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Grenzübergang zu Tschechien

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    Inzidenz in Tschechien: Grenzregion freut sich über Entwicklung

    Die Infektionszahlen in Tschechien sind seit März drastisch gesunken. Auch die IHK Oberpfalz freut sich über den "Weg zurück zur Normalität". Aber nicht alle sehen Tschechien deswegen als Vorbild im Corona-Management.

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    Von
    • Renate Roßberger
    • BR24 Redaktion

    Richard Brunner, Geschäftsführer der IHK Oberpfalz in Cham, freut sich, dass das Nachbarland Tschechien es unter anderem durch einen strengen Lockdown geschafft hat, die 7-Tage-Inzidenz inzwischen sehr weit zu senken. "Ich finde es gut, dass sie das geschafft haben", sagte Brunner dem Bayerischen Rundfunk, "und das schafft auch einen großen Mehrwert, weil die Anstrengungen dazu führen, dass wir an der Grenze wieder einen Weg zurück zur Normalität gehen."

    IHK vermutet vielfältige Faktoren für gesunkene Inzidenz

    In Tschechien hatte die Inzidenz am 6. März 2021 einen Höchststand von 805 Fällen pro 100.000 Einwohner erreicht. Heute liegt sie bei nur noch 184,3. Was in Tschechien zur Beruhigung der Corona-Lage geführt hat, lasse sich nicht an einem einzigen Grund festmachen, sagt Brunner. Sinn gemacht habe sicher die Einschränkung der Mobilität, das stärkere Einhalten der Regeln und die Testpflicht in den Betrieben.

    Landesweiter Lockdown in Tschechien über Ostern

    In Tschechien hatte es ab März und auch über Ostern einen sechswöchigen strengen, landesweiten Lockdown mit Kontaktbeschränkungen gegeben. Über die Schließung von Schulen, Kindergärten und Läden hinaus wurde zum Beispiel der Bewegungsradius der Bürgerinnen und Bürger massiv eingeschränkt. Die Bevölkerung durfte den eigenen Bezirk nicht mehr verlassen, beziehungsweise nur noch für wenige Ausnahmen wie dringende Arztbesuche oder den Weg zur Arbeit, was in Formularen schriftlich nachgewiesen werden musste.

    Bewegungsradius streng kontrolliert

    Drei Wochen lang durfte man sogar nur innerhalb des eigenen Wohnorts alleine Sport im Freien machen oder spazieren gehen. Das wurde von der Polizei auch streng kontrolliert. Arztbesuche zum Beispiel wurden manchmal von einer Polizeistreife per Anruf in der jeweiligen Arztpraxis nachgeprüft, erzählt zum Beispiel Simona Fink, die für den Landkreis Regen in Tschechien arbeitet. Ihre Landsleute hätten den Lockdown aber relativ gut mitgemacht, auch weil viele schon Corona-Infizierte in den eigenen Familien hatten oder erlebten, wie die Krankenhäuser sich füllten.

    Testpflicht für tschechische Betriebe gilt bis heute

    Außerdem gab es eine Testpflicht für alle Betriebe, die bis heute gilt, im Unterschied zur Testangebotspflicht in Deutschland, wo es reicht, die Tests zur Verfügung zu stellen. In Tschechien müssen Betriebe ihre Mitarbeiter regelmäßig testen und das auch schriftlich dokumentieren, so dass die Gesundheitsämter es kontrollieren können. Die Kosten für die Tests werden staatlich bezuschusst. Im IHK-Regionalbüro Pilsen heißt es, dass es zur der Testpflicht auch keine Proteste von Seiten der Wirtschaft gab. Viele Betriebe, vor allem große, hätten schon vor Einführung der Pflichttests ihre Mitarbeiter freiwillig getestet.

    Tschechien als Vorbild?

    Für die Landrätin des Grenzlandkreises Regen, Rita Röhrl, sind die Maßnahmen in Tschechien trotzdem nicht unbedingt nur ein Vorbild. Das Nachbarland habe fast zu spät und in letzter Sekunde gegengesteuert gegen die hohe Inzidenz. "Ich habe über Monate die Situation in Tschechien verfolgt", sagt die Landrätin, "und habe mit Schaudern verfolgt, dass drüben noch Weihnachtsmärkte stattgefunden haben zu einer Zeit, wo man nur noch den Kopf schütteln konnte über solche dort noch zulässigen Großveranstaltungen". Erst als die Krankenhäuser voll waren und der Leidensdruck groß, habe auch die Bevölkerung bei den Gegenmaßnahmen mitgemacht, sei ihr Eindruck.

    Rund 15 Prozent der tschechischen Bevölkerung bereits infiziert

    Skeptisch beurteilen viele auch die stärkere Herdenimmunität, die möglicherweise in Tschechien erreicht worden ist. Rund 15 Prozent der Bevölkerung waren bereits infiziert. Etwa in gleicher Höhe oder noch höher schätzen manche Experten die Dunkelziffer an Infizierten. Fraglich ist aber, ob die Herdenimmunität gegen die Virusvarianten hilft. Die Impfquote in Tschechien ist nicht höher als in Deutschland.

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