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Ipaneo-Projekt: Medizinischer Nachwuchs betreut Frühchen-Station | BR24

© Johannes Reichart/BR

In guten Händen: An der München Klinik Schwabing übernehmen Pflegeazubis und angehende Ärzten gemeinsam die Arbeit auf der Station für Früh- und Neugeborene.

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Ipaneo-Projekt: Medizinischer Nachwuchs betreut Frühchen-Station

"Götter in Weiß" - das war einmal. Im Krankenhausalltag sind starre Hierarchien nicht mehr zeitgemäß. Wie Ärzte und Pfleger enger zusammenarbeiten können, testet daher die München Klinik Schwabing. Das Projekt ist deutschlandweit einzigartig.

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Max ist früh dran und hat schon ein volles Programm. Zweieinhalb Wochen vor Geburtstermin ist er zur Welt gekommen. Jetzt steht für ihn eine Routineuntersuchung an. Pflegeschülerin Julia Pirzel und der Medizinstudent Moritz Hasenöhrl messen die Temperatur, wickeln den Kleinen und bereiten die zweite Vorsorgeuntersuchung U2 vor.

Selbstständiges Arbeiten im Tandem

Auf der Station für Früh- und Neugeborene in der München Klinik Schwabing arbeiten die Nachwuchskräfte selbstständig: Sie dokumentieren alle Daten der Babys, pflegen und untersuchen sie und sprechen mit ihren Eltern.

Für Julia Pirzel eine spannende Aufgabe. Sie ist im dritten Jahr ihrer Ausbildung zur Kinderkrankenpflegerin. "Wir dürfen sehr viel selbständig arbeiten. Das ist gut, weil wir so aufs Examen vorbereitet werden - und aufs spätere Berufsleben", sagt sie.

Pflegeschüler und Nachwuchs-Mediziner werden eng betreut

"Ipaneo" heißt das Projekt, in dem das junge Team unter Anleitung von Ausbildern und Ärzten die Frühchenstation betreut. Der Name steht für "Interprofessionelle Ausbildungsstation in der Neonatologie". Es ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen der Münchner Berufsfachschule für Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, der München Klinik Schwabing und der Technischen Universität München.

Die Teilnehmer werden bei ihrer Stationsarbeit stets begleitet: Ausbilder und Ärzte schauen ihnen aus dem Hintergrund über die Schulter, im Fachjargon "shadowing" genannt. Auch eine wissenschaftliche Auswertung ist Teil des Projekts.

Verstehen, wie der andere arbeitet

Für die Schwabinger Klinik hat das Projekt gleich mehrere Vorteile, sagt der Projektleiter, der Chefarzt der Neonatologie, Marcus Krüger: "Wir erwarten uns, dass sich die Patientenversorgung verbessert, aber auch die Berufszufriedenheit und das Arbeiten auf Augenhöhe." Pflegeschüler und Medizinstudierende würden so die jeweils andere Profession besser verstehen lernen.

Denn: Nicht nur Ärzte würden sich spezialisieren, auch der Pflegeberuf verändere sich - weg von der Grundpflege und hin zu einem akademisierten Aufgabenspektrum, in dem Fachpflegekräfte und Ärzteschaft in Teams und auf Augenhöhe arbeiten, sagt Krüger. "Wir sind auf die geschulte Wahrnehmung der Pflege angewiesen, sie wissen oft schon, dass es einem Kind schlechter geht, bevor wir die Blutwerte aus dem Labor haben oder ein Kind bei der ärztlichen Untersuchung auffällig ist."

"Ein unglaublich schöner Beruf"

Die Praxisausbildung auf der Station ist teuer: Das zweijährige Projekt kostet rund 140.000 Euro. Die Frühchenstation wird dabei finanziell von der Robert-Bosch-Stiftung unterstützt. Die Klinik hofft, dass neben einem besseren Miteinander zwischen Ärzten und Pflegern durch "Ipaneo" auch der Pflegeberuf selbst noch interessanter werden könnte.

Für die Pflege-Auszubildende Julia Pirzel steht allerdings fest, dass die Arbeit dafür auch finanziell attraktiver werden müsste - etwa durch Zuschläge für Wochenendarbeit. Trotzdem brennt die 23-jährige für ihren Job: "Ich lag selbst einmal längere Zeit im Krankenhaus und habe dadurch erfahren, wie wichtig es ist, eine gute Pflegekraft zu haben - jemand, der sich wirklich um einen kümmert", sagt sie. Deshalb habe sie verschiedene Praktika gemacht und gemerkt: "Das ist ein unglaublich schöner Beruf."

Von München-Schwabing in die ganze Bundesrepublik

Das Konzept von gemeinsamen Ausbildungsabschnitten zwischen Medizinstudierenden und Pflege-Azubis ist in Skandinavien bereits weit verbreitet. In Deutschland hat das Universitätsklinikum Freiburg im Oktober 2017 die erste interprofessionelle Ausbildungsstation in der Pädiatrie (IPAPÄD) gestartet.

Die Frühchenstation in der München Klinik Schwabing ist in ihrer Art die erste, bei der die jungen Gesundheitsteams die Versorgung für Frühgeborene leisten. Das Projekt soll nach dem Willen der Verantwortlichen als Beste-Practice-Beispiel künftig auch andernorts Schule machen.