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Integrationskurse: Knapp die Hälfte erreicht Kursziel nicht | BR24

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Seit 2015 haben mehr als 1 Million Menschen Integrationskurse besucht. Inzwischen gibt es unterschiedliche Kursangebote für acht Zielgruppen, darunter auch Analphabeten.

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Integrationskurse: Knapp die Hälfte erreicht Kursziel nicht

Sprache gilt als Schlüssel für erfolgreiche Integration. Wer neu nach Deutschland kommt, kann Deutsch in Integrationskursen lernen. Doch Experten kritisieren: Einige Teilnehmer bleiben bei den Kursen immer noch auf der Strecke.

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600 Kursstunden haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Integrationskurses an der Volkshochschule Erlangen hinter sich. Etwas mehr als die Hälfte von ihnen hat in der Prüfung das Sprachniveau B1 erreicht. Es gilt als Voraussetzung für den Arbeitsmarkt und für eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Entsprechend stolz waren die Absolventen, als Hans-Eckhard Sommer, Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ihnen ihre Zertifikate überreichten.

BAMF-Präsident: "Großartige Leistung"

Die anderen Teilnehmer erreichten das niedrigere Niveau A2 – auch sie erhielten ein Zertifikat. Das sei nach 600 Sprachstunden eine großartige Leistung, betonte Sommer bei seinem Besuch in Erlangen. "Wir bieten mit diesen Sprachkursen ein Grundprogramm an. Die Sprache müssen die Teilnehmer im Laufe ihres weiteren Lebens in Deutschland ständig verbessern, indem sie die Sprache regelmäßig anwenden", so Sommer.

Nur die Hälfte erreicht Sprachniveau B1

Die Zahlen des Erlanger Integrationskurses entsprechen dem Bundesdurchschnitt. Wie aus den Statistiken des Bundesamts hervorgeht, erreicht nur etwa die Hälfte das Kursziel B1. Das Bundesamt bemühe sich aber, die Qualität der Sprachkurse stetig zu verbessert, betonte Sommer. So wurden die Lehrer zum Beispiel über die Jahre besser qualifiziert, sagt der BAMF-Präsident. Zudem seien bundesweit einheitliche Standards und regelmäßige Kontrollen eingeführt worden.

Unterrichtstempo in Integrationskursen hoch

Dass dennoch nicht mehr Teilnehmer das Kursziel erreichen, habe viele Gründe, sagt Gisela Woitzik-Karamizadeh, Bereichsleiterin für Integrationsdienste bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Nürnberg. Viele Teilnehmer seien durch ihre Flucht traumatisiert und könnten sich nicht auf den Unterricht konzentrieren. Zudem lernten Menschen mit Hochschulabschluss gemeinsam mit Menschen, die kaum oder noch nie eine Schule besucht haben, kritisiert Woitzik-Karamizadeh. Die langsameren Teilnehmer blieben häufig auf der Strecke.

Zu wenig Teilnehmer für differenzierte Kurse

BAMF-Präsident Sommer hält dagegen: Es gebe bereits acht unterschiedliche Kursarten, etwa einen Alphabetisierungskurs oder Kurse für Schnelllerner. "Auf dem Land wird es immer schwerer, genügend Teilnehmer für die differenzierten Kurse zu finden. Ich denke nicht, dass wir das System weiter ausdehnen können", so Sommer weiter. Eine Hürde allerdings will das Bundesamt bald beseitigen: Für Mütter, die Integrationskurse besuchen, soll die Kinderbetreuung besser organisiert werden.

Integrationskurse geben Orientierung

An den Integrationskursen nehmen vor allem Flüchtlinge teil, unter anderem aber auch Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive, Geduldete und Zuwanderer aus europäischen Ländern. Die Integrationskurse bestehen aus einem Deutschkurs sowie einem Orientierungskurs, in dem die Teilnehmer etwas über die politischen und sozialen Strukturen in Deutschland lernen.

© BR-Studio Franken / Tina Wenzel

Ob im Alltag oder im Job: Gut Deutsch zu sprechen, gilt als Schlüssel für eine erfolgreiche Integration. Doch nur rund jeder zweite Teilnehmer eines Integrationskurses schafft das Kursziel das Sprachniveau B1.