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Raserunfall in München: Dashcam filmte Fahrt – Drogen im Auto | BR24

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Auf der Flucht vor der Polizei hat ein Autofahrer im Münchner Stadtteil Laim zwei Jugendliche erfasst. Ein 14-Jähriger starb, eine 16-Jährige wurde schwer verletzt. Der Fahrer aus dem Raum Bad Tölz flüchtete, konnte aber schnell gefasst werden.

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  • Artikel mit Video-Inhalten

Raserunfall in München: Dashcam filmte Fahrt – Drogen im Auto

Bei dem Raserunfall in München könnten Drogen und eine Bewährungsstrafe der Grund für die Flucht vor der Polizei gewesen sein. Ein 34-Jähriger raste mit Tempo 120 durch die Innenstadt und tötete einen 14-Jährigen. Das zeigt auch eine Videoaufnahme.

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Den Raserunfall in München, bei dem am Freitag ein 14-Jähriger ums Leben kam und eine 16-Jährige schwer verletzt wurde, dokumentiert ein Video. Wie Kriminaloberrat Josef Wimmer in München sagte, gibt es eine sogenannte Dashcam-Aufnahme eines anderen Fahrzeuges, die die Flucht des Verdächtigen und auch den Unfall zeige. Die Aufnahmen belegten das Tempo, mit dem der Täter vorbeischieße.

Der 14-Jährige wurde von dem Auto erfasst und bei dem Zusammenprall durch die Luft geschleudert. "Der Jugendliche wurde wahrhaftig katapultiert, aufgenommen von dem heranschießenden Auto und mehrere Meter weit weg über die Fahrbahn geschleudert", schilderte Wimmer, der Leiter der Mordkommission. Direkt nach dem Unfall hielten Polizisten laut Wimmer an, um mit der Reanimation des 14-Jährigen zu beginnen.

Täter flüchtete zu Fuß

Der Täter flüchtete nach dem Unfall zu Fuß und konnte von der Polizei später festgenommen werden. Er stand unter Alkoholeinfluss und leistete erheblichen Widerstand. In seinem Auto konnten geringe Mengen Drogen sichergestellt werden. Der Mann schweigt zu den Vorwürfen.

Dashcam-Aufnahmen von Flucht und Unfall

Am Montagmorgen meldete sich ein Autofahrer, der die Flucht und auch den Unfall mit seiner Dashcam gefilmt hatte. Die Aufzeichnungen der Dashcam wertet die Münchner Staatsanwaltschaft als wichtiges Beweismittel. Auch wenn es sich dabei um eine Ordnungswidrigkeit handeln könnte, den Straßenverkehr dauerhaft auf diese Weise zu filmen. Ein Verwertungsverbot gebe es nicht, betonte Anne Leiding, Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I.

Deshalb werde die Staatsanwaltschaft diese für die Ermittlungen und einen späteren Gerichtsprozess auswerten, sagte Leiding. "Die Polizei und die Staatsanwaltschaft sind sehr froh, dass es diese Aufnahmen gibt."

Staatsanwaltschaft geht von vorsätzlicher Tat aus

Die Staatsanwaltschaft geht von einer vorsätzlichen Tat aus, da der Beschuldigte auf einer stark befahrenen Straße im Münchner Stadtzentrum entgegen der Fahrtrichtung unterwegs war. Er soll dabei bis zu 120 Stundenkilometer schnell gefahren sein und mindestens zwei rote Ampeln überfahren haben. Zudem sei der Mann gegen Ende der Fahrt mit ausgelösten Airbags unterwegs gewesen und habe dadurch kaum mehr etwas sehen können.

Polizei: "Sehr defensiv" und um Sicherheit bemüht

Die Polizei hatte zwar die Verfolgung des Rasers aufgenommen, sich dabei laut Kriminaloberrat Wimmer aber "bewusst zurückgehalten". Die Beamten seien "sehr defensiv" gewesen. Aber es sei eben auch nötig gewesen, dem Flüchtigen zu folgen, auch um die anderen Verkehrsteilnehmer mit Sirene und Blaulicht zu warnen, dass hier ein Wagen entgegen der Fahrtrichtung heranrase. "Allerdings konnten sie dieses Unglück nicht verhindern."

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Mord und versuchter Mord - das wirft die Münchner Staatsanwaltschaft einem Raser vor, der auf der Flucht vor der Polizei einen Jugendlich überfuhr.

Ermittlungen wegen Mordes und dreifachen Mordversuchs

Eine Ermittlungsrichterin erließ schon am Wochenende Haftbefehl gegen den 34-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft geht von Mord an dem 14-Jährigen und Mordversuch an seiner 16-jährigen Begleiterin aus. Zudem wirft sie dem Mann Mordversuch an zwei Insassen eines Autos vor, das bei einem Ausweichmanöver gegen eine Litfaßsäule prallte.

Als Mordmerkmale nannte Leiding Heimtücke, da der Fahrer ungebremst auf die Jugendlichen zugerast sei, sowie "gemeingefährliches Mittel", weil er das Auto als Geschoss benutzt habe. Zudem sei von niedrigen Beweggründen auszugehen. Nach der Tat sei er in "Verdeckungsabsicht" geflüchtet. Mit einer Verkehrsordnungswidrigkeit habe das nichts mehr zu tun.

Fahrer wegen Drogenhandels verurteilt – offene Bewährung

Der Mann war laut Leiding im Mai 2016 wegen Drogenhandels zu einem Jahr und sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Seine dreijährige Bewährungszeit musste demnach einmal verlängert werden, weil zwischenzeitlich erneut Drogenkonsum nachgewiesen worden war. Aktuell habe der Mann noch eine "Reststrafenbewährung" von einem Jahr."Das könnte der mögliche Hintergrund für diese Tat sein", sagte Leiding. Ein Drogenschnelltest im Krankenhaus sei positiv ausgefallen. Auch eine geringe Menge Marihuana sei im Auto gefunden worden.

Polizei weist Vorwürfe von "Hetzjagd" zurück

Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins wies erneut Vorwürfe zurück, es habe sich um eine "Hetzjagd" gehandelt. In den sozialen Medien war der Polizei eine Mitschuld an dem Unfall unterstellt worden. Da Gloria Martins zeigte sich "erschüttert" über entsprechende Vorwürfe und Meldungen und nahm die Beamten in Schutz.