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"jetzt red i": Wie soll Testpflicht an Schulen funktionieren? | BR24

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An den bayerischen Schulen gilt ab kommenden Montag eine Corona-Testpflicht. Schülerinnen, Schüler, Lehrer und sonstiges Schulpersonal müsse sich mindestens zweimal pro Woche testen lassen. Minister Piazolo ist zuversichtlich, dass das klappt.

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"jetzt red i": Wie soll Testpflicht an Schulen funktionieren?

Kultusminister Piazolo betont, dass ab Montag auch Erstklässler den Corona-Test selbst machen müssen. Die Schulen seien ausreichend mit Selbsttests versorgt. Es gibt jedoch einen Weg, den Test im Klassenzimmer zu umgehen, erklärt der Minister.

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Von
  • Christine Memminger
  • Margit Ehrlich

Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern diskutierten am Mittwochabend in der Sendung "jetzt red i" über die neusten Corona-Beschlüsse der Bayerischen Staatsregierung. Vor allem ging es um die generelle Testpflicht an den Schulen ab kommenden Montag. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) und die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag, Margit Wild aus Regensburg, antworteten auf die Frage des Tages: "Wie soll das funktionieren?"

Piazolo: Auch Erstklässler müssen den Test selbst machen

"Sicherheit erreichen wir nur, wenn sich alle testen", betonte Kultusminister Michael Piazolo. Ab Montag gelte deswegen die strenge Testpflicht für alle Präsenzklassen, auch für die Erstklässler. Zweimal pro Woche müssen sie im Klassenzimmer unter Aufsicht der Lehrkraft einen Corona-Selbsttest machen. Da die Tests auch für Erst- und Zweitklässler zugelassen seien, gehe er davon aus, dass sie das auch schaffen.

"Das geht und sie sollen es auch alleine machen. (…) Wenn jemand den Test nicht macht, kann er am Unterricht nicht teilnehmen." Michael Piazolo, bayerischer Kultusminister

Wer unsicher sei, solle sich im Vorfeld einen Test kaufen und üben, sagte Piazolo. Österreich sei ein gutes Beispiel für die Durchführbarkeit. Er zeigte sich zuversichtlich, dass ab Montag genug Testmöglichkeiten an den Schulen zur Verfügung stehen.

"Wir haben 17,6 Millionen Tests an die Landratsämter verschickt. Das müsste reichen." Michael Piazolo, bayerischer Kultusminister

SPD kritisiert zusätzliche Belastung der Lehrkräfte

Die Grundschullehrerin Margot Ruthenkolk aus München äußerte in der Sendung Bedenken, wie sie das mit ihrer Klasse hinbekommen soll.

Ferdinand Klingelhöfer, Rektor einer Realschule im niederbayerischen Grafenau, erzählte davon, wie schwierig es sei, alle Schülerinnen und Schüler zum Test zu motivieren. Und auch die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag, Margit Wild, zeigte sich skeptisch. "Ich würde mir als Lehrkraft nicht zutrauen, das zu erklären", so Wild.

"Die Lehrkräfte haben wahnsinnig viele Aufgaben zusätzlich machen müssen. Es war ein schweres, hartes Jahr. Und dann möchte ich nicht, dass die Lehrkräfte das auch noch überwachen sollen." Margit Wild, SPD-Bildungspolitikerin

Stattdessen forderte sie Überwachung durch Fachpersonal vor Ort.

Alternativen zum Test im Klassenzimmer

Kultusminister Michael Piazolo verwies daraufhin auf eine Möglichkeit, die Kinder außerhalb der Schule zu testen. Eltern könnten ihre Kinder mit einem negativen Testergebnis in die Schule zu schicken. Dafür seien allerdings keine Selbsttests erlaubt. Man müsse in die Apotheken oder in ein Testzentrum gehen. So wolle man sicherstellen, dass wirklich alle Schülerinnen und Schüler getestet seien.

Auch Gurgeltests, wie sie in Österreich angewandt würden, würde er gerade im Grundschulbereich gerne haben, so Piazolo weiter. Leider seien diese aber im Moment vom Bund noch nicht zugelassen. In einigen Regionen Ostbayerns liefen dazu aber bereits Modellversuche.

Piazolo verspricht "Fairness" bei den Abschlussprüfungen

Die Münchner Abiturientin Mireia Herrer und der Erlanger Abschlussschüler Haram Dar von der Mittelschule äußerten mit Nachdruck Sorgen im Hinblick auf die anstehenden Prüfungen. Es gebe keine Chancengleichheit, betonten beide. Die Familien seien unterschiedlich gut mit digitalen Geräten ausgestattet und viele Schülerinnen und Schüler daher im Distanzunterricht benachteiligt. Trotzdem wollten sie den Abschluss nicht „geschenkt“.

Kultusminister Piazolo versprach hier "Fairness". Der Stoff werde angepasst – auch beim Abitur, das in Bayern bereits in fünf Wochen beginnt. Es sei im Interesse der Lehrerinnen und Lehrer, aber auch des Ministeriums, die Abschlussklassen "gut durchzubringen".

Beide Politiker lehnten den Vorschlag der Lehrergewerkschaft GEW ab, die Abiturprüfungen in diesem Jahr auszusetzen und stattdessen eine Durchschnittsnote zu ermitteln. Die SPD-Politikerin Margit Wild meinte, dass es jetzt wichtig sei, am zeitlichen Ablauf und der Benotung festzuhalten. Es habe schon genug Verwirrung im Laufe des Schuljahres gegeben.

Maskenpflicht in der Schule bleibt

An der Maskenpflicht an Schulen will der Kultusminister trotz der Teststrategie vorerst festhalten. "Im Moment haben wir das nicht angefasst", sagte Michael Piazolo. Er schloss aber nicht aus, dass die Maskenpflicht mit der Zeit fallen wird, wenn die Teststrategie funktioniere.

Ob es überhaupt Präsenzunterricht gibt, hängt weiter vom Inzidenzwert vor Ort ab. Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz im jeweiligen Landkreis oder der kreisfreien Stadt unter 50, gibt es in der Grundschule Präsenzunterricht und für die Älteren Wechselunterricht. Bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 sind alle im Wechselunterricht. In Regionen, in denen die Inzidenz über 100 liegt, lernen alle zu Hause im Distanzunterricht – mit Ausnahme der Abschlussklassen sowie der Jahrgangsstufe 11 an Gymnasien und Fachoberschulen.

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Die Infektionen steigen dramatisch. Für die meisten Schüler bedeutet das nach den Osterferien wieder Distanzunterricht. Die, die kommen dürfen, sollen vor Ort getestet werden. So will es das bayerische Kultusministerium. Doch der Plan ist umstritten.

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