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Jetzt red i: Streit um die Brenner-Bahntrasse | BR24

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"jetzt red i" am 24.04.2019 aus Brannenburg

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Jetzt red i: Streit um die Brenner-Bahntrasse

Viele Bewohner des Inntals fürchten um ihre Heimat. Sie bezweifeln, dass es nötig ist, den Nordzulauf zum Brenner-Basis-Tunnel mehrgleisig auszubauen. Verkehrsminister Hans Reichhart verteidigt den Bau als "Jahrhundertprojekt".

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Als der bayerische Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) sagte, man müsse hier „zweigleisig fahren“, war das Gelächter im Publikum groß. Schließlich ging es an diesem Mittwochabend bei „jetzt red i“ um die Brenner-Bahntrasse - deren Ausbau höchst umstritten ist. Viele Bewohner im Inntal wünschen sich nichts mehr, als dass es bei den bestehenden zwei Gleisen bleibt. Doch der Minister meinte „zweigleisig fahren“ natürlich im übertragenen Sinne. Zusammen mit dem Fraktionschef der FDP im Landtag, Martin Hagen, stand er den Bürgerinnen und Bürgern in Brannenburg im Landkreis Rosenheim live Rede und Antwort.

Längster Eisenbahntunnel der Welt - heftig umstritten

Der Brenner-Basis-Tunnel wird mit 64 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt. Um mehr Güterverkehr zwischen Deutschland, Österreich und Italien auf die Schiene zu bringen, sind beim Ausbau des sogenannten Nordzulaufs durch Bayern zwei zusätzliche Gleise zur bereits bestehenden Strecke im Inntal im Gespräch.

Mehr als 5.000 Bürgerinnen und Bürger haben sich inzwischen in Bürgerinitiativen vor Ort organisiert und entsprechend hitzig verlief die Diskussion. Bauern sehen sich in ihrer Existenz bedroht, Anwohner fürchten um ihre Heimat. Der Bedarf für die zusätzlichen Gleise sei nicht nachgewiesen und eine sinnlose Zerstörung der Natur werde in Kauf genommen, so die Argumentation der ersten Wortmeldungen in der Sendung.

Im schlimmsten Szenario seien 200 Hektar Grund dafür vorgesehen, eine „mittlere Katastrophe“ für Brannenburgs Bürgermeister Matthias Jokisch.

Verkehrsminister Reichhart will Ausbau der Bahntrasse

Im Gegensatz zu den Rednerinnen und Rednern sieht der bayerische Verkehrsminister Hans Reichhart sehr wohl Bedarf an zusätzlichen Schienen - im Jahr 2050. Das hätten die Prognosen von Bund und Bahn ergeben. Der Ausbau sei ein „Jahrzehnte- oder Jahrhundertprojekt“ und wichtig für die Entlastung der Umwelt. Die Österreicher seien bereits in zehn Jahren mit dem Tunnel fertig, daher müsse man nun auf deutscher Seite handeln - und „zweigleisig fahren“.

„Der erste Punkt ist: Wie können wir jetzt Verbesserungen erzielen? Wir als Freistaat Bayern sagen, wir brauchen schon auf der jetzigen Strecke mehr Lärmschutz. Da investieren wir als Freistaat einen zweistelligen Millionenbetrag. (…) Und andererseits muss im Planungsprozess ganz genau dargelegt werden, welche Trasse kommt und ob der prognostizierte Bedarf wirklich da ist.“ Hans Reichhart, CSU
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In der Sendung "jetzt red i" betonte der bayerische Verkehrsminister Hans Reichhart beim Streit um den Brennerbasistunnel, dass man in der Sache "zweigleisig" fahren müsse. Das meinte er natürlich nicht wortwörtlich.

In jedem Fall müsse die Region am Ende von dem Bau einen Vorteil haben.

Sein Parteikollege Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat bereits angekündigt, bis Juli 2019 fünf Trassen in die engere Auswahl zu nehmen und sich auch die Bestandsstrecke genauer anzuschauen. „Wir sehen uns als Freistaat Bayern als Vermittler“, sagte Hans Reichhart. Es gebe bei der Elektrifizierung und dem Bau der Strecke einiges an Innovationspotenzial, auch wenn die Bahn aktuell noch Probleme habe.

„Ich verstehe nicht, warum in Österreich eine Untertunnelung in weiten Teilen möglich ist und bei uns nicht. (…) Das Ziel muss sein, möglichst viel unter der Erde zu machen.“

FDP-Fraktionschef Hagen: „Müssen wettbewerbsfähig bleiben“

Auch der Fraktionschef der FDP im Landtag Martin Hagen sprach sich für eine Untertunnelung und besseren Lärmschutz aus. Er erklärte auf die Kritik, dass die Baumaßnahmen und die zusätzlichen Bahntrassen das Inntal zerstörten, dass man wettbewerbsfähig bleiben müsse. Zur Heimat gehörten auch Arbeitsplätze. Das Verkehrsprojekt sei wichtig für den Wohlstand auch in der Region:

„Wir brauchen den Brenner-Basis-Tunnel und wir brauchen ihn auch für die Heimat. Denn die Menschen, die momentan hier im Inntal von dem LKW-Verkehr belastet sind, für die ist es ein Vorteil wenn wir den Verkehr von der Straße auf die Schiene bringen.“ Martin Hagen, FDP

Auch für den Klimaschutz sei es wichtig, mehr Güterverkehr auf die Schiene zu verlegen. Auf die Frage, ob die Zukunft nicht im Gegenteil etwa bei selbstfahrenden Elektro-LKW liegen könnte, sagte Hagen, er wolle auf keinen Fall, dass Straßen noch weiter ausgebaut werden müssten.

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Der Fraktionsvorsitzende der FDP im Bayerischen Landtag, Martin Hagen, sieht den Brennerbasistunnel als wichtigen Motor für die heimische Wirtschaft. In der Sendung "jetzt red i" betont er die Wichtigkeit des Projekts für unseren Wohlstand

Viele Bahntrassen-Gegner im Publikum

Aus dem Publikum kamen noch weitere Argumente gegen den Bau der Trasse.

Die Bahn habe ihre Prognosen auch bei anderen Projekten nicht eingehalten und ihre Auslastung auf der Strecke in den letzten Jahren nicht entsprechend steigern können. Auch wurde angezweifelt, ob die zusätzlichen Gleise dann wirklich für den Güter- und nicht eher für den Personenverkehr wären. Überhaupt bestehe das Verkehrsproblem im Inntal nur auf Grund von Verfehlungen jahrelanger CSU-Politik.

Spediteur Georg Dettendorfer aus der Region sprach sich hingegen für den Ausbau aus. Blockabfertigung sei schon jetzt ein Problem, nur durch eine Erweiterung der Schienen könnte der gesamte Güterverkehr auf Züge verteilt werden. Begleitet wurde die Sendung auch außerhalb der Veranstaltungshalle von einem Public Viewing, zu dem die Bürgerinitiative „Brennerdialog“ eingeladen hatte. Knapp hundert Personen nahmen teil, viele hatten ihre roten Warnwesten an, mit dem Aufdruck „Brenner DBakel“.