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Der Deutsche Lehrerverband fordert eine bundesweite Studie zum Umgang mit islamistischen Tendenzen an Schulen. Es fehlten Unterstützungsangebote durch ausgebildete Experten. Bayerns Kultusminister Piazolo verweist auf bestehende Präventionsprogramme.

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Islamismus an Schulen: Lehrerverband fordert Experten-Hilfe

Der Deutsche Lehrerverband hat eine bundesweite Studie zum Umgang mit islamistischen Tendenzen an Schulen gefordert. Es fehle an Unterstützungsangeboten durch ausgebildete Experten. Bayerns Kultusminister verweist auf bestehende Präventionsprogramme.

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Von
  • Daniel Knopp

Der Deutsche Lehrerverband fordert eine bundesweite Bestandsaufnahme zum Umgang mit islamistischen Tendenzen an Schulen. Verbandschef Heinz-Peter Meidinger schlug dazu am Montag eine "anonymisierte Umfrage bei allen Lehrkräften" vor. Es fehle außerdem an Unterstützungsangeboten für Schulen und Pädagogen durch ausgebildete Experten, sagte er der KNA. Überdies sprach sich Meidinger für die Einrichtung von Ombudsstellen aus, "an die sich betroffene Lehrkräfte auch jenseits des Dienstwegs jederzeit vertraulich wenden können".

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband ist skeptisch hinsichtlich der Schaffung von neuen Strukturen und Stellen. Vielmehr bräuchten die Lehrer Supervision und Rückendeckung durch die Schulverwaltung, so die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands Simone Fleischmann. "Wir spüren, dass das Thema Islamismus, Radikalisierung und alles was aus dieser Ecke kommt, in der Gesellschaft Thema ist, und insofern muss es in der Schule Thema sein. Da brauchen wir viel Mut und viel Rückendeckung."

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Matthias Fischbach, erklärte: "Ich denke, dass wir beim Thema Islamismus tiefergehend vorgehen müssen. Natürlich ist es erstmal wichtig, die Grundlagen zu untersuchen. Wir sollten aber auf jeden Fall sehen, dass wir mit den gemäßigten Muslimen Hand in Hand vorgehen in Bayern."

Ausländische Finanzierung von Imamen kappen

Für Grüne und SPD ist der Islamunterricht das Entscheidende. "Einen fundierten Islamunterricht brauchen wir an allen Schulen", sagt der jugendpolitische und integrationspolitische Sprecher der SPD-Fraktion Arif Tasdelen. Auch müssten die Moscheen in Bayern beim Kampf gegen Islamismus besser unterstützt werden. "Die Mammutaufgaben der Moscheengemeinden können nicht nur Ehrenamtliche leisten. Die Imame müssen endlich in Deutschland ausgebildet werden und dürfen nicht mehr aus dem Ausland finanziert werden."

Null-Toleranz-Linie gegen religiöse Diskriminierung

Für die Landtagsgrüne Gabriele Triebel geht es beim Thema "Islamismus an Schulen" auch um die Lehrerfortbildung. Nach Meinung der Grünen müsse es Bayern einen Islamunterricht nach dem Vorbild Baden-Württembergs geben.

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo verweist auf zahlreiche Präventionsprogramme an bayerischen Schulen. "Zunächst ist es mir wichtig, ganz klar zu sagen, dass ich großen Wert auf eine Null-Toleranz-Linie gegen jede Form von Diskriminierung an Bayerns Schulen lege. Dies gilt selbstverständlich auch für Fälle von Diskriminierung aufgrund religiöser Überzeugungen. Das ist ein Thema, das auch in der Kultusministerkonferenz immer wieder behandelt wird."

Islamunterricht in Bayern: Vom Projekt zum Wahlpflichtfach

Das Konzept des Kultusministeriums für die pädagogische Arbeit der Schulen im Bereich Gewalt, Mobbing oder Diskriminierung beruht laut Kultusministerium auf Prävention sowie auf Intervention im konkreten Einzelfall.

"Ich halte das in einem Zeitalter, in dem sich Radikalisierung über das Internet oft außerordentlich schnell vollziehen kann, auch für eine wichtige Aufgabe, um Jugendliche vor einem Abdriften in parallele Gedankenwelten zu bewahren." Kultusminister Michael Piazolo

Auch den Islamunterricht sieht Kultusminister Michael Piazolo auf einem guten Weg. Das Kultusministerium arbeite derzeit an der Überleitung des Modellversuchs in ein Wahlpflichtfach. Ein in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten stufe dieses Wahlpflichtfach als verfassungskonform ein. In der Folge wird nun das Gesetzgebungsverfahren zur Änderung des Bayerischen Unterrichts- und Erziehungsgesetzes vorbereitet. Die Lehrkräfte, die bereits "Islamischen Unterricht" erteilen, aber keine volle Lehramtsbefähigung vorweisen können, wurden laut Kultusministerium zwischenzeitlich noch einmal gezielt fortgebildet.

Imamausbildung in Bayern

Ein großes Anliegen ist das Wahlpflichtfach auch für den ehemaligen bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle. Lange habe er dafür gekämpft, sagt der Antisemitismusbeauftragte der Staatsregierung: "Es ist an der Zeit, dass der Modellversuch in ein ordentliches Schulfach überführt wird. Das Wahlpflichtfach ist dabei der richtige schulrechtliche Ansatz."

"Statt Ethik oder katholische Religionslehre können muslimische Schüler zukünftig das Wahlpflichtfach "Islam" besuchen. Zudem will der CSU-Politiker Ludwig Spaenle aber auch eine Imamausbildung in Bayern vorantreiben. Dazu will er mit einem Antragsentwurf in seiner Fraktion prüfen lassen, ob eine Imamausbildung, vergleichbar wie in Niedersachsen, auch in Bayern möglich wäre.

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