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Nur Männer in katholischen Weiheämtern. Frauen bleiben in der Katholischen Kirche viele Ämter verwehrt - aufgrund ihres Geschlechts.

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    Ist es rassistisch, Frauen in der Kirche zu diskriminieren?

    Wer an der Diskriminierung von Frauen in der katholischen Kirche nichts ändern will, sei ein Rassist: Mit dieser Aussage sogt die Dogmatikerin Johanna Rahner gerade für Aufregung. Nicht nur der Passauer Bischof Stefan Oster widerspricht.

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    Von
    • Andrea Neumeier
    • BR24 Redaktion

    Darf man Diskriminierung von Frauen in der katholischen Kirche mit Rassismus gleichsetzen? Über diese Frage wird gerade gestritten. Mit diesem Vergleich hat die Dogmatik-Professorin Johanna Rahner, die in Tübingen lehrt, eine kontroverse Debatte ausgelöst, die die katholische Kirche seit Tagen in Atem hält. Vor allem der Passauer Bischof Stefan Oster kritisierte Rahner.

    Rahner sprach beim Frauenforum über Diskriminierung

    Die Dogmatikprofessorin hatte in einem Vortrag des Frauenforums der Diözese Rottenburg-Stuttgart, zum Thema Diskriminierung von Frauen in der katholischen Kirche gesagt: "Wer aber daran nichts ändern will, ist nichts anderes als ein Rassist."

    Einer der ersten, die sich dazu zu Wort meldete war der Passauer Bischof Stefan Oster, der selbst Dogmatiker ist. "Welche Effekte produziert man mit einer solchen Verwendung des Begriffes 'Rassismus' bei den Menschen, die tatsächlich Opfer von Rassismus sind?", schreibt Oster in einem Online-Artikel auf seiner Website. Wenn Johanna Rahner tatsächlich meint, was sie sagt, erkläre sie auch den Papst zu einem Rassisten, so Oster.

    In den sozialen Medien geben Rahner viele User Recht

    Osters Beitrag wurde etwa auf Facebook eifrig geteilt. Darunter finden sich über 700 Kommentare. Einige User bedanken sich zwar für Osters Erläuterungen und befürchten, Rassismus werde dadurch verharmlost, der überwiegende Teil aber stellt sich hinter die Tübinger Professorin. "Da gebe ich Frau Rahner vollkommen recht", schreibt ein User und begründet: "Die Verweigerung zur Gleichberechtigung ist Diskriminierung. Letztendlich eine Form von Ausgrenzung. Das ist Rassismus."

    Doch in den Kommentaren geht es schnell nicht mehr um den Rassismus-Vergleich. Bischof Stefan Oster kritisiert in seinem Text, Rahners Aussage sei ein Beispiel dafür, wenn sich "Veränderungswünsche oft nicht mehr im Rahmen der derzeit geltenden Lehre bewegen" und diese häufig als "Weiterentwicklung" bezeichnet werden. Doch über Veränderungen habe auch in der Vergangenheit bisher das "Lehramt" in der katholischen Kirche entschieden, schreibt Oster.

    Oster gilt als Gegner von Frauen in Weiheämter

    Somit führt der Rassismusvergleich der Dogmatikerin erneut zur Dauerdebatte, ob und wie sich die katholische Kirche bei den "klassischen Aufreger-Themen wie Frauenweihe, Sexualmoral, Zölibat, Leitung" verändern muss. Bischof Oster gilt als strikter Gegner einer Öffnung der Weiheämter für Frauen in der katholischen Kirche.

    Genau das sorgt unter dem Facebook-Beitrag für noch schärfere Debatten: "Diese Überheblichkeit macht mich wütend! Unfassbar, dass ein Bischof derart abfällig von 'klassischen Aufreger-Themen wie Frauenweihe, Sexualmoral, Zölibat' spricht. Als ginge es um läppische Effekthascherei all der Frauen, Abgewerteten, Missbrauchten!", empört sich eine Userin.

    Bätzing bat um Rücknahme des "zugespitzten" Satzes

    Schließlich sah sich sogar der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gezwungen, sich einzuschalten. Es wäre "gut, wenn Frau Prof. Rahner den zugespitzten Satz zurücknehmen könnte", twitterte der Limburger Bischof Georg Bätzing. Auf Bätzings Aufforderung hin antwortete Johanna Rahner: "Mag sein, dass der Satz nicht diplomatisch war, aber wahr ist er."

    Stefan Oster sieht in der Auseinandersetzung die Grundsatzfrage berührt, wer an Universitäten in Deutschland Theologie lehren und welche kirchlichen Medien mit Kirchensteuern unterstützt werden sollten. Oster kritisierte, wie katholische Medien über den Vortrag der Dogmatik-Professorin berichtet hatten und "ob ausgerechnet unsere eigenen Medien bestehende Polarisierungen bewusst verschärfen müssen".

    Kritik von liberalen Katholiken, Oster wolle Medien zensieren

    Das verursachte dann einen Aufschrei unter liberalen Katholiken, die Osters Aussage so verstanden, progressive Theologen stärker zu kontrollieren und katholische Medien zu zensieren. Schließlich finanziert der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) kirchliche Medien wie die Katholische Nachrichten-Agentur oder die Internetplattform katholisch.de nach DBK-Angaben mit insgesamt 9,7 Millionen Euro.

    Viele bewerteten Osters Äußerungen vor diesem Hintergrund als deutliche Machtdemonstration. Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" warf dem Bischof vor, "eine Drohkulisse gegenüber andersdenkenden Theologinnen" aufzubauen.

    DBK-Vorsitzender Bätzing versucht Debatte zu befrieden

    Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing hält diese Debatte für "nicht fruchtbar". Theologische Fragen müssten, so Bätzing, weiterhin mit theologischen Argumenten diskutiert werden. "Anders kommen wir nicht weiter - und bleiben nicht als Kirche zusammen auf dem Weg."

    "Zusammen auf dem Weg" sind sie in der katholischen Kirche aber schon lange nicht mehr. Die aktuelle Diskussion zeigt erneut, wie tief der Riss inzwischen ist. Mehr als ein Jahr, nachdem die Katholiken mit dem "Synodalen Weg" einen Reformprozess angestoßen hatten, stehen sich Konservative und Progressive immer unversöhnlicher gegenüber. Bischof Oster beispielsweise wirft Rahner eine "unverantwortliche Verschärfung der Debatte" vor. Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" hält dagegen und kritisiert, Oster suche nicht das Gespräch mit der Theologin, sondern hole lieber zu einem Rundumschlag aus.

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