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Isarmord-Fall: Stammte der Täter aus Osteuropa? | BR24

© BR/Frank Jordan

Die Münchner Kriminalpolizei hat neue Ermittlungsergebnisse im sogenannten Münchner Isarmord-Fall präsentiert.

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Isarmord-Fall: Stammte der Täter aus Osteuropa?

Auch sieben Jahre nach der Tat ist der Mord an einem Radfahrer in der Nähe der Isar in München noch nicht aufgeklärt. Mithilfe eines DNA-Abgleichs gibt es nun aber neue Erkenntnisse über den möglichen Täter.

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Die Münchner Kriminalpolizei hat neue Ermittlungsergebnisse im sogenannten Münchner Isarmord-Fall präsentiert. Demnach hat der immer noch unbekannte Täter, der im Mai 2013 an der Isar einen damals 31-jährigen Mann erstochen hat, mit hoher Wahrscheinlichkeit braune oder hellbraune Haare, braune Augen und eine mittlere Hautfarbe.

Das Institut für Gerichtliche Medizin in Innsbruck hatte die damals am Tatort gesicherte DNA im Auftrag der Mordkommission mit neuen Methoden untersucht. Ermöglicht wurde das Gutachten durch das 2018 geänderte bayerische Polizeiaufgabengesetz, das zur Gefahrenabwehr die DNA-Feststellung von äußerlichen Merkmalen, aber auch die Herkunftsuntersuchung erlaubt.

DNA-Untersuchung: Hinweise auf Herkunft des Täters

So wissen die Ermittler jetzt auch, dass der gesuchte Mörder aus Europa stammt und er selbst oder seine männlichen Vorfahren aus der Nord-Ukraine, Rußland oder Weißrußland kommen. Interessant wäre für die Mordkommission auch eine Altersangabe gewesen, dafür haben Qualität und Menge der DNA-Probe aber nicht ausgereicht.

Die Kosten für das Gutachten, das in dieser Form zum ersten Mal im Bereich des Polizeipräsidiums München durchgeführt wurde, bezifferte Josef Wimmer, der Leiter der Mordkommission, auf 5.000 Euro. Er sei von den hohen Wahrscheinlichkeitsaussagen (91 Prozent braune Augen und hellbraune bis braune Haare, 68 Prozent mittlerer Hauttyp) sehr positiv überrascht, erklärte Wimmer. Damit stünden den Ermittlern - erstmals in diesem Fall - greifbare Ergebnisse zur Verfügung.

Isarmord 2013: Mann stirbt nach Messerattacke

Bislang gab es nur eine vage Beschreibung durch die Freundin des Opfers, die das Gesicht des Täters im Dunkeln nicht gesehen hatte. Domenico L. war zusammen mit seiner Verlobten am 28. Mai 2013 gegen 22 Uhr auf dem Heimweg an der Isar. Er fuhr auf dem Rad voraus, die 28-Jährige hinterher, als ein unbekannter Fußgänger ihr ins Gesicht spuckte. Als Domenico daraufhin umdrehte, um den Spucker zur Rede zu stellen, stach dieser mehrmals auf ihn ein, vermutlich mit einem Messer. Eine Tatwaffe wurde nie gefunden.

Die Verlobte sah noch aus der Entfernung, wie ihr zukünftiger Mann zusammensackte, danach verschwand der Angreifer, der durch die Aktion selbst blutete, daher auch die gesicherten DNA-Spuren. Domenico wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht, die Ärzte konnten ihm aber nicht mehr helfen.

Neuer DNA-Abgleich dank Polizeiaufgabengesetz

Trotz umfangreicher Ermittlungen unter anderem mit einer 30-köpfigen Sonderkommission, zwei Fernsehausstrahlungen in "Aktenzeichen XY ungelöst" und DNA-Tests bei fast 6.000 Männern konnte der Täter bis heute nicht gefasst werden. Der Mordkommissionsleiter rechtfertigte vor dem Hintergrund des Gutachtens auch die Befugnisse, die das geänderte Polizeiaufgabengesetz den Ermittlern einräumt. In Bayern ist der sogenannte biogeographische DNA-Abgleich - also genetische Untersuchungen zur Herkunft - erlaubt, wenn er - wie in diesem Fall - der Gefahrenabwehr dient.

Mit dem Argument, der Isarmörder könne jederzeit wieder zuschlagen und stelle daher eine Gefahr da, gab das Polizeipräsidium deshalb vor einem halben Jahr das Gutachten in Innsbruck in Auftrag. In Bayern gibt es nach Auskunft der Mordkommission bislang keine Einrichtung, die in der Lage ist, die äußerst aufwendigen und komplexen DNA-Analysen durchzuführen.