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Anfang 2019: Die Initiative "Money, Money, Money – Frauen verdienen mehr" in Ingolstadt

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    Ingolstädterinnen wollen mehr Lohngerechtigkeit

    In der Region Ingolstadt ist die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen fast doppelt so groß wie im Bundesdurchschnitt: pro Monat rund 2.000 Euro. Darauf verweist eine Fraueninitiative um die Ingolstädter Gleichstellungsbeauftragte Barbara Deimel.

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    Von
    • Susanne Pfaller

    Die Daten zu den regionalen Lohnunterschieden haben das Statistische Bundesamt und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ermittelt. Bundesweit beträgt die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen rund 19 Prozent. In der Region Ingolstadt liegt sie bei 36 Prozent. Dieser Wert bedeutet: In Ingolstadt hat eine Frau jeden Monat etwa 2.000 Euro brutto weniger auf dem Lohnkonto als ein Mann.

    Die Spur führt zu Audi & Co.

    Die riesige Lohnlücke hängt mit Großbetrieben wie Audi zusammen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat als wesentlichen Faktor für die unterschiedlichen Verdienstmöglichkeiten die regionale Wirtschaftsstruktur ausgemacht. Vor allem in Regionen mit spezialisierter Struktur, die stark von der Kraftfahrzeugbranche und von Großbetrieben geprägt ist, zeichnet sich durch den hohen Beschäftigungsanteil von Männern aus, die mehr verdienen als Frauen. Dies trifft in besonderem Maß auch Ingolstadt.

    Frauen arbeiten in schlechter bezahlten Berufen

    Um die Lohnlücke - das Gender Pay Gap – zu ermitteln, werden Männer und Frauen mit gleichen Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsverläufen verglichen. Für den Gender Pay Gap werden die Durchschnittsverdienste aller Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen erfasst. Damit fließen auch strukturelle Nachteile ein, wie zum Beispiel schlechtere Zugangschancen zu manchen Berufen und Karrierestufen.

    Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass 71 Prozent des Verdienstunterschiedes darauf zurückzuführen sind, dass Frauen in schlechter bezahlten Berufen arbeiten und seltener Führungspositionen erreichen.

    Initiative will Lohnlücke verringern

    Um die große Lohnlücke zu verringern, hat sich vor gut einem Jahr in Ingolstadt eine Initiative gebildet. In ihr engagieren sich neben Barbara Deimel, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, auch Ira Schmalbrock, Leiterin Pro Beschäftigung e.V., Maike Weiland, Leiterin der Wirtschaftsförderung Ingolstadt, Professor Katherine Roegner von der Technischen Hochschule Ingolstadt und Astrid von Perponcher vom Unternehmerinnenforum.

    Die Frauen haben sich ein Motto und ein Ziel gesetzt: "Money, Money, Money – Frauen verdienen mehr!" Mit Informationen und Veranstaltungen wollen sie nicht nur die Defizite aufzeigen, sondern auch zur Entwicklung von Strategien für mehr Lohngerechtigkeit anregen. Aufgrund der Corona-Pandemie konnten fielen jedoch alle für 2020 geplanten Veranstaltungen aus. Sobald wieder Veranstaltungen möglich sind, wollen die Frauen ihre Aktionen nachholen.

    Mehr Frauen für Naturwissenschaften begeistern

    Um die Lohnlücke zu verkleinern, wird beispielsweise versucht, mehr junge Frauen für Naturwissenschaften zu begeistern. Sie sollen bestärkt werden, sich nicht von Rollenklischees in ihrer Berufswahl beeinflussen zu lassen. Katherine Roegner, Frauenbeauftragte der TH und Professorin für Mathematik, schwärmt davon, wie gut sich junge Frauen im Studium zeigten und wünscht sich viel mehr Frauenpower in der Technik: "Die Technik von morgen braucht Frauen!"

    Digitaler Wandel als Chance für Frauen

    Der Zeitpunkt für die Initiative ist gut gewählt, findet Ira Schmalbrock, Leiterin von Pro Beschäftigung e.V.: "In Zeiten des digitalen Wandels boomen nicht nur neue Technologien. Auch klassisch weibliche Kompetenzen wie Kreativität und Empathie werden an Bedeutung gewinnen. Hier eröffnen sich ganz neue Berufsfelder und Verdienstmöglichkeiten für Frauen."

    "Wir haben es uns daher zur Aufgabe gemacht alle Gestalterinnen und Vorreiterinnen, die unsere Region digitaler und besser machen, zu unterstützen", sagt Maike Weiland, Leiterin der Wirtschaftsförderung Ingolstadt. Die Initiative soll das Potenzial der Frauen am Standort gezielt entfalten.

    Care-Arbeit gerechter verteilen

    Als Gleichstellungsbeauftragte fordert Barbara Deimel auch einen Wertewandel von Politik und Gesellschaft, bei dem die sogenannte Care-Arbeit, also Sorge-Arbeit, gerechter verteilt wird. Denn die Sorge-Arbeit, so Deimel, sei elementar und existenziell für unsere Gesellschaft, wie sich auch in der Pandemie gezeigt habe. Sie sollte zukünftig gerechter zwischen Frauen und Männern geschultert werden.

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