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"jetzt red i": Streit um die Zukunft des Wohnens | BR24

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Was soll der Staat tun, um Wohnen bezahlbar zu machen und muss hier der Staat einen Riegel vor hohen Mieten vorschieben?

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"jetzt red i": Streit um die Zukunft des Wohnens

Die SPD-Landesvorsitzende Natascha Kohnen will mit dem "Hammer" gegen Mietspekulation vorgehen. Bayerns Bauministerin Kerstin Schreyer (CSU) dagegen meint, der Markt regele einiges von alleine. Sie sieht die Kommunen in der Pflicht.

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Von
  • Christine Memminger

Homeoffice, Homeschooling, Lockdown: In der Corona-Pandemie verbringen viele Menschen weit mehr Zeit zu Hause als früher. Dadurch bekommt das Thema Wohnen eine ganz neue Bedeutung. Entsprechend emotional wurde am Mittwochabend bei "jetzt red i" diskutiert. Bayerns Bauministerin Kerstin Schreyer (CSU) und die Landesvorsitzende der BayernSPD Natascha Kohnen stellten sich live den Fragen und Forderungen der Bürgerinnen und Bürger.

Steigende Mieten als Hauptproblem

Vor allem ging es darum, wie die stets weiter steigenden Mieten in den Ballungsräumen gestoppt werden können, ohne gleichzeitig den Wohnungsbau unattraktiv zu machen. Denn - darin waren sich alle einig - es muss mehr gebaut werden, um der Nachfrage an Wohnraum gerecht zu werden. Allerdings äußerte sich Mieterin Marianne Ott gleich zu Beginn der Sendung skeptisch in Bezug auf politische Versprechen. Sie wohnt in einem Haus in München, das luxussaniert werden soll.

"Sie sagen bauen, bauen, bauen. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir gleichzeitig als Mieter immer dann verschwinden sollen, wenn gebaut wird." Mieterin Marianne Ott

Kohnen will Spekulanten mit dem "Hammer" stoppen

Für die SPD-Landesvorsitzende Natascha Kohnen liegt die "Ursache für alle Symptome" in der Boden- und Mietpreisspekulation. "Wir müssen einen Hammer einbauen und als Staat eingreifen", forderte Kohnen.

"Die Spekulanten - so brutal muss man das ausdrücken - haben für sich entdeckt, dass das nicht vermehrbare Gut Boden wahnsinnig Gold wert ist. Damit wird spekuliert wie irre. Die Entwicklung wird immer dramatischer." Natascha Kohnen, SPD-Landesvorsitzende

Als konkretes Instrument dagegen nannte sie unter anderem eine Bodenwertzuwachssteuer. Mit dieser könnten Gewinne von Grundbesitzern abgeschöpft werden, deren Flächen brach liegen.

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Die Sendung "jetzt red i" beschäftigte sich heute mit dem Thema "Wie wollen wir in Zukunft wohnen?"

Schreyer sieht Kommunen beim Wohnungsbau in der Pflicht

Bayern sei in den letzten Jahren gut voran gekommen, betonte dagegen Bauministerin Kerstin Schreyer. Das Baurecht sei modernisiert und für die Kommunen seien neue Möglichkeiten geschaffen worden, beispielsweise Büroflächen einfacher in Wohnflächen umzuwandeln. „Die Kommunen müssen mehr Bauland ausweisen“, sagte Schreyer. "Anders geht es nicht." Ein stärkeres Eingreifen des Staates in den Wohnungsmarkt lehnte sie jedoch ab. Nicht jeder Grundbesitzer sei ein Spekulant. Man dürfe den Bauherren auch nicht durch zusätzliche Regularien Steine in den Weg legen.

"Günstigen Wohnraum wird es nur dadurch geben, wenn wir den Mut haben, auch mal was nicht so genau zu regeln. (…) Und wenn wir eine Menge an Wohnraum schaffen, wird es ein Stück weit - nicht ganz - der Markt regulieren." Kerstin Schreyer, bayerische Bauministerin (CSU)

Ein vielfältiges Problem mit Corona-Brisanz

Von Seiten der Bürgerinnen und Bürger wurden in der Sendung ganz unterschiedliche Facetten des Problems und Lösungsansätze eingebracht. Von genossenschaftlich organisierten Mehrgenerationenhäusern, über Erleichterungen bei der Erbschaftssteuer bis hin zu einem Vorschlag, die Gewerbegebiete mit Wohnungen zu überbauen. Auch auf zusätzliche Notstände aufgrund der Corona-Pandemie wurde hingewiesen. Immer mehr Familien „aus der Mitte der Gesellschaft“ geraten in die Wohnungslosigkeit, berichtete Ludwig Mittermeier vom Katholischen Männerfürsorgeverein in München.

Sowohl Kerstin Schreyer als auch Natascha Kohnen sprachen sich daraufhin für einen Wohnungsfonds aus. Dieser soll Personen finanziell unterstützen, die sich in Folge der Pandemie ihre Miete nicht mehr leisten können.

50 Jahre "jetzt red i"

Die Sendung "jetzt red i" feierte mit dieser Sendung ihren 50. Geburtstag. Am 10. März 1971 lief die erste Ausgabe im BR Fernsehen. Damals noch mit Blasmusik, Bier und im Wirtshaussaal. Inzwischen ist das Team mit einer modernen Arena in ganz Bayern unterwegs. Über 5.000 Menschen konfrontierten im Laufe der Jahrzehnte die Politik mit ihren Anliegen - stets auf Augenhöhe.

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