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Innenministerium will mehr Taser in Bayern | BR24

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Die Ausrüstung bayerischer Polizisten könnte neben Pfefferspray und Schusswaffe bald um einen Elektroschocker erweitert werden. Der Einsatz der sogenannten Taser wurde in einem fünfjährigen Pilotprojekt getestet– und ist nicht unumstritten.

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Innenministerium will mehr Taser in Bayern

Nach einem Pilotversuch an sechs bayerischen Polizeidienststellen mit Elektroschockpistolen zieht Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zufrieden Bilanz. Nun sollen auch weitere Dienststellen mit den sogenannten Tasern ausgestattet werden.

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Sie sind knallgelb und sehen im ersten Moment fast ein bisschen wie eine Spielzeugpistole aus. Doch sie sind weitaus gefährlicher als das. Die sogenannten Taser (Elektroschockpistolen) können Menschen mehrere Sekunden außer Gefecht setzen. Ein Pilotversuch ist jetzt abgeschlossen. In Bayern soll die Polizei nun mehr Taser bekommen.

Bis zu 50.000 Volt sollen Angreifer unschädlich machen

Beim Einsatz der Elektroschockpistole (auch Taser oder Distanzelektroimpulsgerät, kurz DEIG, genannt) werden zwei Metallpfeile (Projektile) abgeschossen, die mit der Pistole durch dünne Metallseile verbunden sind und sich dann zentimetertief in die Haut eines Menschen bohren. Rund 50.000 Volt führen dazu, dass es zu einer Muskelverkrampfung kommt, die sofort für mehrere Sekunden bewegungsunfähig macht. Das Spezialeinsatzkommando der Polizei (SEK) in Nürnberg hat diese Waffen schon seit 2006 im Einsatz.

100 weitere Taser sollen kommen

Seit 2019 wurde der Einsatz der Elektroschockpistolen an sechs Dienststellen in ganz Bayern getestet. Innenminister Joachim Herrmann ist mit dem Ergebnis der Pilotphase zufrieden. Es habe oft schon die Drohung mit der Waffe ausgereicht, um Täter von weiteren Gewaltaktionen abzubringen, so der Innenminister. Deshalb sollen nun zu den vorhandenen rund 40 Elektroschockpistolen weitere 100 angeschafft werden und damit etwa 30 Einsatzeinheiten der Polizei ausgestattet werden. Laut Herrmann sollen dies geschlossene Einheiten bei den Polizeipräsidien bzw. die Unterstützungskommandos (USK) sein. Die Taser könnten dann bei Großfahndungen bzw. Razzien zum Einsatz kommen.

Taser sind nicht unumstritten

Beim Einsatz der Waffen ist es in Bayern Vorschrift, dass mindestens vier Beamte anwesend sind. Wurde ein Schuss auf eine Person abgegeben, muss auch ein Krankenwagen gerufen werden. Die Taser sind nicht unumstritten: Laut Amnesty International in den USA gab es dort in den vergangenen Jahren (2001- 2017) über 700 Todesfälle, die mit der Elektroschockpistole in Verbindung stehen. Gerade Ältere oder Menschen mit Herzerkrankungen sind besonders gefährdet. Es können Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen auftreten, wie Martin Arnold, Kardiologe am Uniklinikum in Erlangen, bestätigt. Das Risiko dafür sei durch den Einsatz der Taser zwar generell gering, werde aber zum Beispiel größer, wenn die Eintrittsstelle des Stroms in der Nähe des Herzens stattfinden würde, so der Mediziner. Deshalb soll laut Innenministerium mit den Elektroschockpistolen idealerweise in Bauch, Rücken und Oberschenkel geschossen werden.

Einsatz nur durch geschultes Personal

Polizisten, die die Elektroschockpistole verwenden, müssen dazu vorher eine spezielle Ausbildung absolvieren und, laut Innenminister, auch einen Blick dafür haben, ob ihr Gegenüber besonders gefährdet ist oder nicht. Doch genau das ist der Knackpunkt, denn ob ein Mensch eine Herzerkrankung hat oder nicht, ist unter Umständen gar nicht erkennbar, monieren Kritiker.

Taser bald für alle Streifenbeamten?

Jürgen Köhnlein, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft in Bayern, fordert eine Ausweitung. Die Waffe sei ein wichtiger Lückenschluss zwischen Pfefferspray, Schlagstock und Schusswaffe, außerdem ließen sich mit dem Distanzelektroimpulsgerät (DEIG) „heikle Situationen“ klären. Köhn-lein fordert deshalb, dass jeder Streifenbeamte diese Waffe bekommt. Diese Forderung geht Innenminister Joachim Herrmann zu weit, er möchte sie nicht umsetzen. Wann genau die 100 weiteren Elektroschockpistolen an die Polizei ausgegeben werden, ist noch nicht bekannt. Voraussichtlich am 11. November werden die Ergebnisse des Pilotversuchs im Innenausschuss des Landtags vor-gestellt.