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Immer noch gibt es Ärger um die Lernplattform Mebis. Immer wieder kommt es zu Wartezeiten und Abbrüchen. Kultusminister Piazolo empiehlt Alternativen.

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Interview: Warum geht Mebis immer noch nicht, Herr Piazolo?

Der Ärger um die Lernplattform Mebis nimmt kein Ende: Heute hat es erneut Schwierigkeiten gegeben. Bayernweit kam es teils zu Wartezeiten und auch Abbrüchen, wie das Kultusministerium bestätigte. Dazu ein Interview mit Kultusminister Piazolo.

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Von
  • Jannik Pentz

Mebis führte lange ein Schattendasein. Mit der Corona-Krise und dem Distanzunterricht stiegen die Nutzerzahlen der Lernplattform jedoch rasant in die Höhe. Trotz vieler Nachbesserungen geht das System allerdings immer wieder in die Knie. Dazu ein Interview mit Kultusminister Michael Piazolo von den Freien Wählern.

BR: Herr Piazolo, heute Morgen saßen wieder tausende Schülerinnen, Schüler und Eltern gefrustet vor Mebis. Warum geht das immer noch nicht?

Piazolo: Es gilt für alle Lernplattformen in Deutschland, dass sie grundsätzlich den Präsenzunterricht ergänzen und nicht ersetzen. Deshalb ist es auch so, dass in acht Bundesländern die Lernplattformen nicht so funktionieren.

Wir haben uns natürlich in den letzten Wochen und Monaten genau darauf vorbereitet. Aber die letzten Tage zeigen, dass obwohl die Nutzerlast nicht gestiegen ist, die Nutzung intensiver ist. Insbesondere am Morgen kommt es zu Problemen. Manchmal muss man ein paar Minuten warten, manchmal auch länger. Das ist natürlich sehr, sehr ärgerlich und lästig. Da sind wir dabei, das abzustellen.

BR: Sie sagen Mebis soll nur ergänzen. Die Realität vieler Schülerinnen und Schüler in Bayern schaut aber anders aus. Die sitzen jetzt zu Hause vor Mebis und können nicht lernen. Was sagen Sie denen?

Piazolo: Also ganz so ist es nicht. Nach unseren Zahlen nutzen ein Achtel der Schüler am Tag Mebis. Die anderen nutzen andere Dinge. Wir haben auch gesagt, bitte morgens MS Teams und nicht Mebis. Aber es gibt halt viele Schüler und Lehrer die Mebis kennen aus den vergangenen Monaten und sich deshalb dort versuchen einzuloggen. Es gibt ja viele andere Tools wie MS Teams, andere Videokonferenztools oder Cloud-Lösungen. Eine große Bandbreite, die schon genutzt wird.

Bei Mebis strengen wir uns jetzt nicht nur an, sondern wir arbeiten mit Hochdruck dran, dass wir es am 11. Januar entsprechend gut am Start haben.

BR: Können Sie den Schulen denn versprechen, dass Mebis nach den Ferien sicher läuft?

Piazolo: Es ist technikbasiert. Mebis ist ein System, das für den Distanzunterricht nicht konzipiert ist. Wir haben jetzt in den letzten Wochen und Monaten aufgemotzt. Da hat es ja auch funktioniert. Aber da wurde es natürlich auch weniger genutzt. Die Experten haben mir gesagt: ‚Wir sind ziemlich sicher, dass es geht‘. Aber Garantien kann man nie abgeben.

Weil das Thema aber auch medial so wichtig ist, haben wir hier eine zusätzliche Projektgruppe gegründet, die über Weihnachten und Silvester arbeitet. Damit wir den Schülern dieses Instrument zur Verfügung stellen können.

BR: In Bayern können gerade einige mit Mebis nicht lernen, andere mit Microsoft Teams aber schon. Ist das fair in Sachen Bildungsgerechtigkeit?

Piazolo: Wir haben ja die letzten Wochen und Monate die Variationsbreite betont. Dass man nicht auf ein einziges Tool setzt. Mit Technik kann es auch mal Probleme geben. Man muss sich breit aufstellen, natürlich mit Mebis, aber auch MS Teams und Andere. Das machen auch schon die meisten Schulen. Das werden wir in der Kommunikation auch nochmal verstärken. Unabhängig von Mebis ist uns die Chancengerechtigkeit ein großes Anliegen. Wir haben Brückenkurse und Förderkurse angeboten. Was mir am Herzen liegt, sind faire Bedingungen für die Schülerinnen und Schüler. Da haben wir ein intensives Auge drauf.

BR: Sie wollen die Kapazitäten für Mebis ausbauen. Für wie viele Schülerinnen und Schüler ist das zurzeit ausgelegt?

Piazolo: Wir haben ja auch Lasttests gemacht und die haben funktioniert. Allerdings sagen die Experten, ein Test ist das eine, die Realität was Anderes. Es ist ja auch so, dass Mebis oft gut funktioniert. Nur zum Einstieg am Morgen ist es immer eine Stunde in den letzten Tagen gewesen – manchmal auch zwei oder zweieinhalb – wo es nicht funktioniert. Aber auch da ist es wichtig. Man muss sich ja drauf verlassen können.

Wir haben in den letzten Monaten die Serverkapazität verachtfacht. Erste Analysen zeigen uns aber, dass es nicht die Serverkapazität ist. Es scheint ein Softwareproblem zu sein. Aber da ist man dran. Das sind genau die Analysen, die wir grade vornehmen.

BR: Was empfehlen Sie denn Schulen, die sich bislang auf Mebis verlassen haben? Sollen die sich vorsichtshalber nach Alternativen umschauen?

Piazolo: Es ist nicht so, dass wir sagen: 'Vergesst Mebis'. Das bestimmt nicht. Besonders, da in Mebis ja schon viele Lehrinhalte eingestellt worden sind. Anderseits ist es natürlich immer klug, sich breit aufzustellen und ein anderes Tool zu kennen. Der Mix ist häufig sehr gut. Gerade für den Startschuss am Morgen ist MS Teams besser geeignet. Mebis ist eher dafür da, Dinge zu unterschiedlichen Zeiten nachzuarbeiten. Hier werden wir aber intensiv mit unseren Schulen kommunizieren.

BR: Also allein auf Mebis kann man sich nicht mehr verlassen?

Piazolo: Die wenigsten Schulen setzen nur auf Mebis. Etwa ein Achtel der Schüler nutzt pro Tag Mebis. Das heißt, die Mehrheit nutzt schon andere Dinge. Aber meine Empfehlung ist, dass man sich immer breit aufstellt. Es ist ja auch so, dass Distanzunterricht nicht automatisch digital bedeutet. Da gibt es ganz unterschiedliche Ansätze. Dieses gesamte Portfolio sollte man auch nutzen.

BR: Vielen Dank!

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Morgens zum Home Schooling an PC, Tablet oder Smartphone - doch viele kommen gar nicht in die staatliche Lernplattform Mebis rein oder das System stürzt ständig ab. Auch heute war das System oft überlastet.

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