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Interview: Unterfränkischer Wirt kippte Corona-Sperrstunde | BR24

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Unterfränkischer Wirt kippt Corona-Sperrstunde

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    Interview: Unterfränkischer Wirt kippte Corona-Sperrstunde

    Ab sofort gibt es für Wirtshäuser keine Corona-Sperrstunde mehr. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof gab einer Klage des unterfränkischen Gastronomen Stefan Morhard teilweise recht. Im Interview erklärt er, warum er die Sperrstunde ungerecht fand.

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    Von
    • Volker Hensel

    Der unterfränkische Gastronom Stefan Morhard in Randersacker hat kein Verständnis für eine Sperrstunde aufgrund der Coronapandemie. Er hat beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof dagegen geklagt und jetzt Recht bekommen. BR24 hat mit ihm telefoniert:

    BR24: Herr Morhard, Sie haben heute vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof die von der Bayerischen Staatsregierung erlassene Corona-Sperrstunde gekippt. Feiern Sie heute gleich die Nacht durch?

    Stefan Morhard: Nein, sicher nicht. Wir machen grundsätzlich nicht die Nacht durch, bei uns ist spätestens um 1 Uhr Schluss. Aber wir haben viele Gäste, auch aus dem Hotel, die um 23 Uhr noch beim Bier sitzen. Wenn da einer um halb zwölf noch nicht ausgetrunken hat, dann ist das künftig nicht mehr illegal. Es ist ja auch nicht einzusehen, warum Corona nach 23 Uhr gefährlicher sein soll, als vor 23 Uhr. Das hat das Gericht letztlich auch so gesehen. Trotzdem haben wir nur einen Teilerfolg erstritten. Das Gericht gab uns nur bei einer von drei Klagen Recht.

    BR24: Was wollten Sie denn noch erreichen?

    Morhard: Zum einen wollten wir eine Rückkehr zum Frühstücksbüffet. Denn ich musste wegen der Hygienevorschriften das eingesetzte Personal für die täglich rund 40 Frühstücke deutlich erhöhen. Da ist es sehr schwierig, das noch wirtschaftlich zu machen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Wir sind ein alteingesessenes Haus, wir haben Rücklagen und werden das überleben, und die harten Maßnahmen der Staatsregierung am Anfang waren auch richtig und wurden von uns mitgetragen – so schmerzlich sie auch waren. Aber inzwischen ist die Situation eine andere. Da müssen auch die Maßnahmen sich nicht nur ändern, sie müssen auch Sinn machen und nachvollziehbar sein.

    BR24: Was wäre denn der zweite Punkt, dem der Verwaltungsgerichtshof eine Absage erteilte?

    Morhard: Das wäre uns sogar der wichtigste Punkt gewesen. Wir wollten, dass unsere Service-Kräfte im Freien keine Maske mehr tragen müssen. Wir haben im Biergarten ca. 90 Plätze. Zum Glück haben wir genug Fläche und konnten die Zahl der Plätze halten, indem wir die Tische entsprechend auseinander gezogen haben. Das bedeutet aber auch, dass die Bedienungen sehr weite Wege laufen müssen. Ich bin gespannt, wie das wird, wenn es in den nächsten Tagen 30 Grad und mehr haben wird. Wie gesagt, es ging nur um draußen. Dass in der Gaststube die Maskenpflicht wegen der Aerosole noch sein muss, das verstehen wir. Aber draußen? Schauen Sie sich um, kein Mensch trägt in der Fußgängerzone oder beim Spazierengehen Masken. Leider ist uns das Gericht dabei nicht gefolgt.

    Das Gespräch führte Volker Hensel.

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