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Bildrechte: Maurice Heck/Bundeswehr/dpa

Flugzeuge der Bundeswehr fliegen ab dem 26.11. Corona-Patienten aus Schwaben in andere Teile Deutschlands

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    Intensivbetten knapp: Flug mit Corona-Patienten ab Memmingen

    Die Lage auf den Intensivstationen in Schwaben ist weiter angespannt. In mehreren Landkreisen gab es am Freitagmorgen nur ein freies Bett. Von Memmingen aus sollen nun die ersten Patienten mit einer Maschine der Bundeswehr verlegt werden.

    Von
    Barbara LeinfelderBarbara LeinfelderKilian GeiserKilian Geiser
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    In Kaufbeuren waren nach Daten des DIVI-Intensivregisters vom Freitagmorgen alle Intensivbetten belegt. Drei Viertel der Intensivpatienten hier sind Corona-Patienten. In mehreren weiteren schwäbischen Landkreisen gab jeweils nur noch ein belegbares Intensivbett. Entlastung soll die Verlegung von Patienten mit Flugzeugen der Bundeswehr in andere Teile Deutschlands bringen.

    Im Rahmen des sogenannten Kleeblatt-Systems werden Covid-19-Patienten bundesweit verteilt, wenn Kliniken in einer Region der Kollaps droht.

    Maschine der Luftwaffe startet am Nachmittag in Memmingen

    Die erste MedEvac-Maschine der Luftwaffe am Flughafen in Memmingen ist gelandet, um Covid-Patienten aus der Region aufzunehmen. Gegen 16.30 Uhr soll der Airbus A310 Memmingen wieder verlassen. Bis zu sechs Intensivpatienten haben an Bord der Maschine Platz. Laut einem Sprecher des Verteidigungsministeriums entspricht dies auch der Zahl der Patienten, die bei dem Verlegungsflug an Bord sein sollen. Unter anderem sollen eine Frau aus dem Krankenhaus Bobingen bei Augsburg und ein Mann aus der Klinik in Ottobeuren mit dem Flugzeug verlegt werden.

    Bundeswehr hält drei Flugzeuge für Corona-Patienten bereit

    Die Bundeswehr stellt sich auf eine Reihe weiterer solcher Einsätze ein. Insgesamt soll nach Angaben eines Luftwaffen-Sprechers eine mittlere zweistellige Zahl von schwerkranken Patienten aus Süddeutschland ausgeflogen werden, damit werde man einige Tage lang beschäftigt sein. Wenn nötig, stünden insgesamt drei Sanitätsflugzeuge dafür zur Verfügung. Sie sind am Flughafen Köln-Bonn und im niedersächsischen Wunstorf stationiert. Die beiden anderen Flugzeuge, ein Airbus A400 und ein Airbus A319, können jedoch anders als die heute eingesetzte Maschine nur jeweils zwei Intensivpatienten befördern. Nach Angaben der Luftwaffe sind neben den Einsätzen der Bundeswehr auch Flüge ziviler Rettungshubschrauber geplant, um die Krankenhäuser in Süddeutschland zu entlasten.

    NRW-Landesregierung will für Patientenaufnahme Operationen verschieben

    In den Krankenhäusern in Nordrhein-Westfahlen sollen zur Aufnahme von Corona-Patienten aus anderen Bundesländern planbare Operationen verschoben werden. Eine entsprechende Verordnung will das Kabinett nach Angaben der Staatskanzlei in Düsseldorf verabschieden. Die Ankunft der Maschine aus Memmingen am Flughafen Münster-Osnabrück ist für den frühen Abend geplant.

    Flugtransport nur bei Patienten mit guter Prognose

    Der Ärztliche Direktor des Augsburger Uniklinikums, Michael Beyer, erklärte im Gespräch mit dem BR, dass nur bestimmte Patienten für eine Verlegung in Frage kämen. Nicht jeder Intensiv-Coronapatient könne per Rettungswagen zum Flughafen gebracht und dann in den Flieger verladen werden: "Dem Patienten muss es so gut gehen, dass er einen längeren Transport gut übersteht", betont Beyer, Kranke mit schlechter Prognose könnten nicht transportiert werden.

    Patienten-Flüge könnten Kliniken kurzfristig entlasten

    Der Augsburger Mediziner begrüßt die geplante Verlegung per Flugzeug sehr. Beyer spricht von einem Zeichen der Solidarität innerhalb Deutschlands. "Es hilft uns jetzt in jedem Fall, wieder Luft zu bekommen", so der Ärztliche Direktor. Allerdings werde das nicht lang vorhalten: "Ich befürchte, dass wir bis Weihnachten in großem Umfang mit der Covid-Krise beschäftigt sein werden und dass die Zahl der intensivpflichtigen Patienten weiter ansteigen wird", erläutert der Augsburger Mediziner.

    Viele Krankmeldungen beim Pflegepersonal

    Besorgt äußerte sich Beyer zur Situation des Pflegepersonals. Die Mitarbeiter seien völlig erschöpft. Es gebe im Uniklinikum zwar keine Kündigungswelle, aber eine hohe Krankheitsquote. Man versuche, das Personal zu unterstützen, mit Supervision und psychosozialen Maßnahmen, so Beyer. Allerdings: "Die Hemmschwelle, dass mal einer sagt, ich kann nicht mehr und will, dass einer mir hilft, die ist schon sehr hoch."

    Beyer rechnet auch im Norden mit steigenden Corona-Patientenzahlen

    Dass im Norden derzeit noch Klinikkapazitäten vorhanden sind, erklärte Beyer damit, dass das Virus in der letzten Welle von England aus eine Nord-Süd-Bewegung vollführt habe. Die aktuelle Deltavariante hingegen sei momentan vor allem im südlichen Teil des Landes stark verbreitet, aber sie werde jetzt auch in den Norden der Bundesrepublik wandern - "und dann sind natürlich die Abverlegungsmöglichkeiten noch begrenzter", so Beyer.

    Gute Erfahrungen mit Verlegung von Corona-Patienten

    Beyer blickt auf gute Erfahrungen mit Flügen für Corona-Patienten zurück. Die Verlegung könne zwar eine zusätzliche Belastung darstellen, die meisten würden das aber sehr gut wegstecken. Er erinnert sich an Patienten, die in der ersten Corona-Welle aus Italien nach Augsburg gebracht worden waren: "Die Augenblicke, wo sie dann erwacht sind und realisiert haben, dass sie ganz woanders sind, das war gar nicht so schlimm, wie man sich das vorstellt." Die Freude und Dankbarkeit sei viel größer gewesen, es seien später auch viele entsprechende Briefe ans Klinikum gegangen.

    Derzeit keine Verlegungen von München aus angedacht

    Für München sind nach Angaben des bayerischen Innenministeriums derzeit keine Verlegungen von Corona-Patienten geplant. Das sagte eine Sprecherin des Innenministeriums dem BR. Die Lage sei aber äußerst dynamisch, deswegen könne sich die Situation heute Nachmittag auch schon wieder ändern, so die Sprecherin weiter.

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    Mittags in Schwaben

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