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© Intensivstation in München
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Die Corona-Infektionszahlen gehen nach unten, der Wunsch nach Lockerungen ist groß. Doch Intensivmediziner warnen - auch wegen der Gefahr von Mutationen.

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Intensivmediziner über Corona: "Uns geht langsam der Atem aus"

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist gesunken und viele Menschen wünschen sich Lockerungen. Aber die Intensivstationen sind wegen Corona weiter am Limit. Dem Personal "geht langsam der Atem aus", heißt es aus dem Klinikum München Schwabing.

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Von
  • Claudia Steiner

Die Monitore blinken. Warntöne sind im Hintergrund zu hören. Intensivstationen sind durch die hohe Anzahl an Corona-Patienten noch immer schwer belastet. Zwar ist die Sieben-Tage-Inzidenz gesunken - am Dienstag lag sie laut Robert Koch-Institut (RKI) bundesweit erstmals seit mehr als drei Monaten unter der Schwelle von 75. Doch Intensivmediziner warnen vor Lockerungen - auch wegen der Gefahr von Mutationen. Zudem weisen sie auf die hohe Arbeitsbelastung hin. Zwar sei Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern gut aufgestellt, was die Zahl der Intensivbetten betreffe, aber:

"Nur sehen wir ganz klar beim Personal: Uns geht langsam der Atem aus. Wir sind alle sehr erschöpft mittlerweile. Es ist physisch wahnsinnig anstrengend in der Schutzausrüstung." Dr. Niklas Schneider, Oberarzt der Intensivstation im Klinikum München Schwabing.

Personal am Limit

Auch die Pflegerische Leitung der Intensivstation erklärt, dass das Personal am Limit sei.

"Jetzt sind wir seit Anfang Oktober wieder in der Vollschleuse und machen das jetzt den vierten Monat. Und unsere Kräfte sind einfach am Ende. Wir haben Routine bekommen, was die Versorgung von Covid-Patienten angeht, aber es ist halt einfach eine traurige Routine." Alexandra Vossenkaul, Pflegerische Leitung der Intensivstation

"Manchmal will man rausgehen und schreien"

Besonders schwierig sei es, wenn Patienten wieder aufwachten. "Der Patient hat Angst, das ist natürlich völlig klar. Und wir sind da eigentlich auch ein bisschen machtlos", so Vossenkaul. "Das einzige, was wir machen können, ist wirklich ihm zureden und sagen: 'Wir fangen jetzt an, und wir versuchen, Sie wieder aufwachen zu lassen.' Aber leider trifft das in den wenigsten Fällen zu. Und das wissen wir. Und das macht es noch mal schwerer und belastender, dass man einfach manchmal nur rausgehen will da und schreien."

Viele traurige Verläufe

Die Höchststände der Covid-Patienten, die im Klinikum München Schwabing versorgt werden, waren in beiden Pandemie-Wellen ähnlich, in der zweiten Welle gab es jedoch mehr Intensivpatienten. In dem Verbund mehrerer Kliniken, zu der auch das Klinikum München Schwabing zählt, wurden nach Reuters-Angaben bisher insgesamt 2.000 Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung behandelt, rund 500 davon auf der Intensivstation. Bei einem guten Verlauf bleiben die Patienten den Angaben zufolge dort sechs bis acht Tage, bei schweren Verläufen durchschnittlich 18 Tage. Es gibt aber auch Patienten, die über 100 Tage lang auf der Intensivstation behandelt werden müssen, so Schneider.

Für Ärzte und Pflegepersonal sei dies psychisch eine extreme Belastung, genauso wie für die Patienten selbst und ihre Angehörigen. "Es ist sehr, sehr intensiv, wir haben sehr viele sehr traurige Verläufe. Wir haben durch die Besuchsverbote das Problem, dass Angehörige unsere Patienten, also ihre schwer erkrankten Angehörigen, nicht besuchen können, was für viele sehr traumatisch ist", so Schneider.

Impfung ist "ganz klar der Ausweg für uns"

Der Mediziner betont, dass auch die vermehrten Virusmutationen ihm Sorge bereiteten. Deshalb appellierte er an die Bevölkerung, die momentan positive Entwicklung mit sinkenden Fallzahlen nicht zu gefährden und sich weiterhin an die AHA-Regeln zu halten. Sehr wichtig sei auch das baldige Impfen. Der Großteil der Ärzte und des Pflegepersonals in der Münchner Klinik sind schon geimpft. Schneider hofft, dass bald auch weite Teile der Bevölkerung eine Impfung bekommen können. "Also ich denke, wichtig ist, dass wir uns jetzt alle impfen lassen, dass die Bevölkerung sich impfen lässt. Ich glaube, je mehr Virus wir in der Bevölkerung haben, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für Mutationen auch. Und da ist die Impfung, glaube ich, ganz klar der Ausweg für uns."

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