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"jetzt red i": Massentierhaltung gleich Tierquälerei? | BR24

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Nach den Tierquälerei-Vorwürfen gegen einen Allgäuer Großbauern zeigt sich Agrarministerin Kaniber entsetzt. Bei "jetzt red i" betont sie zugleich, die Größe eines Hofs sei nicht ausschlaggebend für das Tierwohl. Entscheidend sei der Mensch.

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"jetzt red i": Massentierhaltung gleich Tierquälerei?

Der Mensch ist der entscheidende Faktor, wenn es um das Wohl der Tiere geht. Der Vorfall in einem Allgäuer Betrieb, in dem Tiere schwer misshandelt wurden, führte bei "jetzt red i" zu einer Frage: Was wollen wir als Verbraucher eigentlich?

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"Ich habe ein Problem mit der Empörung von einem Großteil der Verbraucher, die sich heute über die Zustände in der Massentierhaltung empören und morgen gehen sie wieder alle zu Aldi, Lidl und Co. zum Einkaufen und unterstützen das System", sagte Landwirt Stefan Häfele und erntete Applaus für seine Kritik.

Die Einstellung der Verbraucher zum Thema Tierschutz sollte im Laufe der Sendung auch weiterhin im Mittelpunkt stehen. Dabei wurde auch das Handelsabkommen Mercosur zum Streitpunkt zwischen den Gästen auf dem Podium. Landwirte äußerten in der Sendung Bedenken, dass durch importierte landwirtschaftliche Produkte, der Druck auf die regionalen Betriebe noch größer werde.

Michaela Kaniber sieht Regionalität als Antwort auf Konkurrenz im Weltmarkt

Beim Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay, sei sie sehr zwiegespalten, sagte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Die Standards in Südamerika seien aus ihrer Sicht sehr wahrscheinlich nicht auf dem Niveau, das man hier als Verbraucher erwarten würde. Denn selbstverständlich wolle man hier ordentliches Fleisch, nicht übertrieben gemästet. Trotzdem:

"In Summe, unter dem Strich, muss man eben auch sagen, Import, Export ist nie eine Einbahnstraße und wir können, das ist mit Verlaub so, wir sind nicht alleine auf dieser Welt." Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber

Die bayerische Antwort auf die weltweite Konkurrenz sei Qualität und die Förderung der regionalen Betriebe. Damit diese in Zukunft sowohl qualitativ als auch tierschutzgerecht produzieren könnten, sieht sie die flächengebundene Landwirtschaft als ein Weg zum Ziel.

"Wenn wir heute über Kreisläufe in der Landwirtschaft reden. Ich habe ein ganz klares Ziel ausgegeben für die nächsten Unterstützungen für die Landwirte, wenn es um Investitionen, um Stallbauten geht, dass wir hin zur flächengebundenen Landwirtschaft müssen. Das heißt, wieviel Fläche habe ich, wieviele Tiere kann ich mir erlauben. Sonst haben wir auch aus Umweltgründen keine Chance." Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber

Gisela Sengl: "Ich halte es für ein schlechtes Abkommen."

Gerade was den landwirtschaftlichen Teil angeht, sei dieses Abkommen der falsche Weg, sagte Gisela Sengl von Bündnis 90/Die Grünen. Man hätte die Landwirtschaft sogar komplett aus dem Abkommen herausnehmen sollen, denn so entstünden Massentierhaltungsbetriebe erst.

"Wenn Sie [Michaela Kaniber, Anm.d.Red.] sagen, wir importieren Rindfleisch und exportieren dafür unsere Milch, ja dann haben wir ja genau das Problem. Dafür brauchen wir dann so Riesenbetriebe, wie den Endres, der die Menge überhaupt schafft, aber wollen wir das, was macht das für einen Sinn bei uns soviel Milch zu produzieren, die kann man nämlich nicht mitexportieren." Gisela Sengl, Bündnis 90/Die Grünen

Der von Gisela Sengl angesprochene Landwirtschaftsbetrieb Endres war der Anstoß der Diskussion. Mehrere Kühe wurden dort über Wochen schwer misshandelt. Sowohl Michaela Kaniber als auch Gisela Sengl sprangen den Landwirten in Bayern jedoch zur Seite und warnten davor alle über einen Kamm zu scheren. Auch die Verbraucher müssten sich fragen, was ihnen gute Landwirtschaft und Tierschutz wert sei.

Was wollen wir eigentlich?

Unter den Bürgern in der Arena wurde diese Frage offen diskutiert. Wer Milch und Fleisch so günstig wie möglich einkaufe, müsse sich auch nicht wundern, dass der Tierschutz bei solchen Betrieben nicht an erster Stelle stünde. Eine Frau im Publikum stellte ganz grundsätzliche Fragen:

"Ich höre hier nur von Gewinnmaximierung und was weiß ich alles. Wir müssen uns eine ethische Frage stellen. Was hat ein Tier für ein Bedürfnis? Warum unterscheiden wir Nutztiere und Haustiere? Warum streicheln wir die Katze und den Hund, aber warum essen wir die Kuh?“

Auch wenn die Fragen an diesem Abend nicht beantwortet wurden, mit dem aufkommenden Applaus schien sie einen Nerv getroffen zu haben.