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Klassische Kaffeekapseln sorgen für viel Müll. Die Firma Müller in Lichtenfels hat spezielle Mehrweg-Kaffeekapseln als Alternative entwickelt, die auswaschbar und bis zu 150-mal wiederverwendbar sind.

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Innovationspreis für Mehrweg-Kaffeekapseln aus Lichtenfels

Kampf dem Kapsel-Müll: Ein Lichtenfelser Unternehmen hat wiederverwendbare Kaffeekapseln auf den Markt gebracht. Für das Produkt wurde es mit dem bayerischen Innovationspreis gekürt. Dabei stellt die Firma normalerweise ganz andere Produkte her.

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Von
  • Richard Padberg

Eigentlich stellt Geschäftsführer Jürgen Müller in seinem Drei-Mann-Betrieb Gleitschleifmaschinen her. Dabei handelt es sich um Geräte, mit denen industriell gefertigte Werkstücke entgratet und poliert werden. In den vergangenen beiden Jahren roch es in der Werkstatt und im Keller von Müller aber immer wieder nach frischgebrühtem Kaffee – und das nicht nur in der Pause. Der Grund: Als gelernter Maschinenbauer tüftelte Müller an einer wiederverwendbaren Kaffeekapsel für einen speziellen Maschinentyp. Nun ist er für das Produkt mit dem Bayerischen Innovationspreis ausgezeichnet worden.

Erschrocken über Müllberge durch Kapselkaffee

Müller sei regelrecht erschrocken, als er vor ein paar Jahren gehört habe, wie viele Einweg-Kaffeekapseln pro Jahr in Deutschland auf dem Müll landen, erzählt er beim Rundgang durch seine Werkstatt, die er "Wohnzimmer" nennt. 3,5 Milliarden Kaffeekapseln und 14.000 Tonnen Müll durch Einweg-Kapseln waren Müller einfach zu viel.

"Wir leben hier am Obermain im Prinzip im 'Gottesgarten', und ich habe jeden Tag die wunderbare Natur vor Augen. Mir ist das ein Herzensanliegen, etwas dafür zu tun, dass das auch so bleibt." Jürgen Müller, Entwickler von wiederauffüllbaren Kaffeekapseln

Planung und Testläufe im Feierabend und am Wochenende

Müller ist das, was man gemeinhin unter einem Tüftler versteht – nichts lässt er unversucht, und dabei kann er sich oft selbst helfen: Als gelernter Maschinenschlosser hat er sich Werkzeuge und Formen für die Kaffeekapsel selbst gebaut. Nach verschiedenen Prototypen und vielen zerlegten Kaffeemaschinen hat er schließlich die ideale Kapsel gefertigt.

Kaffeekapseln aus dehnbarem und hitzebeständigem Kunststoff

Die Kapseln bestehen aus dehnbarem und hitzebeständigem Kunststoff, ähnlich wie der, aus dem Nuckel für Babyschnuller hergestellt werden. Inzwischen produziert das Unternehmen – zusätzlich zur Herstellung der Gleitschleifmaschinen – etwa 1.500 Kaffeekapseln pro Tag.

Entwicklung und Testung Familiensache

Die Werkstatt und die Fertigung schließen direkt an Müllers Geburts- und Wohnhaus in Lichtenfels an. Im Keller des Hauses befindet sich das "Kaffee-Labor", in dem in unzähligen Versuchen die ideale Kapsel entwickelt wurde. Er sei zwar begeisterter Kaffee-Trinker, doch alle Test-Tassen konnten er, Ehefrau Gabi und Tochter Anna natürlich nicht trinken, erklärt er mit einem Augenzwinkern.

Einfache Handhabung der Kapseln

Tochter Anna zeigt, wie schnell und einfach die zweiteilige Kapsel mit Kaffeepulver gefüllt wird. Geübt füllt sie das Pulver in die Kapsel, drückt es leicht fest und setzt den Siebeinsatz ein. Der Rest läuft dann wie bei einer herkömmlichen Einwegkapsel: Kapsel einsetzen, Brühvorgang starten und Kaffee genießen. Das Saubermachen der Kapseln ist ebenso leicht: Durch das Eindrücken öffnet sich die Kapsel, und das Kaffeepulver fällt heraus. Nach dem Abspülen ist sie wieder einsatzbereit. Etwa 150 Brühvorgänge soll eine Kapsel aushalten.

Verkauf im Online-Shop und in Drogeriemärkten

Zu kaufen gibt es die Kapseln in einem Dreier-Set im eigenen Online-Shop und seit kurzem in den Filialen einer großen Drogeriemarktkette. Nach der langen Test- und Entwicklungsphase sollen die Kapseln in Zukunft das zweite Standbein des Unternehmens werden, sagt Müller. Während er die Kapseln bisher nur für ein Kaffeesystem entwickelt hat, will er sein Produkt künftig auch für die Kaffeemaschinen-Modelle anderer Hersteller produzieren – damit bald noch mehr Mehrwegkapseln "made in Lichtenfels" in den Kaffeemaschinen landen.

💡 Was ist der Bayerische Innovationspreis?

Der Innovationspreis Bayern ist 2012 vom Bayerischen Wirtschaftsministerium, des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags und der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern ins Leben gerufen worden. Die Preisverleihung findet seitdem alle zwei Jahre statt. Ausgezeichnet werden dabei herausragend innovative Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen. Neben drei Hauptpreisen wurden in diesem Jahr vier Sonderpreise in unterschiedlichen Kategorien vergeben.

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Keine einmalige Sache: Die Kaffeekapseln aus Lichtenfels sind wiederbefüllbar.

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