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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Matthias Balk

Medizinern zufolge liegen auf Intensivstationen überdurchschnittlich viele Menschen mit Migrationshintergrund. Bayerns Innenminister Herrmann ruft nun Migranten auf, sich impfen zu lassen. Die SPD kritisiert diesen Vorstoß.

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SPD kritisiert Herrmann für Impfappell an Einwanderer

Die bayerische SPD kritisiert Innenminister Herrmann für dessen Impfappell an Migranten. Herrmann versuche, die Verantwortung an die Betroffenen abzuschieben, sagte SPD-Landeschef Florian von Brunn.

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Von
  • Monika Wagner

Der neue Co-Chef der BayernSPD, Florian von Brunn, hat den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU) für dessen Impfappell an Einwanderer und Asylbewerber kritisiert. Die Regierung Söder habe bisher nichts dagegen getan, dass Covid-19 ärmere Menschen und Geflüchtete besonders hart treffe, sagte von Brunn.

Herrmann hatte erklärt, es häuften sich die Meldungen, dass insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund einer Corona-Impfung immer noch skeptisch gegenüberstünden. Das liege wohl einerseits an Sprachbarrieren, andererseits seien auch absurde Gerüchte und Verschwörungstheorien im Umlauf.

"Statt schlauer Ratschläge ist ein Programm für sozial Benachteiligte überfällig, egal ob Asylbewerber oder prekär Beschäftigte mit schlechten Arbeitsbedingungen", erklärte Florian von Brunn.

Von Brunn fordert Aufklärung via Social Media

Der SPD-Politiker monierte unter anderem, dass die Webseiten des Impfzentrums Bayern nur auf Deutsch verfügbar seien. Notwendig sei viel mehr "niederschwellige zielgruppengerechte Aufklärung" in der Muttersprache, etwa über Social Media: "Außerdem muss es sehr schnell mehr Tests und Impfangebote in besonders betroffenen Betrieben und Gemeinschaftsunterkünften geben - für Geflüchtete genauso wie für Bau- und Saisonarbeiter."

Herrmann warnt vor Verschwörungstheorien

Innenminister Herrmann hatte sich zuvor insbesondere über Verschwörungstheorien geäußert, die bei Migranten und Flüchtlingen in Umlauf seien: "Diese sind grober Unfug und schüren lediglich unberechtigt Ängste", sagte Herrmann.

Es gebe weder Belege für die Behauptung, dass die Impfungen zur Unfruchtbarkeit führen, noch habe eine Impfung Auswirkungen auf den Aufenthaltsstatus. Herrmann forderte die Menschen nachdrücklich auf, sich zum Schutz der eigenen Gesundheit und der Gesundheit aller impfen zu lassen. Ausdrücklich angesprochen seien auch alle Asylbewerberinnen und Asylbewerber.

Virus nur gemeinsam besiegbar

Herrmann betonte, die zugelassenen Impfstoffe seien sicher und wirksam. Er rief Ausländer-, Migrations- und Integrationsbeiräte sowie Migrantenorganisationen auf, die Menschen weiter ausführlich zu beraten und zu informieren. "Wir können das Coronavirus nur gemeinsam besiegen", sagte Herrmann.

Diskussion um Impfstrategie für Problemviertel

In den vergangenen Tagen forderten Intensivmediziner und Politiker, Menschen in sozialen Brennpunkten besser gegen das Coronavirus zu schützen und so die Intensivstationen zu entlasten. Eine Idee ist, mobile Impfteams verstärkt in solche Wohngebiete zu schicken.

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