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Mehlkäfer und Mehlwürmer

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    Insekten als Tierfutter: Mehlkäfer-Zucht für Pfaffenhofen

    Im Kreis Pfaffenhofen soll eine Mehlkäfer-Zucht entstehen. Das wünscht sich ein Unternehmer. Er möchte in einem Stadel bei Geisenfeld Mehlkäfer züchten und ihre Larven zu Tierfutter verarbeiten. Für das zuständige Landratsamt ist das noch Neuland.

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    Von
    • Susanne Pfaller

    Einen solchen Fall gab es in Oberbayern noch nicht:: Ein Unternehmer möchte in Pfaffenhofen Mehlkäfer als Tierfutter produzieren. Und, da ist sich das Landratsamt Pfaffenhofen ziemlich sicher, auch nirgendwo sonst im Freistaat gibt es bisher eine Mehlkäferzucht. "Zumindest kennen wir in Pfaffenhofen keinen solchen Fall und müssen uns deshalb rein an den Rechtsvorschriften orientieren“, sagt Christian Degen, Sprecher im Landratsamt.

    Mehlkäferzucht ist keine klassische Landwirtschaft

    Fragen gibt es viele. Zum Beispiel die, ob Mehlkäfer unter den Tierschutz fallen. Oder, ob hier das Veterinäramt zuständig ist. Das alles will und wird im Landratsamt noch geprüft werden. Eins hat das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aber laut Sprecher Christian Degen schon mal festgehalten: "Die Mehlkäfer-Zucht ist keine Landwirtschaft im klassischen Sinne. Aber natürlich werden wir als Landratsamt mit unserem Veterinäramt schauen, ob hier auch veterinärrechtliche oder tierschutzrechtliche Belange zu prüfen sind. Das erfolgt neben dem eigentlichen, baurechtlichen Prüfverfahren.“

    Grünes Licht vom Bauausschuss in Geisenfeld

    Dieses baurechtliche Prüfverfahren durch das Landratsamt steht jetzt an. Denn der Bauausschuss der Stadt Geisenfeld hat bereits grünes Licht gegeben für den Vorbescheid. Dort stehen die Stadträte dem Vorhaben eines Unternehmers positiv gegenüber. Der will in Untermettenbach, einem etwa fünf Kilometer außerhalb liegenden Stadtteils von Geisenfeld, einen Stadel für die Zucht von Mehlkäfern nutzen. Die Larven des Mehlkäfers, die sogenannten Mehlwürmer, will er zu Tierfutter verarbeiten. 

    Mehlwürmer als proteinreiches Tierfutter

    Vor allem die wurmartigen Larven, die wegen ihrer Form Mehlwürmer genannt werden, werden sowohl lebendig, als auch in verarbeiteter Form von vielen Tieren gefressen. Die proteinreiche Kost schätzen Nager wie Hamster, Aquarienfische, Teichfische oder auch Wild- und Ziervögel. Auch in Hunde- oder Katzenfutter stecken häufig Mehlwürmer. Auch bei der Nutztierhaltung und für Aquakulturen sind Mehlwürmer als Futtermittel zugelassen.

    Mehlwürmer auch als Lebensmittel

    Einige Mehlwurmarten werden sogar von Menschen verspeist. Auch wenn der Trend in Europa noch relativ neu und wenig ausgeprägt ist, hat sich die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bereits ausgiebig damit befasst. In einer Risikobewertung hat die EFSA in diesem Januar den Verzehr von Mehlwürmern durch den Menschen als unbedenklich eingeschätzt. Das gilt sowohl für das getrocknete Insekt als auch für Mehlwürmer in Pulverform. Gelbe Mehlwürmer sind mittlerweile als erste Speiseinsekten zum Verzehr freigegeben.

    Viele Prüfschritte für Mehlkäferzucht

    In Geisenfeld sollen Mehlwürmer jedoch ausschließlich zu Tierfutter verarbeitet werden. Bis es soweit ist, muss das Projekt noch mehrere Prüfschritte durchlaufen. Demnächst befasst sich das Landratsamt mit der Bauvoranfrage. Das wird rund ein Vierteljahr dauen. Danach kommt die eigentliche Prüfung, ob der landwirtschaftliche Stadel für die Käferzucht genutzt werden darf. Dafür muss das Gebäude eine baurechtliche Nutzungsänderung erfahren.

    Vielleicht schon Mehlkäferzucht in diesem Jahr

    Denn Mehlkäferzucht und vor allem die Verarbeitung zu Tierfutter, gilt nicht als Landwirtschaft, sondern als Gewerbe. Kreissprecher Christian Degen skizziert den Zeitablauf. "Wenn die Bauvoranfrage in rund drei Monaten verbeschiedet ist, dann erfolgt der eigentliche Antrag auf Nutzungsänderung. Dieser Genehmigungsprozess wird voraussichtlich nochmals einige Wochen oder Monate in Anspruch nehmen. Wenn die Entscheidung positiv ist, dann darf der Antragssteller auch mit der Nutzung beginnen. Wohl schon in diesem Jahr.“

    Mögliche Geruchsbelästigung durch Mehlkäfer wird überprüft

    Im Rahmen des baurechtlichen Verfahrens, wird auch geprüft, ob die Mehlkäferzucht möglicherweise zu einer Geruchsbelästigung führen kann. Bislang gibt es dafür aber keine Anzeichen, so Sprecher Christian Degen: "Für Bürgerinnen und Mitbürger ist natürlich immer wichtig, ob sie Geruchsbelästigungen ausgesetzt sind. Dem ersten Anschein nach wird das wahrscheinlich nicht der Fall sein. Diesen Punkt werden wir im Rahmen der baurechtlichen Prüfung auch unseren Immissions-Schutz mit einbeziehen.“ Der Behördensprecher betont, dass eine Behörde immer wieder mit Neuerungen kämpft. Doch, so erklärt er schmunzelnd, die Mehlkäferzucht sei durchaus "eine Herausforderung und eine Spannung zugleich, was uns hier erwarten wird“.

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