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Der Vatikan in Rom verbietet die Segnung homosexueller Paare. Jesuitenpater Ansgar Wiedenhang aus Nürnberg will sich über dieses Verbot hinwegsetzen. Wir besuchen ein lesbisches Paar, das vor einigen Jahren in seiner Kirche St. Klara gesegnet wurde.

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Jesuitenpater aus Nürnberg will weiter homosexuelle Paare segnen

Jesuitenpater Ansgar Wiedenhaus von der Offenen Kirche St. Klara in Nürnberg hat bereits mehrfach homosexuelle Paare gesegnet, die den Wunsch dazu hatten. Entgegen dem Verbot durch die katholische Kirche will er weitermachen.

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Von
  • Constanze Schulze

Eines der ersten Paare, dem Jesuitenpater Ansgar Wiedenhaus von der Offenen Kirche St. Klara in Nürnberg schon 2012 den Segen erteilt hat, sind Susanne Oberhauser und Elena Hirschoff. Auch sie verfolgen mit Bestürzung die Debatte um die Segnung homosexueller Paare in der katholischen Kirche.

Die beiden Frauen sind nach deutschem Recht verheiratet und haben Gottes Segen für ihre Beziehung. Inzwischen haben sie auch einen kleinen Sohn. Felix ist drei Jahre alt und nach dem Wunsch seiner Mütter wurde er katholisch getauft. Die beiden Ehefrauen glauben an Gott. In der Offenen Kirche St. Klara in Nürnberg haben sie vor Jahren ihre Verbindung segnen lassen. Schon damals war das in der katholischen Kirche nicht erlaubt, aber der Pater Ansgar Wiedenhaus hatte sich darüber hinweggesetzt.

"Weltfremd": Ärger über Verbot aus Rom

Jetzt hat es die Glaubenskongregation offiziell verboten. Susanne Oberhauser macht das wütend. "Es ist wie Volksverhetzung! Wenn die Kirche sich erdreisten würde, sowas über andere Minderheiten zu sagen, wäre der Aufschrei gigantisch, da würden die Leute sagen: Geht’s eigentlich noch?" Die beiden Frauen glauben an Gott, fühlen sich in St. Klara daheim und sind feste Gemeindemitglieder. Umso schwerer wiegen die Aussagen aus Rom, sagt Susanne Oberhauser, "also das ist so weltfremd, das hat mit meiner Kirche nichts mehr zu tun."

In St. Klara sind sie willkommen, Jesuitenpater Ansgar Wiedenhaus hat sie 2012 gesegnet. Er musste nicht lange darüber nachdenken. Für ihn kam nicht in Frage, den Segen zu verweigern.

"Ich muss ja gestehen, man muss eher begründen warum man es nicht macht. Wenn zwei Menschen sich lieben und sagen, das wollen wir unter den Segen Gottes stellen, dann ist doch meine Aufgabe als Priester zu sagen: 'Ok, der Segen wird Euch zugesprochen.'" Ansgar Wiedenhaus, Jesuitenpater

Priester fürchtet Kirchenaustritte

Das Verbot der Segnung homosexueller Paare findet der Jesuitenpater grausam und verletzend. Deshalb stellt er sich weiterhin dagegen, wie auch einige seiner Kollegen in Nürnberg. "Das ist ja auch eine Selbstverpflichtung zu sagen, wir schweigen dazu nicht mehr. Wir möchten segnen, wir möchten das im kirchlichen Rahmen tun." Der Schuss der Glaubenskongregation sei nach hinten losgegangen. Jetzt würden noch mehr Menschen sagen: "Es reicht!". Der Priester fürchtet, dass es zu Austritten komme könnte, weil die Menschen mit der Haltung der Kirche in dieser Sache nicht einverstanden seien.

Segnung homosexueller Paare könnten jetzt sogar zunehmen

Susanne Oberhauser und Elena Hirschoff wollen sich nicht von ihrem Glauben abwenden. Sie lieben sich und sind überzeugt, Gott liebt sie auch, so wie sie sind. Jesuitenpater Ansgar Wiedenhaus rechnet damit, dass sich nun noch mehr homosexuelle Paare melden würden, da sich in Nürnberg weitere Priester für die Segnung ausgesprochen haben. "Ich bin hundertprozentig sicher, dass es etwas Gutes ist und ohne jeden Zweifel richtig, Paare in homosexuellen Partnerschaften zu segnen." Elena Hirschoff und Susanne Oberhauser sind dankbar für die klaren Worte ihres Priesters. Sie wünschen sich, dass diese Botschaft von vielen gehört und akzeptiert wird.

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