BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© picture alliance/Marcel Kusch
Bildrechte: picture alliance/Marcel Kusch

Die Betten in den Corona-Intensivstationen in der Region Nürnberg werden langsam knapp.

18
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Integrierte Leitstelle in Nürnberg: Intensivbetten werden knapp

In Nürnberg waren am Donnerstagabend alle Intensivbetten in den regionalen Krankenhäusern belegt. Ein Szenario, vor dem Mediziner schon seit Wochen warnen. Der Aufnahmestopp war nur vorübergehend, doch die Tendenz ist klar: Die Betten werden knapp.

18
Per Mail sharen
Von
  • Daniel Peter

Schon seit Monaten sieht Professor Joachim Ficker, Chefarzt der Covid-Station am Klinikum Nürnberg, wie seine Mitarbeitenden an der Belastungsgrenze arbeiten. Und es scheint derzeit nicht besser zu werden. Am Donnerstagabend ist dann kurzzeitig passiert, was er lange befürchtet hatte: Im gesamten Großraum waren die Intensivkapazitäten vorübergehend erschöpft gewesen.

Deshalb kam es zu sogenannten Zwangsbelegungen, weil Patienten aus medizinischen Gründen trotzdem aufgenommen werden mussten. Eine 26- Jährige und ein Mann Ende 40, beide schwer an Covid-19 erkrankt, wurden im Klinikum aufgenommen. Das habe man gerne gemacht, man arbeite so aber auf dem Rücken der Mitarbeitenden, so der Arzt. Die Belastungsgrenze sei längst erreicht.

Operationen verschoben

Ein Oberarzt, der bereits auf dem Heimweg war, wurde dafür wieder zurückgeholt. Anders wäre die Situation personell nicht zu stemmen gewesen, so Ficker. Viele Mitarbeitende seien müde, erschöpft und hätten viele Überstunden geleistet.

Gerade die Arbeit unter der Schutzkleidung sei sehr anstrengend, hinzu komme die psychische Belastung für die Mitarbeitenden. Auch wenn viele Mitarbeiter bereits geimpft wurden, fehle es nach wie vor nicht an Ausstattung oder Betten, sondern an ausreichend Personal. Derzeit werden auch wichtige Operationen verschoben, da die Kapazitäten für Corona-Patienten benötigt werden.

Intensivbetten werden knapp

Marc Gistrichovsky von der Integrierten Leitstelle in Nürnberg hat die Bettenkapazitäten in der Region mit seinem Team im Blick. Aktuell gebe es noch rund 20 freie Intensivbetten in den Krankenhäusern in der Region. Die Situation sei aber sehr dynamisch, die Zahlen könnten sich jederzeit wieder ändern. 340 Intensivbetten seien derzeit belegt, 88 davon mit Patienten mit einer bestätigten Covid-19-Erkrankung. Erfasst werden die Zahlen für Nürnberg, Fürth, Erlangen und auch in den Landkreisen Fürth, Nürnberger Land und Erlangen-Höchstadt. Die Lage sei derzeit sehr angespannt, aber noch im Griff.

Appell: Kontakte reduzieren

Chefarzt Joachim Ficker appelliert wegen der kritischen Situation in den Krankenhäusern deshalb an die Menschen, Kontakte zu reduzieren. Egal ob bester Freund, lieber Nachbar oder Kollege – jeder könnte Virusüberträger sein. Man müsse sich bei jedem Kontakt überlegen, ob dieser sein müsse oder ob es nicht ausreiche, mit diesem Menschen zum Beispiel zu telefonieren.

Selbst wenn ein weiterer Lockdown käme, macht sich der Chefarzt große Sorgen, dass die Fallzahlen weiter ansteigen. Denn bis so ein Lockdown wirke, dauere es mindestens 14 Tage.

© BR
Bildrechte: BR

Die Intensivstationen und die Covid-Station am Klinikum Nürnberg arbeiten am Limit. Geplante Operationen mussten bereits verschoben werden. Auch am Klinikum Fürth ist die Situation ernst.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!