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"jetzt red i" zum Ehrenamt in Bayern: Die Motivation sinkt | BR24

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"jetzt red i" aus Wasserburg am Inn.

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"jetzt red i" zum Ehrenamt in Bayern: Die Motivation sinkt

Wenig Wertschätzung, viel Bürokratie. Ehrenamtler berichten über Angriffe und Nachwuchsmangel. Paul Breitner sieht einen "egoistischen Trip in unserem Land" und wirbt mit Landtagspräsidentin Ilse Aigner für ehrenamtliches Engagement.

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Freiwillige Feuerwehr, Trachtenvereine, Asylhelfer: An diesem Mittwochabend diskutierten Ehrenamtliche aus allen möglichen Bereichen live bei "jetzt red i" mit. Eindrücklich schilderten sie, wie gerne sie sich engagieren und helfen - aber auch, wie schwierig es oft ist. Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr in Wasserburg am Inn (Lkr. Rosenheim) berichteten, dass sie sich oft "blöd anreden lassen müssen". Als "Deppen" würden sie bezeichnet, seien an der Arbeit gehindert. Die Folge: "Die Motivation sinkt."

Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) sagte, ein solches Verhalten Einsatzkräften gegenüber "geht überhaupt nicht". Viele Menschen wüssten nicht, dass fast alle Feuerwehren in Bayern ehrenamtlich unterwegs sind. Hier müsse Aufklärung betrieben werden.

Paul Breitner sieht Ego-Trip in Deutschland

Auch Paul Breitner engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich, sei es im Sport oder bei der Münchner Tafel. Er beobachte eine "Verrohung" der Gesellschaft, sagte er bei "jetzt red i".

"Die Verrohung ist schlimmer geworden, der Respekt weniger. Wir leben in einer Zeit, in der es heißt: Ich ich ich. (…) Wir sind auf einem ganz egoistischen Trip in unserem Land." Fußball-Legende Paul Breitner

Dies zeige sich vor allem in den sozialen Medien, wo "jeder Depp" anonym Beleidigungen und Bedrohungen posten könne. Dabei sei ehrenamtliches Engagement so dringend benötigt wie noch nie. Allein in München kämen bis zu 22.000 Menschen pro Woche zur Tafel, weil sie sich Lebensmittel woanders nicht leisten können.

Die Schere zwischen Arm und Reich gehe vor allem in reichen Städten immer weiter auseinander und müsse aufgefangen werden, so Breitner. Er sieht hier auch die Politik in der Pflicht.

Aus Wasserburg am Inn berichtete eine Helferin der Tafel: "Die Zahl der Bedürftigen nimmt drastisch zu, vor allem der Rentner. Wir stoßen an unsere Grenzen mit dem Ehrenamt."

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Bei "jetzt red j" findet Fußball-Legende Paul Breitner drastische Worte für die Verrohung der Gesellschaft.

Ilse Aigner gegen verpflichtendes soziales Jahr

Viele Vereine haben zudem Probleme, die Vorstands-Posten zu besetzen. Auch der Trachtenverein aus Wasserburg am Inn schilderte dies in der Sendung. Die "überbordende Bürokratie" sei abschreckend.

Landtagspräsidentin Ilse Aigner appellierte in diesem Punkt dafür, "gemeinsam mit Maß und Ziel" mit den Behörden vorzugehen. Gewisse Vorschriften müssten eben eingehalten werden. Von einem verpflichtenden sozialen Jahr nach der Schulzeit gegen den Nachwuchsmangel bei Vereinen hält sie jedoch nichts.

"Eine Verpflichtung ist nicht unbedingt zielführend. Aber was ich mir sehr wünschen würde: eine Anerkennung. Egal ob es jetzt beim Studium ist, oder ob es eine Art Guthaben ist, was man für eine Ausbildung einzahlen kann." Landtagspräsidentin Ilse Aigner

Arbeitgeber könnten außerdem mehr auf entsprechendes Engagement der Bewerber achten, so Aigner. Auch Paul Breitner hält nichts von einem verpflichtenden sozialen Jahr. Wer sich aus Eigeninitiative einbringe, sei deutlich motivierter. Er brachte jedoch eine Vergünstigung im ÖPNV als Gegenleistung für die freiwillige Arbeit ins Gespräch.

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Ilse Aigner (CSU) hat bei "jetzt red i" klar gemacht, dass sie ein verpflichtendes soziales Jahr kritisch sieht.

Ehrenamt unbezahlt, aber auch unbezahlbar

Insgesamt engagieren sich in Bayern rund fünf Millionen Menschen ehrenamtlich. Das soll bestenfalls auch so bleiben, so die einstimmige Meinung in der Sendung. "Es macht Freude und es ist eine Befriedigung", sagte Paul Breitner. Und Ilse Aigner berichtete von ihrer Zeit bei der Wasserwacht: "Es ist einfach unglaublich erfüllend für das eigene Leben."

Auch alle engagierten Rednerinnen und Redner im Publikum bekräftigten, dass sie weitermachen werden. Denn, so brachte es einer auf den Punkt: "Ehrenamt ist unbezahlt, aber auch unbezahlbar."