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Hochwasser haben auch in Bayern schwere Schäden verursacht. Viele Menschen stehen vor dem Nichts. Wie kann geholfen werden?

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"jetzt red i": Heftige Kritik an mangelndem Hochwasserschutz

Zu viele versiegelte Flächen, zu lange Planung, zu wenig Schutz: Nach dem Hochwasser im Berchtesgadener Land werfen die Betroffenen der Politik Versäumnisse vor. Rodel-Legende Georg Hackl hält ein flammendes Plädoyer für mehr Klimaschutz.

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Von
  • Christine Memminger

Nach der Flutkatastrophe im Berchtesgadener Land stehen viele Menschen vor den Trümmern ihrer Häuser und Betriebe. Das Hochwasser hat sie trotz Vorwarnung mit einer ungeahnten Wucht getroffen, berichteten Betroffene in der Sendung "jetzt red i" am Mittwochabend im BR Fernsehen. Live konfrontierten sie den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und die Vorsitzende der bayerischen Grünen Eva Lettenbauer mit ihren Forderungen nach besserem Schutz vor Hochwasser.

Seit Jahrzehnten Schutzmaßnahmen nicht umgesetzt

Ein kleiner Bach hat sich hinter dem Autohaus von Anton Brandner in Berchtesgaden in einen reißenden Strom verwandelt und sein gesamtes Inventar zerstört. 1998 sei der Bach schon einmal über die Ufer gestiegen, danach sollte er verbaut werden. Doch Brandner bemängelte:

"Seitdem ist eigentlich genau gar nichts passiert." Anton Brandner

Auch der Bürgermeister von Bischofswiesen Thomas Weber (CSU) meinte, dass man bereits vor der Katastrophe um die Gefährdung der betroffenen Gebiete gewusst habe. "Wir haben einen Hochwasserbereich, der 1959 definiert und noch nicht umgesetzt wurde", kritisierte Weber. Die Genehmigungsverfahren dauerten zu lange, die Zuständigkeiten seien nicht geklärt. "Da erwarte ich jetzt, den bekannten Hochwasserschutz auszubauen", forderte der Bürgermeister. "Schnell und unbürokratisch." Starkregen-Ereignisse könne man auch in Zukunft nicht verhindern, Murenabgänge jedoch schon.

Innenminister Herrmann verweist auf Erfolge

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann bekräftigte, dass der Hochwasserschutz weiter ausgebaut werden muss. Flächenverbrauch verringern, bestimmte Retentionsräume freihalten, Wassermassen geschickt lenken - all das sei bereits von der Staatsregierung beschlossen. "Wir werden dafür auch noch viel mehr Geld zur Verfügung stellen", versprach er.

Der nun beschlossene Bau neuer Donau-Polder sei dafür ein erstes Zeichen. In anderen Orten wie Eschenlohe bei Garmisch-Partenkirchen zeigten die Maßnahmen bereits Wirkung, so Herrmann. Allerdings gebe es immer wieder Bauvorhaben, "quer durch Bayern", wo Häuser doch näher am Fluss entstehen sollen, als es der Hochwasserschutz vorsieht. "Da muss man den Mut haben zu sagen: Nein, das geht definitiv nicht", meinte der Innenminister. Zusätzlich werde der Freistaat nun das Warnsystem verbessern, neue Sirenen aufbauen und in Zukunft Cell-Broadcasting zur Alarmierung der Bevölkerung nutzen.

Grünen-Chefin Lettenbauer fordert Bauverbot in Hochwassergebieten

Der Vorsitzenden der bayerischen Grünen, Eva Lettenbauer, gehen die Vorhaben der Staatsregierung noch nicht weit genug. "Wir fordern, dass in Hochwasser-Risikogebieten nicht mehr neu gebaut werden darf", sagte sie. "Das muss jetzt die Konsequenz sein." Bloße Appelle reichen ihrer Meinung nach nicht mehr.

Ebenso strikt will sie bei der Flächenversiegelung vorgehen. "Wir müssen da klüger werden", meinte Lettenbauer. Noch immer würden große Parkplätze genehmigt, wo sonst Wasser versickern könnte.

Außerdem plädierte sie wie Grünen-Parteivorsitzende Annalena Baerbock für eine deutliche Stärkung des zentralen Katastrophenmanagements in Deutschland. Nur so könnten die Unwetterwarnungen effektiver ausgewertet und an die Landkreise und Kommunen weitergegeben werden.

Georg Hackl mit flammendem Plädoyer für mehr Klimaschutz

Eine besonders emotionale Wortmeldung kam am Ende der Sendung von Rodel-Legende Georg Hackl aus Bischofswiesen. "Das kann jetzt keiner mehr abstreiten, dass solche Ereignisse sich wiederholen werden und in immer größerer Dichte auf uns zukommen", meinte er. Der "Hackl Schorsch", selbst CSU-Mitglied, stellte sich dabei hinter die Äußerungen der Grünen-Politikerin.

"Mir geht es in erster Linie um den Klimaschutz", betonte er. Die Bundesregierung handle noch immer "zu behäbig" beim Ausbau der regenerativen Energien. Windräder, Solaranlagen "auf jedem Dach" und vermehrt Biogasanlagen brächten laut Hackl den Erfolg bei der Energiewende. Die Politik müsse jetzt "ihre Hausaufgaben machen" - über Parteigrenzen hinweg. "Rauft’s euch zam!"

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