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Bildrechte: Caroline Seidel/dpa

Rund ein Fünftel aller Kita-Kinder sind nach Angaben von Bayerns Familienministerin Carolina Trautner (CSU) derzeit in Notbetreuung. Die Ministerin sprach von einem "Spagat", der hier zu bewältigen sei.

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Ist die Notbetreuung in der Kita nah am Regelbetrieb?

Die Bildungsgewerkschaft GEW beklagte Anfang der Woche, die Notbetreuung in den Kitas werde wegen schwammiger Regelungen so stark genutzt, dass dies nahe am Normalbetrieb sei. Doch die Situation in den Kitas ist durchaus unterschiedlich.

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Von
  • Simon Plentinger

Mit dem verlängerten Lockdown bleiben auch Krippen und Kindergärten geschlossen. Möglich bleibt eine Notbetreuung, die seit Ende der Weihnachtsferien auch wieder verstärkt in Anspruch genommen wird. Auch weil die Hürden für Eltern niedriger sind als im ersten Lockdown im März.

Vielen Eltern dürfte es da gerade gehen wie Axel Humbert aus Aßling im Landkreis Ebersberg. Drei kleine Kinder, beide Eltern berufstätig, keine Großeltern in der Nähe: "Wir sind auf Kinderbetreuung angewiesen und sind herzlich dankbar, dass eine Notbetreuung eingerichtet ist."

Notbetreuung lockerer geregelt als im ersten Lockdown

Momentan müssen Eltern nicht wie im März letzten Jahres nachweisen, dass sie die Notbetreuung auch wirklich brauchen, weswegen jetzt wohl auch einige Eltern eine Betreuung in Anspruch nehmen, zu der sie im ersten Lockdown nicht berechtigt waren. Doch vom Normalbetrieb sind die meisten Einrichtungen momentan wohl noch weit entfernt.

Träger: Notbetreuung wird moderat in Anspruch genommen

Maria Magdalena Hellfritsch, Geschäftsführerin des Verbandes katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern, berichtet von einer moderaten Inanspruchnahme der Notbetreuung. "Zu verzeichnen sind allerdings regionale Unterschiede", so Hellfritsch. Man müsse aber im Auge behalten, dass das im Umkehrschluss auch heiße, dass ein Großteil der Eltern Beiträge zahlen muss und dabei aktuell dafür keine Gegenleistung erhält.

Bei der Stadt Nürnberg, selbst öffentlicher Träger mit 140 Einrichtungen, ist der eigentlich befürchtete Ansturm auf die Notbetreuung ausgeblieben. Derzeit sei durchschnittlich etwa ein Fünftel der Kinder in der Kita, heißt es vom Jugendamt der Stadt. Auch sei es entlastend für Eltern und die Einrichtungsleitungen, die Notwendigkeit der Betreuung eben nicht bürokratisch überprüfen zu müssen.

So sieht das auch Beate Höß-Zenker von der Pfennigparade, einem privaten Träger in München. Sie hat Verständnis für die Eltern, die jetzt ihre Kinder bringen, obwohl ihnen das im März nicht möglich war. Als Geschäftsführerin ist Höß-Zenker für sieben Einrichtungen in München zuständig. Etwa 40 bis 50 Prozent der Kinder seien derzeit anwesend. "Ich habe eigentlich schon das Gefühl, dass die Eltern verantwortlich damit umgehen", so Höß-Zenker. Mit dieser Auslastung von knapp der Hälfte sei es noch gut möglich, Hygieneregeln einzuhalten, damit das Personal zu schützen und trotzdem Eltern mit der Betreuung zu entlasten.

Sozialministerium: Durchschnittlich knapp 20 Prozent Auslastung

Diesen Spagat will auch die bayerische Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) weiter schaffen: "Das ist natürlich ein Kompromiss, den wir eingehen müssen. Wir müssen das genau beobachten" sagt Trautner. "Es gibt Kitas, die haben zwei bis drei Kinder nur da und das volle Personal und bei anderen ist es tatsächlich schon über die Hälfte."

Nach einer Umfrage des Sozialministeriums unter den bayerischen Kitas, an der sich gut zwei Drittel der Einrichtungen beteiligt haben, wird für knapp 20 Prozent der Kinder eine Notbetreuung in Anspruch genommen. Dabei gebe es aber regional große Unterschiede. So werde die Notbetreuung etwa in Oberbayern am meisten in Anspruch genommen – auch in den Ballungsräumen mehr als auf dem Land.

Trautner: Notbetreuung so unbürokratisch wie möglich organisieren

Sozialministerin Trautner will die Notbetreuung weiter so unbürokratisch wie möglich gestalten – also ohne Nachweispflicht, wie sie im März der Fall war. Damit erteilt sie der Forderung der GEW, die Notbetreuung wieder wie im ersten Lockdown zu regeln, eine Absage – genauso wie der GEW-Forderung nach kostenlosen FFP-2 Masken für das Kita-Personal. Für Hygiene-Maßnahmen wie etwa Masken, so Trautner, seien Ende des letzten Jahres für die Träger insgesamt 10 Millionen Euro bereitgestellt worden. Hier seien die Träger jetzt als Arbeitgeber in der Verantwortung.

Trotzdem fordert die GEW die Ministerin auf, die Eltern noch mehr auf die Alternativen aufmerksam zu machen, wie etwa die zusätzlichen Tage beim Kinderkrankengeld des Bundes. Doch hier verweist die Ministerin darauf, dass die genaue Ausgestaltung noch aussteht.

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