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Lukas Fuhr von B5 aktuell im Gespräch mit Thomas Geppert, Geschäftsführer des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands

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Innenstädte in der Krise: "Wir fordern eine echte Perspektive"

Geschäfte und Gastronomie sind geschlossen, die Innenstädte leer. Wie prekär ist die Lage? Wie kann die Wirtshauskultur gerettet werden? Und was fordern Wirte wie Hoteliers von der Politik? DEHOGA-Geschäftsführer Thomas Geppert gibt im BR Antworten.

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Von
  • Dominik Einzel

Hier und da ein paar Passanten und Spaziergänger, mehr ist gerade nicht los in den bayerischen Innenstädten. Denn die Läden für Lebensmittel und den täglichen Bedarf, die trotz Corona geöffnet bleiben dürfen, sind aus den Stadtzentren und Fußgängerzonen oft längst verschwunden. Die Angst ist groß, dass das auch nach Corona so bleibt. Eine Angst, die auch Gastronomen und Hoteliers in den bayerischen Städten teilen, denn offene Geschäfte und gut gehende Restaurants und Wirtshäuser sind seit jeher eng miteinander verknüpft.

Im Thema des Tages auf B5 aktuell hat Lukas Fuhr mit Thomas Geppert gesprochen, dem Geschäftsführer des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands. Er hofft vor allem, dass die Überbrückungshilfen schnell bei den Betrieben ankommen. Und er fordert eine Öffnungsperspektive sowie kreative Zusammenarbeit von Handel, Gastronomie und Politik in der Zukunft.

B5 aktuell: Herr Geppert, fangen wir mal mit der Gastronomie an. Wie groß ist Ihre Angst, dass durch Corona auch ein Stück weit die bayerische Wirtshauskultur jetzt verloren geht?

Thomas Geppert, Geschäftsführer des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands: Ja, die Sorge ist natürlich riesig, denn wir haben viele kleine Familienbetriebe, die es auch schon vor Corona äußerst schwer hatten. Aber jetzt, durch das unverschuldete Schließen der Betriebe, steht vielen das Wasser bis zum Hals. Sie kämpfen um ihre Existenz und deswegen ist die Lage wirklich äußerst angenehm.

Auf einer Skala von eins, alles gut, bis zehn, Katastrophe - wie angespannt ist die Lage in der bayerischen Gastronomie?

Vor einer Woche war es bei neun. Jetzt hoffen wir, dass es wieder etwas nach unten geht, weil nun tatsächlich seit ein paar Tagen die Auszahlung der lange versprochenen November-Hilfen stattfindet. Wir hoffen, dass dieser Liquiditätsschub jetzt bis Ende Januar bei nahezu allen Betrieben angekommen ist. Das wird uns wieder einige Wochen über Wasser halten. Aber es sind natürlich noch die Dezember-Hilfen offen. Und auch die Überbrückungshilfe III, die ja eigentlich für Schließungen ab Januar gelten soll, muss schnellstmöglich beantragt werden. Denn ohne diese Rettungsmaßnahmen werden es die Betriebe leider nicht schaffen.

Dann gibt es die Arbeitnehmer. Gerade in der Gastronomie sind viele nicht fest angestellt. Wird denn denen angemessen geholfen?

Im letzten Jahr gab es ja so einen steuerfreien Corona-Bonus. Es wäre gut, wenn man den auch in diesem Jahr wieder zur Verfügung stellen würde. Sicherlich haben die Unternehmer nicht viel liquide Mittel. Aber wenn jetzt die November- und Dezember-Hilfen kommen, dann kann man vielleicht doch den Mitarbeitern den einen oder anderen Beitrag zur Verfügung stellen. Das wäre ein wichtiger Schritt. Denn wir erleben schon, dass sich jetzt zunehmend Mitarbeiter umorientieren. Dabei: Wenn es wieder losgeht, wird es ja auch richtig losgehen. Und ein Arbeiten in der Gastronomie ist ja immer noch wunderschön. Und von daher hoffen wir, dass wir viele Mitarbeiter halten können, dass bald diese Öffnungsperspektive kommt und wir dann für Mitarbeiter und natürlich auch für die Gäste wieder da sein können.

Wenn man jetzt so einen Marshallplan wie Nürnberg angehen möchte: Ist das aus Ihrer Sicht heiße Luft oder vielleicht doch eine sinnvolle Idee?

Das ist eine mehr als sinnvolle Idee. Ein Marshallplan für die Innenstädte bedeutet ja im Prinzip auch ein Marshallplan für das Gastgewerbe. Das fordern auch wir. Und attraktive Innenstädte gehen ja nur durch eine lebendige Gastronomie. Und deshalb muss man alles tun, um die Betriebe zu erhalten und so die Innenstädte attraktiv zu halten. Und hier muss man wirklich Corona zum Anlass nehmen, dass sich was ändert: Dass sich sowohl die Händler, aber auch die Gastronomen und Hoteliers mit der Politik zusammensetzen und man hier zum Beispiel auch Außenflächen, wie sie jetzt erweitert wurden, für die Gastronomie auch in Zukunft ermöglicht. Und dass auch ein Stück weit die Ladenöffnungszeiten liberalisiert werden. Man darf jetzt nicht nur darüber reden, sondern muss tatsächlich handeln und alles tun, damit Innenstädte attraktiv bleiben.

Lassen Sie uns noch zu den Hotels kommen. Selbst wenn die bald wieder für alle aufmachen dürfen, es gibt ja kaum Touristen und auch keine Messen und Veranstaltungen. Ist die Lage der Hotels langfristig gesehen, vielleicht sogar noch angespannter als die Lage in der Gastronomie?

Wir haben hier beim Wieder-Hochfahren im Sommer eine unterschiedliche Lage gesehen. Einerseits hatte die Ferienhotellerie einen recht guten Sommer, Urlaub in Bayern hat funktioniert. Die Leute haben gesehen, dass Bayern hochattraktiv ist. Aber die Stadthotellerie hatte riesige Probleme. Also hier hoffen wir, dass durch fortschreitende Impfungen zumindest auch die Stadthotellerie wieder Leben gewinnt. Denn wir haben ja nicht nur die schöne Natur, sondern auch die attraktiven Innenstädte mit viel Kulturangeboten. Hier lohnt sich immer wieder eine Reise, auch für die einheimische Bevölkerung.

Was fordern Sie jetzt von der bayerischen Staatsregierung?

Wir fordern, dass die zugesagten Hilfen in voller Höhe kommen. Wir fordern aber auch eine echte Öffnungsperspektive. Und wir brauchen dringend Reformen wie die reduzierte Mehrwertsteuer für die Gastronomie. Aber auch mutige Reformen, um Betriebe zukunftsfähig zu machen - wie die Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes.

Offene Wirtshäuser - das kann man sich nicht vorstellen, bevor nicht auch die Schulen wieder offen sind. Das heißt, Sie fordern eigentlich eine sehr weitgehende Öffnung....

Zumindest müssen wir, wenn die Infektionszahlen jetzt weiter sinken, auch schrittweise das Gastgewerbe wieder öffnen. Wir haben ja auch im November nicht schließen müssen, weil wir etwa eine Infektionsgefahr sind, sondern weil man die Bewegung der Menschen einschränken will. Pandemiebekämpfung und eine Öffnung des Gastgewerbes stehen nicht im Widerspruch, im Gegenteil: Wir sehen uns als Teil der Lösung, nicht als Teil des Problems.

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