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Inklusives Kaffee-Projekt: Der Röster in der Rhön | BR24

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Rainer Bühner ist Kaffee-Genießer und hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Der gelernte Schreiner betreibt eine Rösterei im Kloster Maria Bildhausen nahe Münnerstadt (Lkr. Bad Kissingen) und beschäftigt sechs Mitarbeiter mit Handicap.

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Inklusives Kaffee-Projekt: Der Röster in der Rhön

Kaffee ist Rainer Bühners große Leidenschaft. Aus dem Hobby wurde ein Nebenerwerb. In Maria Bildhausen in der Rhön hat er eine Kaffee-Rösterei eingerichtet – bei der es sich zugleich um ein inklusives Projekt handelt.

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Nach dem Besuch einer kleinen Kaffee-Rösterei war es um ihn geschehen. "Das hat mich so fasziniert, dass ich regelrecht von einem Kaffee-Virus befallen wurde", sagt Rainer Bühner, "und dieses Virus lässt mich bis zum heutigen Tag nicht mehr los." In Maria Bildhausen im Landkreis Bad Kissingen betreibt der 53-Jährige nun eine Kaffeerösterei. Das Besondere daran: Es handelt sich um ein Inklusionsprojekt.

Hobby: Alles was mit Kaffee zu tun hat

Damit begonnen, selbst Kaffee zu rösten, hat Rainer Bühner in seinem Haus in Brendlorenzen im Landkreis Rhön-Grabfeld. "Schon am Ortseingang hat man gerochen, dass bei uns wieder geröstet wird", denkt Bühners Tochter Zoe an die Anfänge zurück. Die Nachbarn störte das freilich nicht, vielmehr wollten einige selbst mal "Bühners Feinen" probieren.

So wurde aus dem Hobby mit der Zeit ein Nebenerwerb. Rainer Bühner bezog größere Räume in der nahen Kreisstadt Bad Neustadt, blieb dort mehrere Jahre und warf mit seiner Rösterei den "Rhön-Kaffee" auf den Markt. Aber auch dort wurde es zu eng, nachdem er für sein Unternehmen eine 30-Kilogramm-Rösttrommel angeschafft hatte.

Aus einer Metzgerei wird eine Kaffee-Rösterei

Die Rösttrommel steht nun in der ehemaligen Metzgerei des Klosterladens in Maria Bildhausen. In dieser Trommel verarbeitet Bühner Roh-Kaffee aus acht Ländern. Mehr als 20 Sorten bietet seine Rösterei an, Fairtrade- und Bio-Kaffee inklusive. Und ebenso Spezialitäten, etwa aus Sherry-Bohnen.

"Ich arbeite schon mein Leben lang auf dem Bau und wollte immer mal was anderes machen wie Baustelle", sagt Bühner. Dass es ausgerechnet Kaffee werden würde, hatte er selbst nicht vermutet.

Kaffee und Inklusionsarbeit

Besonders an Rainer Bühners Kaffee-Rösterei ist auch, dass dort inklusiv gearbeitet wird. Sechs Mitarbeiter der Rösterei kommen aus den Werkstätten des Klosters, in enger Kooperation mit dem Dominikus-Ringeisen-Werk: Menschen mit Handicap, die den Kaffee sortieren, Steine und minderwertige Bohnen entfernen. Sie packen überall dort an, wo sie gebraucht werden.

Eine von ihnen ist Simone Schneidler. "Ich war früher mal im Kunstgewerbe tätig, dann habe ich gesehen, dass ein Zettel für die Kaffeerösterei aushing", sagt sie, "da habe ich mich beworben und die Arbeit hier macht mir richtig Spaß."

Rösterei in Maria Bildhausen erhält Inklusionspreis

Im Oktober 2019 wurde das Kaffee-Team auf der Würzburger Mainfranken-Messe mit einem Inklusionspreis ausgezeichnet, kaum zwei Jahren nach Beginn des Projektes. 2.500 Euro bekam Rainer Bühner vom Bezirk Unterfranken. Mit diesem Preisgeld machten die Mitarbeiter gemeinsam einen Betriebsausflug nach Zeebrugge in Belgien. Natürlich besuchten sie dort auch eine Großrösterei zur Fortbildung.

Wachsende Nachfrage nach "Rhön-Kaffee"

Den Kaffee verkauft die Rösterei im Klosterladen in Maria Bildhausen, außerdem in einem eigenen Online-Shop und in Lebensmittel-Geschäften im Umkreis. Die Nachfrage nach dem "Rhön-Kaffee" steigt, heißt es von Rainer Bühner. Er denkt bereits daran, seine Kapazitäten zu erweitern. Möglicherweise wird aus dem Nebenerwerb für ihn sogar ein Haupterwerb.

Eigentlich ist Bühner gelernter Schreiner. Mit einem selbstgebauten, mobilen Stand besucht er regelmäßig Messen, Hochzeiten oder Betriebsfeste. Durch die Corona-Pandemie ist sein "Kaffee-Virus" zuletzt etwas ins Stocken geraten. Doch im Herbst will Rainer Bühner mit seinem "Food-Truck" wieder auf Reisen gehen – sofern Corona nicht noch immer einen Strich durch seine Rechnung macht.

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