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Insektenexperte beklagt: Immer mehr Schmetterlinge sterben | BR24

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Seit über 40 Jahren beobachtet Insektenexperte Julian Bittermann unter anderem Schmetterlinge. Er kennt die Gründe für die Fortsetzung des Schmetterlingssterbens und weiß genau, welche Tiere vom Aussterben bedroht sind.

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Insektenexperte beklagt: Immer mehr Schmetterlinge sterben

Das Insektensterben geht weiter. Von 169 Tagfalterarten in Bayern gelten mittlerweile 100 Arten als bedroht. Insektenexperte Julian Bittermann nennt unter anderem die Landwirtschaft als Grund dafür.

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Das Insektensterben setzt sich auch in diesem Jahr fort. Der Bayreuther Insektenexperte Julian Bittermann sprach beim Besuch einer Kalkmagerrasenfläche in Allersdorf (Gemeinde Bindlach/Lkr. Bayreuth) von einem dramatischen Rückgang auch bei den Tagfaltern.

Landwirtschaft, Versiegelung und Gifte setzen den Insekten zu

Seit mehr als 40 Jahren beobachtet Bittermann die Population der Schmetterlinge in dem Biotop, das vom Bund Naturschutz gepflegt wird. Wo vor wenigen Jahrzehnten die Luft von bunten Flügeln erfüllt war, seien heute auch bei hervorragenden Wetterbedingungen kaum noch ein Falter unterwegs. Der Grund sei seit Jahren derselbe: Der Lebensraum der Insekten schwindet, bedingt unter anderem durch intensive Landwirtschaft, Flächenversiegelung und Insektengifte.

100 Tagfalterarten gelten in Bayern als bedroht

169 Tagfalterarten gibt es in Bayern – als gefährdet gelten davon laut Roter Liste der bedrohten Tierarten 100. Auf der Vorwarnliste stehen zusätzliche 17 Arten. "Neu hinzugekommen sind zum Beispiel das rostrote Wiesenvögelchen und der dunkle Dickkopf-Falter", bedauert Bittermann. Der stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bayerischer Insektenkundler weiß, dass die Insekten schon das dritte Jahr in Folge zusätzlich unter den trockenen Sommern leiden.

Bittermann: Insekten Futter anzubieten reicht nicht

Gartenbesitzern legt Bittermann ans Herz, naturnah zu gärtnern, keinen Mähroboter zu benutzen, Gras auch mal stehen zu lassen und heimische Pflanzen zu verwenden.

"Es reicht nicht, Futter anzubieten. Die Falter brauchen auch ein Biotop, das ihnen die Möglichkeit gibt, sich zu reproduzieren." Julian Bittermann, Insektenexperte

Dafür sind unter anderem Obstbäume oder Kohlpflanzen geeignet. Mit Blick auf das Volksbegehren "Rettet die Bienen" meint Bittermann, vieles sei schon auf den Weg gebracht worden. Nun müssten gezielte und konzentrierte Aktionen laufen. "Dafür braucht es bei den Behörden aber auch zusätzliche Fachleute und Gutachten, die die Maßnahmen in Zukunft begleiten."

Sterben der Falter bringt Ökosystem ins Wanken

Schmetterlinge erfüllten im Ökosystem wichtige Funktionen, So Bittermann. Sie dienten Vögeln als Nahrung und bestäubten Blüten. Je weniger Tagfalter es gebe, desto mehr gerate das empfindliche Ökosystem ins Wanken.

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