BR24 Logo
BR24 Logo
Alles zur Maskenpflicht

Isentalautobahn eröffnet: Neue Lebensader oder zerstörtes Idyll | BR24

© BR

Die Isental-Trasse der Autobahn A94 ist fertig und ab morgen rollt dort der Verkehr. Für manche war die Eröffnungsfeier heute ein Festtag, für die Gegner der Schluss-Akkord in einem Drama. Das Isental und seine Bewohner sind gespalten.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Isentalautobahn eröffnet: Neue Lebensader oder zerstörtes Idyll

Nach fast 40 Jahren Streit kann auf einem weiteren Streckenabschnitt der A94 der Verkehr rollen: Die neue Isentalautobahn wurde offiziell eröffnet. Für die einen ein Tag der Freude, für die anderen das Ende eines lange andauernden Kampfes.

Per Mail sharen

Isental – klingt wie ein Ort aus Herr der Ringe. Auch landschaftlich würde das malerische Tal gut in einen Tolkien-Roman passen: Ganz natürlich, ohne künstliche Begradigungen, schlängelt sich das Flüsschen Isen durch altbayerische Kulturlandschaften. Die Gegend ist unter anderem Schutzgebiet für seltene und bedrohte Pflanzen- und Vogelarten.

Isentalautobahn schließt weitere Lücke der A94

Für viele in der Region ist es nun aber spätestens heute endgültig vorbei mit der Idylle. Denn an diesem Nachmittag wurde die Isentalautobahn eröffnet – einen Monat früher als geplant. Als Teilabschnitt der A94 führt sie über eine Länge von 33 Kilometern von Pastetten bis Heldenstein. 440 Millionen Euro hat der Bau der Trasse gekostet. Ab Dienstag ist der Abschnitt offen für den Verkehr.

"Heute heißt es: Eine weitere Riesen-Lücke ist geschlossen, das Ziel ist in Sicht", sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bei der Eröffnung in der Nähe von Dorfen im Landkreis Erding. 117 von 150 Kilometern der A94 seien nun fertig. "Der Verkehr fließt hier nun schneller und sicher."

A94 soll den Südosten Bayerns besser mit München verbinden

Die Trasse soll einerseits die von Lastwagen stark befahrene B12 von München Richtung Passau entlasten. Hauptziel ist aber, das Chemiedreieck um Altötting besser an München anzuschließen und gleichzeitig die Verbindung nach Österreich und Südosteuropa zu verbessern.

Entsprechend positiv ist die Resonanz aus der Wirtschaft. Der Lückenschluss trage erheblich dazu bei, „unsere Landkreise als attraktive Standorte für Gewerbe, Handel, Dienstleistungen sowie Industrie zu sichern“, so IHK-Vizepräsidentin Ingrid Obermeier-Osl.

"Endlich kann der Verkehr auf der Isentalautobahn fließen. Auf den Lückenschluss der A94 zwischen Pastetten und Heldenstein hat unsere heimische Wirtschaft jahrzehntelang gewartet." Ingrid Obermeier-Osl, IHK-Vizepräsidentin und Vorsitzende des Regionalausschusses Altötting-Mühldorf
© BR/Birgit Grundner

Der Autobahnabschnitt wird eröffnet

Verkehrsminister Reichhart: "Lebensader für die gesamte Region"

Laut IHK werden durch den besseren Anschluss mehr als 14.000 regionale Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistungen profitieren. Die Isentalautobahn werde "zur Lebensader für die gesamte Region", sagte der bayerische Verkehrsminister Hans Reichhart.

"Gleichzeitig haben wir naturschonend gebaut und mit umfassenden Lärmschutzmaßnahmen für die Anwohner das bestmögliche getan." Hans Reichhart, Bayerischer Verkehrsminister
© BR/Birgit Grundner

Naturschützer protestierten am Rande der Veranstaltung gegen die neue Autobahn

Viel Kritik an Umweltzerstörung und hohen Kosten

Doch Bürgerinitiativen und Naturschützer sehen genau das anders. Laut dem Bund Naturschutz (BN) wurden durch den Bau der Isentalautobahn 470 Hektar Land versiegelt und intakte Erholungsgebiete seien "weiträumig verlärmt und zerschnitten" worden. Außerdem sei Wald verloren gegangen und das Landschaftsbild zerstört.

Richard Mergner, der BN-Landesvorsitzende sagte, der Bau sei in Zeiten von Klimakrise und Artensterben ein besonders drastisches Beispiel für eine verfehlte Verkehrspolitik. Am Abend wollen die Gegner der Trasse zu einem letzten Treffen in Dorfen zusammenkommen.

Fast 40 Jahre hat der Protest gedauert – auch mit teils prominenter Unterstützung: Der Kabarettist Gerhard Polt und die Biermösl Blosn traten bei Demonstrationsveranstaltungen auf. Jahrelang beschäftigte das Projekt Behörden und Gerichte. Neben den Schäden für die Umwelt kritisierten die Gegner auch die Kosten als "extreme Verschwendung von Steuergeldern".

© BR

Nach fast 40 Jahren Streit kann auf einem weiteren Streckenabschnitt der A94 der Verkehr rollen: Die neue Isentalautobahn ist am Montagnachmittag bei einem Festakt in Dorfen offiziell eröffnet worden.