Auf einem Faltblatt des Vereins J.A.Z. sind die Worte "Wir sind Jung und Alt zusammen" zu lesen.
Bildrechte: BR/Kristina Kreutzer

Der Verein J.A.Z. will Menschen aus allen Altersgruppen zusammenbringen, damit sie voneinander profitieren - und das Interesse ist groß.

Per Mail sharen
Artikel mit Audio-InhaltenAudiobeitrag

J.A.Z. Bayreuth: Hilfe und Kontakte für alle Generationen

Es geht um Wertschätzung, gegenseitige Unterstützung und ein generationenübergreifendes Miteinander: In den kommenden Tagen feiert der Bayreuther Verein J.A.Z. sein fünfjähriges Bestehen. J.A.Z. steht für Jung und Alt zusammen.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Wenn es an der Tür klingelt, dann steht die 75-jährige Anna Schwaiger schon fast komplett angezogen bereit. Denn es ist Zeit für einen kleinen Ausflug an der frischen Luft. Abgeholt wird die Seniorin dazu von Edith Hoch. Beide sind Mitglied im Verein J.A.Z. - das steht für: Jung und Alt zusammen. Die eine, weil sie Hilfe sucht. Die andere, weil sie sie geben kann.

Unbezahlbar: Gesteigerter Selbstwert

Ein gutes Jahr kennen sich die beiden Frauen jetzt und haben sich sofort viel zu sagen – und permanent wird dabei gelacht. Aber auch ernste Themen können sie gemeinsam besprechen. "Sie ist für mich zu Familie geworden", sagt Anna Schwaiger. Die 75-Jährige wohnt seit fünf Jahren im betreuten Wohnen und hat keine Angehörigen mehr. Dass es jemanden gibt, der seine Freizeit hergebe, um mit ihr Zeit zu verbringen, sei unbezahlbar. Bei diesen Worten muss sie kurz innenhalten und schlucken.

"Dadurch ist mein Selbstwert gestiegen. Zu wissen: wenn es brennt, bist du nicht allein." Anna Schwaiger

Generationenübergreifendes Miteinander im Ehrenamt

Und genau das ist die Intention des Vereins. Er will Menschen zusammenbringen, die sich gegenseitig unterstützen. Rund 40 Stunden im Monat engagiert sich Edith Hoch ehrenamtlich bei J.A.Z.. "Ich habe jetzt einfach Zeit und will der Allgemeinheit etwas zurückgeben – und auch ich bekomme viel zurück. Es ist schön, gebraucht zu werden."

Ganz egal, ob es sich dabei um eine Begleitung zum Arzt, einen Gang über den Friedhof, eine Einkaufsfahrt oder um eine Runde an der frischen Luft handelt.

Bedarf nimmt zu

Im Büro des Verein steht das Telefon kaum still. "Vor allem montags", sagt Monika Helgert. Sie sei "Gründungsmitglied, Geschäftsleitung und Mädchen für alles", schmunzelt sie. Über 1.200 Mitglieder hat der Verein J.A.Z. seit der Gründung im April vor fünf Jahren gewonnen. Mit so vielen hätte sie nicht gerechnet, sagt Monika Helgert. "Und der Bedarf ist sowas von da und wird immer mehr."

Es sei ihnen wichtig, den Zusammenhalt in der Region zu stärken und ein Netzwerk aufzubauen, das langfristig die Versorgung und die Lebensqualität junger und älterer Bürger verbessert. Auch Anrufe von Krankenhäusern seien keine Seltenheit. Denn bevor jemand entlassen werden kann, muss sicher sein, dass sich auch jemand kümmert. Auch dafür ist der Verein da. Und schon klingelt das Telefon wieder.

Freizeitangebote gehören dazu

Der Verein funktioniert wie eine Art Kontaktbörse unter den Mitgliedern. Wer Hilfe braucht oder sie anbieten möchte, meldet sich direkt bei J.A.Z. Dann wird vermittelt.

Aber auch gemeinsame Freizeitaktivitäten gehören zum Verein. Wie beispielsweise das wöchentliche Boule-Spielen vor dem Neuen Schloss. Immer freitags treffen sich dort Mitglieder und Nicht-Mitglieder und kommen ins Gespräch, erzählt Dieter Lindner. "Man ist an der frischen Luft, ist in Bewegung und lernt nette Leute kennen – und das sind drei Stunden, wo man alles andere vergessen kann."

Neue Mitglieder willkommen

Gartenarbeit, Holzschlichten oder Kuchenbacken: Die Unterstützungsmöglichkeiten sind vielfältig – aber nicht einseitig. Denn auch die ältere Generation kann der jüngeren unter die Arme greifen. Beispielsweise bei der Kinderbetreuung. Das jüngste Vereinsmitglied ist übrigens ein 15-jähriges Mädchen. Weitere Mitglieder sind jederzeit willkommen.

Und manchmal entstehen dabei freundschaftliche Verbindungen wie bei Anna Schwaiger und Edith Hoch. Die beiden gehen nach dem Spaziergang erst einmal Kaffee trinken. Denn zu erzählen haben sich die beiden Frauen noch viel.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!