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Inklusive Wohnformen: Versprochenes Geld bleibt aus | BR24

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400 Millionen Euro hatte Ministerpräsident Markus Söder an Förderung für inklusive Wohnprojekte versprochen. Doch das Geld fließt nicht wie angekündigt.

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Inklusive Wohnformen: Versprochenes Geld bleibt aus

In Schönbrunn gibt es eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung, die sich in ein inklusives Wohngebiet verwandeln will. Allerdings fehlen Investitionen, denn das millionenschwere Investitionsprogramm der Staatsregierung bleibt größtenteils aus.

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Besuch bei Michael Meier und Maximilian Schmid in ihrer WG in Großinzemoos im Dachauer Hinterland. Neun Parteien wohnen in dem Haus mit kleinem Garten – ein Haus in dem Menschen mit und ohne Behinderung unter einem Dach leben. Michael und Maximilian sind froh, dass sie vor sechs Jahren hier einziehen konnten, nachdem sie jahrelang in einer so genannten Komplexeinrichtung – also einem großen Haus für Menschen mit Behinderung waren:

"Die WG ist schön, man hat viel mehr Freiheiten, einen Garten, echt ein schönes Haus hier." "Diese Wohnung ist gut, ich bin glücklich hier zu wohnen." Michael Meier und Maximilian Schmid, Bewohner

Selbstständigkeit statt Bevormundung

Regelmäßig bekommen die beiden auch Besuch von einem Betreuer. Doch das Konzept ist klar: es geht um Unterstützung in der Selbstständigkeit und nicht um Fürsorge oder gar Bevormundung, erklärt Wohnverbundleiter Robert Bichlmeier, zuständig für fünf Wohngruppen im Dachauer Hinterland.

"Ich merke die Bewohner lernen zunehmend für sich selbst Verantwortung zu unternehmen. Wir versuchen sie zu bestärken, ihr eigenes Leben zu leben, und da zu unterstützen, wo wir merken, da kommen sie jetzt gerade nicht weiter." Robert Bichlmeier, Wohnverbundleiter

Nur fünf der versprochenen 20 Millionen Euro im Haushalt

Menschen sollen so leben und wohnen können, wie sie wollen - auch Menschen mit Behinderung. Das ist die Kernaussage des Bundesteilhabegesetzes und auch die Forderung der UN-Behindertenrechtskonvention. Und so hatte sich nicht zuletzt der Caritaspräsident des Erzbistums München und Freising, Georg Falterbaum, gefreut über die Ankündigung der Staatsregierung vor einem Jahr, nun jährlich 20 Millionen Euro für Konversion – also für dezentrales Wohnen – ausgeben zu wollen. Jetzt aber ist er verärgert, denn: der derzeitige Haushalt bildet dieses Versprechen nur zu einem Viertel ab:

"Aus diesen 400 Millionen für 20 Jahre - im Durchschnitt 20 Millionen - sind fünf übriggeblieben, das ist ein sehr dünnes Ergebnis. Insofern bin ich enttäuscht. Pacta sunt servanda, Versprechen sind einzuhalten." Georg Falterbaum

Die Reaktion von Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU):

"Man muss aber auch sehen: der Sozialhaushalt wächst um 20 Prozent an. Diese Botschaft darf man nicht kleiner machen. Auch wenn ich mir an dieser Stelle mehr gewünscht hätte. Und ja, das ist nicht rausgekommen. Wir haben einen Nachtragshaushalt, ich hoffe, dass wir da noch ein Scheiberl drauflegen können." Kerstin Schreyer, bayerische Sozialministerin

Ein Scheiberl wird aber nicht reichen, so die Grundaussage des Podiums, auf dem auch der oberbayerische Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU) vertreten war. Denn die Bezirke alleine könnten diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe nicht stemmen:

"Ich sehe die gesamte Staatsregierung in der Verantwortung. Und wenn ich etwas verspreche, dann möchte ich daran gemessen werden, wie ich es umsetze. Und was machen fünf Millionen für ganz Bayern? Das ist für Oberbayern nicht einmal eine Million. Damit können wir nicht viel anfangen. Da bekomme ich vielleicht eine Doppelhaushälfte." Josef Mederer, oberbayerischer Bezirkstagspräsident

Keine Lobby für Menschen mit Behinderung?

Klotzen statt Kleckern, das fordert auch die SPD-Landtagsabgeordnete und Sozialpolitikerin Ruth Waldmann von der Staatsregierung. Und bedauert: die Menschen mit Behinderung hätten ganz offensichtlich eine zu schwache Lobby.

"Es geht um eine Investition in eine gemeinsame Zukunft, die wir auch wollen. Dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammenleben, dass wir solche Orte zu einem Lebensort für viele machen. Das kann auch nicht nur Aufgabe des Sozialsäckels sein, sondern da sind eigentlich alle gefordert." Ruth Waldmann, SPD-Landtagsabgeordnete

Lebensorte für alle: das können solch kleine Wohnanlagen sein, wie das kleine Haus in Großinzemoos im Landkreis Dachau, in dem Michael und Maximilian leben. Das kann aber auch das nahegelegene Franziskuswerk mit seinen Behinderteneinrichtungen in Schönbrunn werden – denn die Heimgebäude sollen sich ebenfalls nach und nach in ein inklusives Wohngebiet – ja eigentlich in ein inklusives Dorf – verwandeln.

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In Schönbrunn ist eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung, die sich in ein inklusives Wohngebiet verwandeln will und soll. Allerdings fehlen Investitionen, denn das millionenschwere Investitionsprogramm der Staatsregierung bleibt aus.