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Jetzt red i: "Automobil sukzessive aus der Stadt rausdrängen" | BR24

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Bayerns Verkehrsministerin Schreyer, CSU, und der Verkehrsexperte der Grünen im Bundestag, Janecek, sind sich einig, dass weniger Autos in die Innenstädte fahren sollen. In der Sendung "jetzt red i" im BR Fernsehen diskutierten über das Wie.

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Jetzt red i: "Automobil sukzessive aus der Stadt rausdrängen"

Grünen-Verkehrsexperte Dieter Janecek will die Anzahl der Autos in Städten halbieren. Nur dann gäbe es seiner Meinung nach genug Raum für alle. Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) widerspricht: "Das ist der falsche Weg."

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In der Bürgersendung "jetzt red i" wurde am Mittwochabend heftig über Verkehrspolitik diskutiert. Sowohl Auto- als auch Radfahrer und Fahrerinnen meldeten sich zu Wort, jeweils mit dem Vorwurf, sie würden benachteiligt. Eine Münchnerin berichtete, dass sie "ein Gegeneinander" im Straßenverkehr erlebe, die Fahrradwege zu eng seien und sie regelmäßig beschimpft werde, wenn sie als Radlerin ihre Rechte einfordere. Dabei fahre sie selbst auch gerne Auto, es gebe nur zu wenig Platz für alle Verkehrsteilnehmer.

Janecek fordert Halbierung des Autoverkehrs in Städten

Die Lösung für das Problem ist laut Grünen-Verkehrsexperte Dieter Janecek eine deutliche Reduzierung der Kraftfahrzeuge in Städten wie München, Nürnberg oder Regensburg. "In der City müssen wir das Automobil sukzessive aus der Stadt rausdrängen", sagte er. "Nicht zu hundert Prozent, aber eine Halbierung des Automobilverkehrs in den Städten ist auf jeden Fall notwendig." Anders könnten beispielsweise Kinder nicht sicher mit dem Rad zur Schule fahren und die Verkehrswende sei unmöglich.

"Entscheidend ist die Verteilung des Raums", erklärte der Bundestagsabgeordnete. Mehr und breitere Fahrradwege seien laut Janecek nur möglich, wenn entsprechend weniger Autos unterwegs wären. Das käme sowohl Fahrradfahrern, als auch Fußgängern zugute. "Dann kommen sie sich auch nicht so oft in die Quere", meinte er. Als Vorbild nannte er Kopenhagen, wo bereits 60 Prozent der Verkehrsteilnehmer mit dem Fahrrad unterwegs seien.

Verkehrsministerin Schreyer will Anreize statt Verbote

Die Bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) widersprach deutlich. "Dass ich bewusst sage, ich verbiete 50 Prozent der Autos da hinein zu fahren, ist für mich der falsche Weg", sagte sie. Stattdessen schlug sie vor: "Ich möchte, dass wir über Anreiz-Systeme nachdenken." Die Förderung von Lastenfahrrädern und des Öffentlichen Personennahverkehrs seien entsprechende Anreize, damit sich die Zahl der Autos irgendwann "automatisch reduziert". Auch mehr Homeoffice könnte ihrer Meinung nach dazu beitragen, wie sich in der Corona-Krise gezeigt habe.

Schreyer betonte das Ziel der Bayerischen Staatsregierung, bis zum Jahr 2025 den Anteil des Radverkehrs von gegenwärtig zehn auf 20 Prozent zu steigern. Jedoch beklagte auch sie "das Gegeneinander" von Auto- und Fahrradfahrern. Im Straßenverkehr sei "mehr Rücksicht" gefragt, meinte die Ministerin. "Wie wollen wir miteinander umgehen ist für mich die zentrale Frage." Dazu gehöre auch, sein eigenes Vorfahrtsrecht nicht immer durchzudrücken. Sie selbst sei übrigens jahrelang mit Fahrrad und Bus zu Terminen gefahren und habe erst mit 28 Jahren den Führerschein gemacht, erzählte die Verkehrsministerin.

Weiterhin Maskenpflicht in Bus und Bahn

Angesprochen auf die Gefahr einer Ansteckung mit dem neuartigen Corona-Virus in öffentlichen Verkehrsmitteln, gab Kerstin Schreyer Entwarnung: "Man kann heute ohne Sorge ÖPNV fahren", sagte sie. In den S-Bahnen werde jeder Haltegriff dreimal am Tag desinfiziert und es sei sichergestellt, dass sich Türen in Bussen und Bahnen automatisch öffnen. Allerdings kündigte sie an, dass die Maskenpflicht so lange in Bus und Bahn gelten werde, bis es ein Medikament oder einen Impfstoff gegen das Virus gibt. "Die Maskenpflicht haben wir nicht gemacht, um irgendwen zu gängeln", erklärte sie, "sondern weil der Abstand von eineinhalb Metern beim Ein- und Aussteigen nicht gehalten werden kann."

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Die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen wird noch eine ganze Weile bestehen bleiben, so Verkehrsministerin Schreyer, CSU, im BR Fernsehen. In der Sendung "jetzt red i" versicherte sie, dass sie nicht eingeführt wurde, um die Menschen zu gängeln.

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