| BR24

 
 

Bild

Besucher des Buddhistentreffens sitzen und liegen am 03.08.2016 im Meditationszelt auf dem Grundstück von Gut Hochreute bei Immenstadt
© picture alliance / dpa

Autoren

Johannes Reichart
© picture alliance / dpa

Besucher des Buddhistentreffens sitzen und liegen am 03.08.2016 im Meditationszelt auf dem Grundstück von Gut Hochreute bei Immenstadt

Im buddhistischen Europazentrum auf Gut Hochreute bei Immenstadt soll es zu den islamfeindlichen Äußerungen gekommen sein. Dort treffen sich jedes Jahr tausende Anhänger des sogenannten Diamantweges, um zu meditieren und ihren Meister zu hören, den 77-jährigen Lama Ole Nydahl. Der Buddhistenlehrer aus Dänemark soll laut mehreren Medien, u.a. der "Allgäuer Zeitung", vor den Anhängern gesagt haben: "Andere hatten Hitler und Stalin, wir haben den Islam. Das ist alles dasselbe."

Tatbestand der Volksverhetzung?

Die Staatsanwaltschaft Kempten prüft nun die Aussagen auf den Tatbestand der Volksverhetzung. Schon in der Vergangenheit fiel Nydahl mehrfach mit kritischen Äußerungen zum Islam und zu Flüchtlingen auf. In Immenstadt fordern Lokalpolitiker wie der CSU-Stadtrat Thomas Wurmbäck Konsequenzen: "Diese Aussagen, die durchaus rechtsradikale oder verfassungsfeindliche Tendenzen haben, sind aus meiner Sicht nicht tolerabel, und ich erwarte eigentlich von den Buddhisten aus Immenstadt, dass sie sich von so einer Aussage klar distanzieren."

Aussagen seien störend

Denn bisher soll das gesellschaftliche und religiöse Miteinander laut den Politikern prächtig laufen: Kirchen, Muslime und Buddhisten treffen sich regelmäßig zu interreligiösen Gesprächen, auch die Integration von Flüchtlingen klappe gut. Da seien Aussagen wie die von Nydahl störend, sagt der 2. Bürgermeister von Immenstadt, Herbert Waibel: "Ich denke dieser Vergleich ist schlichtweg zu kurz gegriffen. Und er spiegelt in keiner Weise die gesellschaftliche Wirklichkeit in unserem Land wider und vor allem die gesellschaftliche Wirklichkeit in unserer Stadt." Der Bürgermeister betont, dass die Zusammenarbeit mit dem buddhistischen Zentrum am Alpsee sehr positiv sei.

Ein Interview wollen weder Nydahl noch der Dachverband des Diamantweges geben. In einer schriftlichen Erklärung heißt es, das Zitat sei sinnverfälscht veröffentlicht worden. Und außerdem: "Auch eine vergleichende Bewertung totalitärer Systeme liegt innerhalb der freien Meinungsäußerung." Ob das auf die Aussage Nydahls zutrifft, wird nun die Staatsanwaltschaft Kempten prüfen müssen.

Autoren

Johannes Reichart