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© BR/Judith Zacher

Der Veitriedhausener Abendmahlskelch

Leonhard Bertenbreiter und Michael Jerszynsky wollten eigentlich die Geschichte von Veitriedshausen in einem Film verarbeiten. Zur Recherche stiegen sie auch auf den Dachboden der kleinen Dorfkirche und entdeckten dort Außergewöhnliches. Hinter der großen Glocke war zwischen dem Gebälk eine Kiste versteckt. Auf den ersten Blick waren darin nur ein paar alte Zinngefäße, doch eines davon entpuppte sich als seltenes Exemplar eines protestantischen Abendmahlskelchs.

Farbe des Kelches machte stutzig

Das Gefäß ist nicht, wie in der katholischen Kirche üblich, vergoldet oder versilbert, sondern aus einfachem dunkelgrauen Zinn. Weil sich Leonhard Bertenbreiter und Michael Jerszynsky auf diesen Kelch in ihrer katholischen Kirche keinen Reim machen konnten, fragten sie dann Kreisheimatpfleger Alois Sailer um Rat.

"Dann habe ich gewusst, dass die Kirche ein paar Jahre auch evangelisch war. Dann bleibt als einziges: das muss ein evangelischer Kelch sein, weil er ja innen nicht vergoldet ist." Kreisheimatpfleger Alois Sailer

Versierter Handwerker formte den Kelch

Der Kelch stammt also aus einer Zeit, in der die Kirche evangelisch war. Damals gab es in der Region viele Zinngießer - doch nur wenige hätten einen solchen Kelch formen können. Sailer geht davon aus, dass der Handwerker, der den Kelch formte, einmal in Augsburg gewesen sein muss. Dort ist er mit der Renaissance in Verbindung gekommen. Der Kreisheimatpfleger vermutet, dass der Kelch aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammt. Davon, dass der Abendmahlskelch so gut erhalten ist, ist Michael Jersyznsky immer noch begeistert.

"Der hat die Reformation überlebt, den 30-jährigen Krieg überlebt, die Napoleonischen Kriege überlebt, den Franzosenkrieg, den Ersten, den Zweiten Weltkrieg, und das ist dann natürlich schon eine Besonderheit." Michael Jerszynsky

Glücksfall für Reformationsausstellung

Wie die Veitriedshausener inzwischen herausgefunden haben, handelt es sich bei ihrem Kelch um das einzig bekannte Exemplar aus dieser Zeit nördlich der Alpen. Das haben auch zahlreiche Historiker sowie die Kunstbeauftragten der evangelischen Kirche in Bayern bestätigt. Als Leihgabe wird der Kelch nun im Sommer in der Ausstellung "Fürstenmacht und wahrer Glaube" in Neuburg an der Donau gezeigt, um dann wieder nach Veitriedhausen zurückzukommen.

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Hinter der großen Glocke war zwischen dem Gebälk war der Kelch in einer Kiste versteckt.

Hinter der großen Glocke war zwischen dem Gebälk war der Kelch in einer Kiste versteckt.

Kreisheimatpfleger Alois Sailer ist stolz auf den Fund.

Kreisheimatpfleger Alois Sailer ist stolz auf den Fund.