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Joe Biden – "Ein bescheidener, bodenständiger Mensch" | BR24

© mauritius images

Joe Biden gemeinsam mit Max Mannheimer

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  • Artikel mit Video-Inhalten

Joe Biden – "Ein bescheidener, bodenständiger Mensch"

Heute wurde Joe Biden zum 46. Präsidenten der USA vereidigt. Was viele nicht wissen – Biden hat eine intensive, jahrzehntelange Beziehung zu München und Bayern. Das BR-Politikmagazin Kontrovers auf den bayerischen Spuren des neuen US-Präsidenten.

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Von
  • Sebastian Kemnitzer

Dieser Besuch 2015 war ihm ein Herzensanliegen. Und dabei wollte er bewusst keinen Medienrummel veranstalten. Schon seinen Kindern hatte Joe Biden die KZ-Gedenkstätte Dachau gezeigt. Vor sechs Jahren nahm der damalige US-Vizepräsident dann seine Enkeltochter Finnegan mit, als er sich relativ spontan für einen Besuch entschloss.

Biden trifft Max Mannheimer

Zu diesem Zeitpunkt feiert Judith Faessler gemeinsam mit ihrer Familie gerade den 95. Geburtstag ihres Großvaters Max Mannheimer, dem langjährigen Präsidenten der Lagergemeinschaft Dachau. "Auf einmal kam der Anruf, dass Joe Biden die Gedenkstätte besuchen will", erzählt sie im Interview mit dem BR-Politikmagazin Kontrovers. "Von da an war mein Großvater viel zu aufgeregt, um noch weiter mit uns zu feiern."

Zweieinhalb Stunden dauert der Besuch von Joe Biden in der Gedenkstätte. Wie hat Max Mannheimer Joe Biden erlebt?

"Er war tief beeindruckt von seiner Bescheidenheit, von der Bodenständigkeit, von der Zugewandheit Joe Bidens. Er war auch beeindruckt, dass Joe Biden aus persönlichem Interesse hier war." Judith Faessler, Enkeltochter Max Mannheimer

Dauergast auf der Sicherheitskonferenz

Joe Biden kennt Bayern und speziell München seit Jahrzehnten. Die Sicherheitskonferenz im Bayerischen Hof ist für ihn zu einer Art außenpolitischem Wohnzimmer geworden. Das erste Mal ist er 1980 vor Ort, damals hieß die Veranstaltung noch "Wehrkundetagung". Biden ist ein junger Senator, mit relativ wenig außenpolitischer Erfahrung. Die wächst über die Jahre. In München vertritt Biden amerikanische Interessen, führt unzählige Hintergrundgespräche, agiert aber eher fernab der großen Öffentlichkeit.

Das ändert sich 2009. Die Münchner Sicherheitskonferenz hat einen neuen Verantwortlichen, den ehemaligen deutschen Botschafter in den USA, Wolfgang Ischinger. Und der lädt sofort den neuen US-Vizepräsidenten ein, den er seit vielen Jahren kennt – Joe Biden. Gegenüber Kontrovers erinnert sich Wolfgang Ischinger:

"Das war damals natürlich eine tolle Sache. Niemals zuvor hatten wir einen amtierenden US Vizepräsidenten bei der Münchner Sicherheitskonferenz. In der Vergangenheit war das immer der US-Verteidigungsminister gewesen, oder gelegentlich auch mal der Außenminister. Und für mich war der Besuch von Biden noch eine persönliche Freude, da ich ihn aus meine Botschafterzeit in den USA gut kannte." Wolfgang Ischinger, Vorsitzender Münchner Sicherheitskonferenz

Vielbeachtete Reden in München

Dreimal besucht Biden als Vizepräsident die Münchner Sicherheitskonferenz, betont dabei immer wieder die Wichtigkeit Europas und der transatlantischen Partnerschaft. Biden verbindet, setzt aber auch klare Zeichen – zum Beispiel in Sachen Ukraine-Krieg, als er mahnende Worte an Russland richtet. Es sei das Ergebnis von Entscheidungen von Putin, dass die Welt heute anders aussehe, betont er 2015.

Als Vizepräsident hat Biden natürlich viel mehr Verpflichtungen bei der Sicherheitskonferenz vor Ort, kann weniger inkognito die Stadt kennenlernen. Trotzdem findet Biden immer wieder eine ruhige Minute, lässt sich beispielsweise die Münchner Frauenkirche zeigen. Der ehemalige Dompfarrer, Monsignore Wolfgang Huber erinnert sich:

"Ich habe ihn als bescheiden erlebt, wenn ich das so sagen darf. Er wollte auch kein großes Aufheben machen von seinem Besuch, sondern er hat gesagt, es ist wichtig, dass ich mit meinem Sohn in die Kirche gehe und dort dann auch zum Gebet komme. Er hat mir einen Eindruck gemacht, dass er alles vermeiden wollte, was darauf hinweist, dass hier ein ganz wichtiger Mann da ist." Monsignore Wolfgang Huber, ehemaliger Dompfarrer

Große Hoffnungen in Biden

Heute wird Joe Biden zum neuen US-Präsidenten vereidigt. Wolfgang Ischinger setzt große Hoffnungen in seinen alten Bekannten Der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz ist überzeugt davon, dass Biden als neuer US-Präsident einen Wandel herbeiführen kann.

"Also wenn einer das schaffen kann, die innere Spaltung Amerikas allmählich wieder etwas in Richtung Heilung zusammen zu führen, dann denke ich, kann das Biden. Er ist auch vom Alter her natürlich besser dafür geeignet, als einer, der sich vorstellen kann, dass er noch 20 oder 30 Jahre in der Politik vor sich hat." Wolfgang Ischinger, Vorsitzender Münchner Sicherheitskonferenz

Wolfgang Ischinger hat Biden bereits wieder nach München eingeladen. Joe Biden wäre dann der erste amtierende US-Präsident, der die Sicherheitskonferenz besucht.

© BR / Kontrovers 2021

Die Hoffnungen ruhen auf Biden, der gerne und oft Gast auf der Münchner Sicherheitskonferenz war. Und dabei München, mit seiner hellen und dunklen Geschichte, kennengelernt hat.

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