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Jäger klagen: Immer mehr Freizeitsportler im Wald | BR24

© BR/Renate Roßberger

Durch den allgemeinen Outdoor-Trend in den Wäldern steigt die Zahl der Mountainbiker, Wanderer, Jogger kontinuierlich an - zum Unmut der Jäger. Freizeitsportler bringen nicht nur Wildtiere, sondern auch sich selbst in Gefahr.

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Jäger klagen: Immer mehr Freizeitsportler im Wald

Durch den allgemeinen Outdoor-Trend in den Wäldern steigt die Zahl der Mountainbiker, Wanderer und Jogger kontinuierlich an - zum Unmut der Jäger. Freizeitsportler bringen manchmal nicht nur Wildtiere, sondern auch sich selbst in Gefahr.

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Immer mehr Menschen zieht es in den Wald. Leider sind Wanderer und Freizeitsportler aber auch oft abseits der Wege oder in der Dämmerung unterwegs, was wiederum bei vielen Jägern für Unmut sorgt. Menschen abseits der Wege oder nachts mit Stirnlampe im Wald nehmen Wildtieren außerdem ihre Ruhezeiten und schrecken die Tiere unnötig auf.

Corona hat das Problem nochmal verschärft

Die Zahl der Wanderer, Jogger, Trailrunner, E- und Mountainbiker ist in den letzten Jahren durch den allgemeinen Outdoor-Trend in den Wäldern kontinuierlich angestiegen. Die Corona-Pandemie hat das noch einmal verstärkt, weil heuer mehr Menschen im Inland Urlaub machen oder gar nicht wegfahren.

Abseits der Wege - für viele Wanderer ein Erlebnis

Vor allem stadtnahe Wälder sind momentan stark betroffen, auch durch Einheimische, die in der Dämmerung ihre Hunde Gassi führen oder joggen, sagt zum Beispiel Gerhard Luckner, Vorsitzender der Jägerkameradschaft Cham. Problematisch ist, dass immer mehr Leute abseits der Waldwege unterwegs sind: "Ein Weg - das interessiert eigentlich keinen mehr. Das ist kein Erlebnis, wenn man am Weg geht, sondern die Leute suchen jetzt viel nach Erlebnis draußen in der Natur und das findet man natürlich abseits der Wege wesentlich besser."

"Geocaching" lockt Leute in den Wald

Aber auch Spieletrends wie zum Beispiel "Geocaching", eine Schnitzeljagd via GPS, sorgen laut Luckner dafür, dass sich immer mehr Menschen abseits der Wege tummeln. Werner Troiber, Vorsitzender der Jägerschaft in der Kreisgruppe Viechtach, wurde schon einmal auf dem Hochsitz von einem Geocacher aufgeschreckt, der plötzlich unvermutet aus einem Maisfeld herauskam. Er hatte das Rascheln davor erstmal für ein Wildschwein gehalten.

Besonders gefährlich: Spaziergänge in der Dämmerung

Besonders problematisch sind solche Gelände-Touren, wenn sie in der Dämmerung stattfinden. Morgen-und Abenddämmerung sind normalerweise die Zeiten, in denen auch die Jäger draußen im Wald auf Wild ansitzen. Man mache das auch nicht nur zum eigenen Vergnügen, sagen die Jäger, den gemäß dem Grundsatz "Wald vor Wild" haben Jäger die Pflicht, eine gewisse Menge an Wild zu schießen - von Wildschweinen, deren Zahl ohnehin explodiert ist, ganz zu schweigen.

Haftung: Jäger sind verantwortlich für ihren Schuss

Was ist, wenn ein Jäger versehentlich einen querfeldein laufenden Trailrunner erschießt? Wer haftet dann? In jedem Fall der Jäger, sagt Gerhard Luckner. Ein Jäger darf auch auf Wild erst schießen, wenn er genau sieht, was es für ein Tier ist. "Wir sind für unseren Schuss letztendlich verantwortlich. Was ein Jäger nicht genau sieht, darauf kann er seine Waffe nicht richten. Nicht zu 80, sondern zu 100 Prozent muss er sicher sein, auf was er schießt.", so Luckner.

Gefahr durch Kugelsplitter

Außerdem muss ein Jäger vor Schussabgabe immer auf einen natürlichen Kugelfang achten. Das bedeutet, die Munition muss zum Beispiel im Boden oder in einer gewachsenen Böschung landen, wenn sie durch einen Tierkörper durchgeht und wieder austritt. "Ein Maisfeld zum Beispiel ist kein Kugelfang", sagt Luckner. Man wisse nicht, was zehn oder 20 Meter dahinter ist und Mais hält die Kugel nicht auf. Der Sicherheitsbereich bei Büchsenpatronen sind 5.000 Meter, so Luckner. So weit könne eine Kugel theoretisch fliegen. Werner Troiber sieht trotz aller Vorsicht des Jägers auch Gefahren durch Kugelsplitter, die versehentlich jemanden treffen können.

Wanderern, Radlern, Geocachern und Joggern ist die Gefahr nicht bewusst

Wer draußen die Natur genießt oder sportelt, denkt in der Regel nicht an Jäger. "Die werden wohl aufpassen, dass sie ihre Wildschweine und nicht die Touristen erschießen," sagt ein Bayerwald-Urlauber bei einer Umfrage. Eine Schwammerlsucherin erklärt, dass sie im Wald immer "farblich auffällige Kleidung" trägt. Die meisten denken ohnehin nicht daran, dass Jäger unterwegs sein könnten. Zu normalen Tageszeiten sind sie es in der Regel auch nicht, weil auch das Wild meistens in der Morgen-oder Abenddämmerung aktiv ist. Freizeitsportler in der Dämmerung oder gar nachts mit Stirnlampe bedeuten deshalb für Wildtiere eine enorme Beunruhigung und eine unnötige Belastung, sagt der Jäger Werner Troiber. "Alle erklären sich als Naturschützer, aber gerade in dieser Beziehung handeln sie kontraproduktiv. Die lassen dem Wild die Ruhezeiten nicht. Wenn das Wild sich nicht mehr zurückziehen kann, weil immer wieder ein Mountainbiker kommt oder ein Trailläufer, dann stört das den Rhythmus der Tiere enorm.", so Troiber.

Die Tiere gehen dann zum Fressen zu ganz ungewöhnlichen Zeiten raus und kommen schlimmstenfalls komplett durcheinander, sagt er. Wildschweine greifen auch mal an: Eine führende Bache könne Menschen durchaus gefährlich werden.

Jäger als "Bambi-Killer" beschimpft

Wenn man Freizeitsportler dann im Wald anredet, dass sie nicht querfeldein oder in der Dämmerung laufen sollen, bekomme man aber oft aggressive Antworten, klagt Troiber. Er sei schon als "Bambi-Killer" beschimpft worden, der da draußen nur seine "Mordlust" befriedigen möchte. Andere argumentieren, dass der Wald schließlich für alle da sei und frei betreten werden kann.

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