Schule muss bunter und diverser werden: Diskussion in der Peter-Vischer-Schule in Nürnberg. Prominente Teilnehmerin ist Tessa Ganserer (2.v.li.).

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Initiative in Nürnberg: Schule muss bunter und diverser werden

Initiative in Nürnberg: Schule muss bunter und diverser werden

Das Leben ist bunt und divers. Das sollte Schule auch sein. Doch die Realität sieht anders aus. In der Peter-Vischer-Schule fordert die SMV Verbesserungen. Die Schülerinnen und Schüler haben prominente Mitstreiter.

"Ich kann mich an solche Veranstaltungen nicht erinnern. Und die haben mir rückblickend so sehr gefehlt." Tessa Ganserer (Bündnis 90/Die Grünen) sitzt auf dem Podium in der Aula der Peter-Vischer-Schule in Nürnberg. Mit Schülerinnen und Schülern der elften Klassen diskutiert sie, wie Schule diverser werden kann. Seit 2021 ist Ganserer Abgeordnete im Bundestag. Vor vier Jahren machte sie ihre Transsexualität öffentlich. Seitdem lebt sie als Frau. Transgeschlechtliche Menschen erleben viel Diskriminierung, sagt sie.

Politikerin fordert zu mehr Courage auf

Den Schülerinnen und Schüler will sie mitgeben, "dass wir alle, so verscheiden wie wir sind, doch alle gleich an Würde und Rechten sind". Sie sagt das auch mit dem Blick auf das Attentat vor einigen Tagen auf einen bei Homosexuellen beliebten Nachtclub in Oslo, bei dem zwei Menschen starben. "Es liegt an uns, wie wir als Gesellschaft miteinander, als Menschen miteinander umgehen", sagt Ganserer. Und deswegen brauche es Menschen, die sich für Courage einsetzen.

Die Peter-Vischer-Schule hat den Titel einer Schule mit Courage. Fabia Klein aus der Abschlussklasse hat die Diskussion organisiert. Für sie heißt Courage auch Kampf gegen Homophobie und Übergriffe gegen Transpersonen. "Das ist ein Thema, das bekämpft werden muss. Gerade auch in den Schulen." Junge Menschen könnten Veränderungen vorantragen. "Das auch wirklich zu tun, ist eine ganz, ganz große Aufgabe."

Angst vorm Outing in der Schule

Auf dem Podium sitzt auch Joshua Reichel. Er leitet die Jugendgruppe des queeren Nürnberger Vereins Fliederlich. Für ihn ist es wichtig, nicht nur in seiner Blase zu bleiben. Denn gerade in Schulen gibt es aus seiner Sicht in Sachen Homophobie viel zu tun. "Wie reagieren die Lehrkräfte darauf, wenn ich mich oute und es kommt ein blöder Spruch. Sagen die dann nichts, machen die selber einen blöden Spruch oder setzen sie sich dagegen ein", beschreibt er die Situation von queeren Jugendlichen in der Schule. Denn Jugendliche hinterfragen immer häufiger ihre geschlechtliche Identität.

Diskriminierung wegen Herkunft und Namen

Als dritte Expertin in Sachen möglicher Diskriminierung sitzt Mina Bayalani auf dem Podium. Sie hat für die "Black Community Foundation" in Nürnberg große Demonstrationen organisiert. Als sie noch zur Schule ging, hatte sie im Unterricht immer wieder erlebt, dass sie wegen ihrer Herkunft und ihres persischen Nachnamens diskriminiert wurde. Sie fordert mehr Sensibilität bei der Lehrerschaft und den Schulleitungen ein.

Änderungen im Studium angemahnt

"Es kann nicht sein, dass immer nur Betroffene sich dieser Aufgabe annehmen müssen", sagt Bayalani. Workshops und Trainings für Lehrerinnen und Lehrer könnten eine Lösung sein. Und auch im Lehramts-Studium müssten das Thema diverse und bunte Schule einen viel breiteren Raum einnehmen, sagt sie. Hier gebe es noch viel Nachholbedarf.

Es fehlen die guten Beispiele

Es waren interessante eineinhalb Stunden, sagt ein Schüler. Mal aus erster Hand zu erfahren, was gegen Diskriminierung und Benachteiligung gemacht werden kann, fand er gut. Eine Mitschülerin vermisste in der Diskussion aber konkrete Beispiel an ihrer Schule und eine Lehrerin hofft, "dass sich die Schüler und Schülerinnen jetzt mehr trauen, was zu sagen und für ihre Rechte zu kämpfen".

Schülerinnen und Schüler kämpfen für Veränderungen

Es gibt also noch viel zu tun. Das meint auch Initiatorin Fabia Klein. Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt müsse nicht nur mit einigen Stunden im Biologie-Lehrplan stehen. Sie müsse in den Schulen auch gelebt werden, so die Abiturientin. "Es ist unserer Aufgabe, jetzt was zu verändern." Noch sei im Unterricht wenig von einer diversen und bunten Schule zu spüren. "Aber vielleicht ändert sich das ja durch uns", sagt sie.

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