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Joachim Herrmann (CSU), Staatsminister für Inneres, Sport und Integration, bei der Vereidigung des bayerischen Kabinetts im bayerischen Landtag
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Arne Wilsdorff
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Joachim Herrmann (CSU), Staatsminister für Inneres, Sport und Integration, bei der Vereidigung des bayerischen Kabinetts im bayerischen Landtag

Über zehn Jahre ist der Erlanger Joachim Herrmann jetzt Innenminister in Bayern und dient damit bereits dem dritten Ministerpräsidenten. Angefangen hat er 2007 in der kurzlebigen Regierung Günther Beckstein, seinem langjährigen Vorgänger als Innenminister. Und: Herrmann blieb im Amt, zweimal berufen von Horst Seehofer und heuer bereits zweimal von Markus Söder. Insgesamt fünfmal hat er damit die Ernennungsurkunde zum Innenminister in seinen Händen gehalten. Joachim Herrmann freute sich jedes Mal.

"Ich habe von mir aus keinen Anlass gehabt, meine Position zu wechseln, ich bin mit Begeisterung Innenminister in Bayern." Joachim Herrmann

In die Pflicht nehmen ließ er sich von seinem Ministerpräsidenten und CSU-Chef Horst Seehofer im Frühling 2017 dann doch - und zwar als CSU-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl. In der war er der Garant des bayerischen Sicherheitsgefühls und sollte die AfD klein halten. Seehofer war voll des Lobes über seinen Innenminister.

"Menschlich integer, fachlich hochkompetent und ein absolut verlässlicher Kollege im Kabinett, der auch schwierigste Aufgaben immer souverän und mit großer Ruhe meistert." CSU-Chef Horst Seehofer

Herrmann meistert zahlreiche Herausforderungen

Darunter der ausländerfeindliche Amoklauf am Olympiaeinkaufszentrum in München und die Ankunft von fast einer Million Flüchtlinge an der bayerischen Grenze zu Österreich. Herrmann musste zwar dann doch nicht als Bundesinnenminister nach Berlin, aber auch jetzt wird spekuliert, dass er doch noch gehen könnte, falls Horst Seehofer als Bundesinnenminister zurücktritt. Die Unterstützung seines nordrhein-westfälischen Innenminister-Kollegen Herbert Reul hätte Joachim Herrmann jedenfalls.

"Wenn die CSU einen Neuen bestellen würde, fände ich Herrmann eine sehr gute Wahl. Der ist konsequent in dem, was er tut und was sein Auftrag ist. Trotzdem ist seine Art und Weise im Umgang sehr jovial, sehr vernünftig, sehr mitfühlend und man kann mit ihm auch Kompromisse erzielen." NRW-Innenminister Herbert Reul

Bei der Innenministerkonferenz in Magdeburg vergangene Woche hat Joachim Herrmann wie schon die letzten zehn Jahre die CSU-Position konsequent vertreten. Etwa kriminell gewordene Asylbewerber schnell abzuschieben.

"Da haben die Menschen kein Verständnis dafür, dass so jemand sich immer noch in unserem Land aufhält. Deshalb müssen wir alle Mittel und Wege ausschöpfen, um so jemanden außer Landes zu bringen." Joachim Herrmann

Für den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder war sein mittelfränkischer Parteifreund Joachim Herrmann einer der ganz wenigen, die für ein Ministeramt gesetzt waren. Das hatte Söder bereits vor der Landtagswahl und den Koalitionsverhandlungen mit den Freien Wählern immer wieder klar gemacht.

Herrmanns Jobgarantie quasi auf Lebenszeit

Bereits im April etwa gab Söder Herrmann nach der Kabinettsitzung – wohl nur halb im Spaß - eine Jobgarantie bis 2028. Dem Zeitpunkt, wenn er nach zwei Legislatuperioden freiwillig als Ministerpräsident nicht mehr antritt. Söder sagt scherzhaft, Hermann sei 2028, in zehn Jahren, genau im richtigen Alter, um bei der Hans Seidl Stiftung anzufangen.

In der Anspielung auf das Austragsstüberl für verdiente CSU-Politiker steckt auch ein wenig der Hinweis darauf, dass für Herrmann vielleicht sogar der Ministerpräsidentenposten drin gewesen wäre. Auch noch als Seehofers Nachfolger – witzelte im Frühjahr zumindest Kabarettist Django Asül.

"Das Duell der Duelle lautete zunächst Joachim Herrmann gegen Markus Söder, also der Sheriff gegen den Desperado. Showdown wie im Italowestern, Erlanger gegen Nürnberger, Franke gegen Franke, als quasi ein Franko-Western." Kabarettist Django Asül

Dem Amt des Ministerpräsident immer ausgewichen oder doch zurückgesteckt?

Joachim Herrmann hätte als mächtiger CSU-Fraktionschef im Landtag auch schon 2007 versuchen können, Edmund Stoibers Nachfolger zu werden. Und auch nach Becksteins verlorener absoluter Mehrheit 2008 ist Herrmann nicht gegen Seehofer angetreten. 2013 befördert ihn Seehofer dann zum Superminister.

"Jetzt hat der Ministerpräsident mein Ressort nach der letzten Regierungsbildung noch weiter vergrößert - um die ganze Verkehrspolitik, mir macht das riesigen Spaß." Joachim Herrmann

Doch heuer im März nahm ihm Söder seine geliebte Verkehrsabteilung wieder weg und gab Joachim Herrmann dafür die Zuständigkeit für Integration. Er nahm es tapfer. Jetzt seien alle wichtigen Fragen rund ums Asyl in einem Ministerium gebündelt.