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Islamberatung in Bayern: Anlaufstelle für Muslime | BR24

© BR/ Johanna Schlüter

Frau mit Kopftuch und Kindern an der Hand in der Fußgängerzone in München

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    Islamberatung in Bayern: Anlaufstelle für Muslime

    Seelsorge und Hilfe anbieten, für eine bessere Zusammenarbeit mit den Kommunen sorgen - das ist das Ziel der Islamberatung Bayern. Das Projekt soll so zur Integration von Muslimen im Freistaat beitragen. Bei einer Fachtagung wurde es nun vorgestellt.

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    Von
    • Astrid Uhr

    Manchmal geht es nur um Hausaufgaben - manchmal aber auch um Sterbebegleitung. Dann ist schnelle Hilfe gefragt- und die ist für muslimische Menschen nur dann möglich, wenn bayerische Kommunen und muslimisch geprägte Organisationen feste Vereinbarungen haben. Nurdan Kaya leitet das Projekt "MUSA", die Muslimische Seelsorge Augsburg.

    Corona-Krise wirft neue Fragen auf

    Gerade in der Corona-Zeit würden viele Fragen rund ums Sterben auftreten: "Kann ich meinen Liebsten denn auch überführen in die Türkei, und wie ist das mit den Gegebenheiten? Kann ich mich verabschieden? Kann eine Waschung stattfinden?"

    Um diese Fragen zu klären, ist es für die Psychologin Nurdan Kaya ganz wichtig, feste Ansprechpartner in kommunalen Einrichtungen zu haben. Nur so bekommt sie die Namen muslimischer Patienten in der Uniklinik Augsburg. Nur so können sie und ihre etwa 150 ehrenamtlichen Mitarbeiter Patienten beistehen. Damit etwa im Zentralklinikum in Augsburg nichts durcheinandergerate, brauche es feste Vereinbarung zum Ablauf der Seelsorge.

    Seelsorge-Projekt soll für weitere Beratungsstellen Pate stehen

    Die Erfahrungen von MUSA helfen, auch in anderen bayerischen Städten und Gemeinden Seelsorge zu organisieren: Überall dort, wo Muslime in Krisensituationen sind, in Flüchtlingsunterkünften, oder Justizvollzuganstalten. Dieses Wissen übernimmt die "Islamberatung in Bayern" - ein Projekt der Eugen-Biser-Stiftung. Nach den Worten von Gudrun Brendel-Fischer, der Integrationsbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, stößt das Projekt auf große Akzeptanz. Es sei wichtig, dass man noch stärker zusammenrücke. "Es leben über 600.00 Muslime in Bayern. Wir wollen miteinander leben, und voneinander lernen."

    Eine Anlaufstelle für Fragen rund um den Islam

    Die Mitarbeiter der "Islamberatung" verstehen sich als Anlaufstelle für islambezogene Fragen aus allen Lebensbereichen, etwa: Wie soll der Lehrer handeln, wenn ein muslimisches Mädchen nicht beim Schwimmunterricht mitmachen möchte? Was ist bei der Sterbebegleitung auf der Palliativstation zu beachten? Wie können muslimische Kinder bei den Hausaufgaben unterstützt werden?

    Kindern helfen, Mütter integrieren

    Letzteres organisiert der Sozialdienst muslimischer Frauen in Kempten. In Kooperation mit der Diakonie Kempten bieten türkischsprachige Frauen ehrenamtlich Schulbegleitung an, helfen Eltern bei Formularen, Kindern bei Lernfragen, derzeit coronabedingt via Videokonferenz. Das ist nach den Worten der Integrationsbeauftragten eine gute Gelegenheit, an die Mütter heranzukommen. "Wir möchten ja, dass die Frauengeneration jetzt eine ganz andere Integration mitmacht, als dass vor 40, 50 Jahren war."

    Radikalisierung vorbeugen

    Die Integrationsbeauftragte ist überzeugt: Je mehr Muslime ihr Leben vor Ort selbst mitgestalten können, umso geringer sei auch die Gefahr einer Radikalisierung.

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