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"jetzt red i": Streit um Fleischproduktion | BR24

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Kaum eine Branche in der Landwirtschaft wurde so auf Effektivität getrimmt wie die Schweinezucht. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Ludwig Hartmann fordert höhere Tierwohlstandards.

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"jetzt red i": Streit um Fleischproduktion

Die Schweinezucht stecke in einer tiefen Krise, beklagen niederbayerische Großbauern. Während Grünen-Fraktionschef Hartmann die Standards in den Ställen weiter anheben will, verteidigt Landwirtschaftsministerin Kaniber die bayerischen Betriebe.

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Von
  • Christine Memminger

Die Fronten waren deutlich verhärtet an diesem Mittwochabend in der Diskussionssendung "jetzt red i". "Der hohe Preis des Billigfleischs" lautete der Titel der Live-Sendung aus Ergolding im niederbayerischen Landkreis Landshut. Und um Preise wurde viel gestritten.

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) und Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann fielen sich immer wieder gegenseitig ins Wort. Konventionelle Landwirte, Ökobauern und Verbraucher im Publikum diskutierten mit den Politikern über Tierwohl und Subventionen. Einig waren sich alle aber darin, dass es nicht so weitergehen kann, wie im Moment.

Krise in der Schweinezucht

Corona, die Diskussion um Schlachtbetriebe und jetzt auch noch die Schweinepest treiben die Absatzpreise nach unten. „Momentan sind wir in einer Krise, vielleicht einer Krise, die noch nie da gewesen ist“, sagte Großbauer Georg Siegl, Betreiber einer Schweinemast. Nicht nur wegen der Preise, sondern auch wegen der ständig wachsenden Vorgaben aus der Politik, bezüglich neuer Standards in den Ställen. Es brauche Planungssicherheit, damit die Familienbetriebe überleben können.

Kaniber: "Keine Agrarindustrie in Bayern"

Diese Planungssicherheit forderte auch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Die Mischung unterschiedlich großer Betriebe gelte es, zu bewahren. Auch mit neuen Tierwohlställen. "Wir geben da in Bayern viel Geld aus, wenn es um Förderprogramme geht", erklärte Kaniber. Sowohl im Bereich der konventionellen, als auch der Ökolandwirtschaft. Deshalb sehe sie Bayern "gut aufgestellt". Im Gegensatz zum Norden Deutschlands gebe es hier "keine Agrarindustrie", sondern hauptsächlich kleinere Betriebe, sagte die Ministerin. Und: "Unsere Bauern in Bayern geben sich so große Mühe, um Umwelt- und Tierschutz leben zu können."

Hartmann fordert höhere Tierwohlstandards

Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann gehen diese Bemühungen noch nicht weit genug. "Die Politik hat zugelassen, dass eine ausgewachsene Sau, die hundert Kilo wiegt, auf 0,75 qm lebt“, kritisierte er. "Das System hat zugelassen, dass ich Ferkeln den Ringelschawanz abschneiden darf, Spaltenböden im Stall sind zu hundert Prozent zugelassen." Er forderte: "Die Tierwohlstandards müssen nach oben gehen." Auch wenn dies Kosten mit sich bringt.

Aus dem Publikum wurde daraufhin die Sorge geäußert, dass deutsche Betriebe im europäischen Preiskampf bald nicht mehr mithalten können. Die Modernisierung der Ställe führe zwar zu mehr Tierwohl, allerdings würde dann Billigfleisch aus Osteuropa importiert, wo noch viel niedrigere Standards gelten. Die Landwirtschaftsministerin warnte ebenfalls vor diesem Trend. Doch Hartmann entgegnete: "Wenn ich so lange warte bis der Letzte mitgeht, dann kann ich gleich ganz stehen bleiben."

Das Problem mit dem Billigfleisch

Dass ein Kilo gemischtes Hackfleisch für fünf Euro "ruinöse Preise" sind, wie ein Biolandwirt kritisierte, darin waren sich in der Sendung alle einig. Lockangebote wie dieses sollen gesetzlich verboten werden, versprach Landwirtschaftsministerin Kaniber. Sie nahm aber auch die Verbraucher in die Pflicht, entsprechend höhere Preise an der Fleischtheke zu bezahlen oder seltener Fleisch zu essen. Trotzdem dürfe es kein Luxusprodukt werden, meinte sie.

Grünen-Politiker Ludwig Hartmann dagegen sagte, diese Verantwortung könne nicht auf den Verbraucher abgewälzt werden. Wenn Futtermittel aus Südamerika importiert und später die Gülle auf bayerischen Feldern ausgebracht werde, "dann funktioniert das ganze System nicht". Er erwähnte außerdem erfreut, dass im ersten Halbjahr 2020 der Konsum von Biofleisch gestiegen sei. Kaniber jedoch meinte, dies sei nur ein Effekt der Corona-Maßnahmen gewesen und nicht aussagekräftig. Insgesamt liegt der Bio-Anteil bei Schweinefleisch zwischen einem und zwei Prozent.

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