christi Himmelfahrt. Auch dann kümmert sich Johanna Christl natürlich um das Glockengeläut, und das kann vor allem beim Bittgang zu Christi Himmelfahrt etwas länger dauern. Denn die Besucher aus den umliegenden Ortschaften Thierhaupten und Neukirchen werden traditionell "bis nach Hause geläutet".

Glockenläuten in der Nikolauskapelle – eine Familientradition

Johanna Christl selbst hat es nicht weit von ihrem Haus in die Nikolauskapelle und zurück: Die Kapelle steht direkt zwischen ihrem eigenen und dem Haus ihrer Kinder und Enkelkinder – im Garten sozusagen. "Das erste, was mir der Schwiegervater gelernt hat, war das Läuten", erzählt sie. Von ihm hat sie die Familientradition übernommen. Das ist jetzt fast 56 Jahre her. Damals hat sie geheiratet und ist auf den Hof der Familie Christl gezogen.

Schwiegertochter unterstützt die Glöcknerin von Weiden

Wenn doch mal etwas dazwischenkommt, wird Johanna Christl heute von ihrer Schwiegertochter und deren zukünftiger Schwiegertochter unterstützt. Und irgendwann soll eine nach der anderen diese besondere Aufgabe übernehmen. Das Läuten – es wird von Generation zu Generation weitergegeben. Noch aber wird die 78-Jährige nicht müde und will sich weiter selbst um die Glocken kümmern: "Das mache ich so gern, das macht mir überhaupt nichts aus. So lange ich kann, mache ich das", sagt sie und lacht. Und so sorgt sie weiter dafür, dass dreimal am Tag das Läuten über das kleine Weiden bei Thierhaupten hallt.