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Jeder Tropfen zählt: Dürre in Unterfranken | BR24

© pa/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Kahle Weinstöcke stehen am Schwanberg bei Iphofen in der Sonne.

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Jeder Tropfen zählt: Dürre in Unterfranken

Unterfranken gehört zu den trockensten Regionen in Bayern. Hier gibt es hervorragende Böden für Wein- und Gemüseanbau. Doch immer heißere Sommer mit immer weniger Niederschlägen bereiten Winzern und Gemüsebauern große Probleme.

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Von
  • Sabine Lindlbauer

Wasser ist in manchen Regionen zum umkämpften Gut geworden. Auch in diesem Sommer hat es im Norden Bayerns nur etwa halb so viel geregnet wie im Süden des Freistaats. Der dritte Trockensommer in Folge.

Sinkende Grundwasserspiegel und immer höherer Bewässerungsbedarf

In der Bergtheimer Mulde nördlich von Würzburg boomt der Gemüseanbau - und damit wächst auch der Wasserbedarf. Jahrelang stieg die Nachfrage nach Wasserrechten für die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen.

Doch inzwischen hat das Wasserwirtschaftsamt ein Moratorium ausgesprochen. Neue Wasserrechte gibt es erst einmal nicht mehr.

Nun wird ein Landschaftswasser-Haushaltsmodell erstellt, das mehr Aufschluss über die Situation geben soll: wie wirken sich Grundwasserentnahmen auf den Grundwasserhaushalt aus? Ist der Nutzungsdruck zu hoch? Vor allem junge Bauern trifft das Moratorium hart. Sie fürchten um ihre Zukunft in der Landwirtschaft.

Neue Wege für Landwirte

Thomas Schwab aus Remlingen im Würzburger Westen hilft sich selbst. Der Gemüsebauer kultiviert Mohrrüben, Kartoffeln und Zwiebeln. Nachdem einer seiner beiden Speicherteiche für die Bewässerung im letzten Jahr weitgehend trockengefallen ist und die Bohrung für einen Ersatzbrunnen in der Luft hängt, hat er begonnen, neue Techniken für die Tropf-Bewässerung zu entwickeln. Er sucht nach wassersparenden, klimagerechten Lösungen.

Mit einer Eigenkonstruktion bringt er seine Bewässerungs-Schläuche unterirdisch aus - gemeinsam mit den winzigen Samenkörnern. Damit spart er bis zu 50 Prozent Wasser ein.

Er würde gerne auch das Waschwasser für sein Gemüse reinigen und wiederverwenden. Doch die teuren Anlagen, die er dafür bräuchte, würden auch den Preis seines Gemüses erhöhen, und er wäre nicht mehr konkurrenzfähig. Thomas Schwab wünscht sich, dass alle an einem Strang ziehen. Ihm ist klar: Landwirtschaft ist lebenslanges Lernen.

Auch die Winzer leiden unter der Trockenheit

Andrea Wirsching aus Iphofen ist Winzerin in 14. Generation. Auch sie macht sich Sorgen, wie es weitergehen soll. Dabei hat sie den Klimawandel zunächst einmal gar nicht als Bedrohung wahrgenommen. Im Gegenteil: "Wir sind zunächst Krisengewinnler, ja, auf jeden Fall", meint Wirsching. "Also der deutsche Weinbau hat da unglaublich dazugewonnen. Das merkt man ja auch, dass Regionen, die vorher immer relativ kleine normale Durchschnittsqualitäten geliefert haben - Seitentäler, kühlere Regionen - plötzlich ganz neue Superstars wurden."

Doch inzwischen ist der Klimawandel zum Problem geworden. Den Trauben wird es immer öfter zu heiß. Und die Winzer müssen Wege finden, die Trockenheit in den Griff zu bekommen, um Qualitätseinbußen zu verhindern. Der Druck auf dem internationalen Markt ist groß - auch für Andrea Wirsching: "Wir können hier wirklich mit die besten Weißweine der Welt machen. Und wir müssen aber unsere Pflanzen davor bewahren in diesen - das klingt so dramatisch - aber in diesen Todeskampf zu kommen. Wenn also das Wasser irgendwann so wenig wird, dass die dann nur noch mit knapper Mühe und Not versuchen, irgendwelche Früchte zu produzieren, dann sind die Früchte nicht mehr gut genug für einen guten Wein."

Bewässerung mit Mainwasser?

In Iphofen steht nun die Idee im Raum, den rund acht Kilometer entfernten Main anzuzapfen und das Wasser von dort zu holen. Wenn sich genügend Winzer finden, um das Projekt zu stemmen, müsste ein Bewässerungsverband gegründet werden. Dann könnten Leitungen gelegt und ein Speichersee gebaut werden, in dem die Winzer in den feuchteren Wintermonaten Wasser aus dem Main speichern würden. Ein aufwändiges Vorhaben, das allerdings gute Chancen hat, vom Freistaat als Pilotprojekt unterstützt zu werden. Die Winzer in Iphofen hoffen auf mehrere Millionen Euro an Fördergeldern.

Immer mehr Begehrlichkeiten richten sich inzwischen auf den Main. Auch andere Winzergemeinschaften in der Region, sowie die Gemüsebauern in der Bergtheimer Mulde hoffen nun auf Mainwasser.

Klimawandel immer schneller

Anja Schmitt-Kraiß und ihr Mann Frank betreiben ein Weingut in Bergtheim. Sie stellen fest, dass der Klimawandel schneller voranschreitet, als gedacht. Situationen, wie man sie ihnen in einem landwirtschaftlichen Zukunftsworkshop für Mitte des Jahrhunderts prognostiziert hat, haben sie in den vergangenen beiden Jahren bereits erlebt: "Des war für uns a weng erschreckend wie schnell sich eine Landschaft, die Welt einfach ändert. Und somit auch die ganze Natur damit zurechtkommen muss."

Der Klimawandel ist angekommen in Unterfranken, und die Landwirte müssen Wege finden, sich an die neue Situation anzupassen.

© pa/dpa/Weissing Gerd

Burg Hoheneck bei Ipsheim.

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Lukas Schmidt und Markus Meier sind Winzer, die auf ihrem Weingut komplett auf fossile Energieträger verzichten. Das Bayerische Landwirtschaftsministerium ist von dem Konzept überzeugt und verleiht den Klimapreis.