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Viel zu wenige Erzieherinnen und Kinderpfleger – das Problem beschäftigt nahezu alle Kommunen in Oberbayern. Ingolstadt wirbt ab sofort mit einem Willkommensgeld um weiteres Personal. Doch die Prämie ist umstritten.

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Ingolstadt wirbt mit Willkommensprämie um Erzieherinnen

Viel zu wenige Erzieherinnen und Kinderpfleger – das Problem beschäftigt nahezu alle Kommunen in Oberbayern. Ingolstadt wirbt ab sofort mit einem Willkommensgeld um weiteres Personal. Doch die Prämie ist umstritten.

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Von
  • Susanne Pfaller

Der Personalausschuss der Stadt Ingolstadt hat einstimmig grünes Licht gegeben: 3.600 Euro winken einer Erzieherin oder einem Erzieher, wenn sie im Stadtgebiet Ingolstadt in einer Kita oder einem Kindergarten zu arbeiten beginnen. Die Prämie ist seit Dienstag beschlossene Sache.

Viele offene Stellen in Ingolstadt

Der Grund: Allein in diesem Jahr sollen im Stadtgebiet Ingolstadt rund 400 neue Betreuungsplätze entstehen. Dabei gibt es schon jetzt Einrichtungen, die nicht vollständig öffnen können, weil Personal fehlt. In städtischen Einrichtungen, die in Ingolstadt fast ein Drittel des Kinderbetreuungsangebots ausmachen, sind im Moment 29 Erzieherinnen-Stellen unbesetzt. Hier soll die Prämie für ausreichend Personal sorgen, so Ingolstadts Schulreferent Gabriel Engert.

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Personalausschuß in Ingolstadt

Doch der finanzielle Anreiz stößt auf Gegenwind. Pfaffenhofens Bürgermeister Thomas Herker (SPS) bringt nun das Thema in den Städtetag. Am kommenden Dienstag wird sich der Vorstand des Städtetags in seiner digitalen Sitzung damit befassen. Denn: für den Pfaffenhofener Bürgermeister ist eine Willkommensprämie für Erzieherinnen "schlicht unsolidarisch".

Kritik: Prämie geht zu Lasten armer Kommunen

Auch Pfaffenhofen könnte es sich leisten, eine Prämie einzuführen. Das betont Bürgermeister Herker. Das Stadtoberhaupt lehnt jedoch eine solche Maßnahme aus Prinzip ab. Herker verweist darauf, dass es schon in einigen Gemeinden ähnliche Prämien wie in Ingolstadt gibt und fürchtet, die finanziellen Lockmittel könnten noch weiter Schule machen und zu Lasten ärmerer Kommunen gehen.

In Ingolstadt hingegen betrachtet man das Willkommensgeld als Teil der Lösung. Geld sei nun mal ein wichtiges Kriterium bei der Stellensuche. Deshalb gilt in Ingolstadt ab sofort: Jede Erzieherin, die in Ingolstadt eine Vollzeit-Stelle neu antritt, bekommt einmalig 3.600 Euro, jede Kinderpflegerin in Vollzeit 1.800 Euro - aber erst nach Vollendung der Probezeit. Bei Teilzeitkräften wird die Prämie anteilig gezahlt. Es handelt sich dabei um eine sogenannte befristete Arbeitsmarktzulage.

Sogar eine Vermittlungsprämie gibt es

Zusätzlich wird eine Vermittlungsprämie ausgelobt: jedem, der eine Vollzeit-Erzieherin nach Ingolstadt bringt, zahlt die Stadt 1.000 Euro. 500 Euro Vermittlungsprämie gibt es pro vermittelter Kinderpflegekraft. Die Stadt will die Gelder sowohl für ihre städtischen Einrichtungen als auch für die Einrichtungen der freien Träger im Stadtgebiet zahlen.

Schutzregel für die Nachbar-Landkreise

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Bürgermeister der Region das Thema diskutiert und dabei ihre Sorge vor Abwanderung artikuliert. Darauf hat die Stadt Ingolstadt reagiert und eine Schutzregel eingeführt. Demnach bekommt die Prämie nur, wer ein halbes Jahr vorher nicht bereits in Ingolstadt oder den direkt angrenzenden Landkreisen gearbeitet hat. Das soll verhindern, dass Ingolstadt den Landkreisen Pfaffenhofen, Eichstätt und Neuburg-Schrobenhausen Arbeitskräfte abwirbt.

In den Landratsämtern von Eichstätt und Pfaffenhofen gibt man sich mit der Ingolstädter Schutz-Regel zufrieden. So befürchtet Eichstätts Kreissprecher Manfred Schmidmeier "keine Abwanderungen des Personals Richtung Ingolstadt". Ähnlich äußert man sich auch im Landratsamt Pfaffenhofen.

Vehemente Kritik der Stadt Pfaffenhofen

Pfaffenhofens Bürgermeister Thomas Herker hingegen bleibt trotz der Halb-Jahres-Regel bei seiner vehementen Kritik an dem Ingolstädter Beschluss:

"Ich halte das für ein grob unsolidarisches Vorgehen, wenn reiche Kommunen im Umland wildern. Und selbst wenn in unmittelbaren Nachbarlandkreisen nicht gewildert werden sollte, dann trifft es die nächsten Landkreise, hier Kelheim oder Roth in Mittelfranken. Am Schluss entscheidet die Finanzkraft, ob man sich eine ordentliche Kinderbetreuung leisten kann." Thomas Herker, Bürgermeister in Pfaffenhofen

In Kommunen, die es sich nicht leisten können, werde die Situation dann noch schlechter, argumentiert Herker. Er sieht den Landesgesetzgeber in der Pflicht, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen, damit der Bereich der Erziehung attraktiver werde und mittelfristig genügend Personal bekomme.

Kommunaler Arbeitgeberverband gefordert

In Pfaffenhofen sind derzeit 16 Erzieherstellen frei, weil in der Stadt eine neue Kindertagesstätte aufmacht. Drei Arbeitnehmer wurden schon abgeworben von anderen Kommunen, die Zulagen geboten haben. "Hier muss der kommunale Arbeitgeberverband einschreiten und diese Praxis beenden", fordert Bürgermeister Herker. Er ist selbst im Vorstand des bayerischen Städtetags.

In den Vorstandssitzung am kommenden Dienstag, will Herker "Druck aufbauen, damit wir diese Praxis in Bayern unterbinden". Im Bereich Münchner Umland und Oberbayern registriert Herker vermehrt die Prämien-Praxis. Das nächste Beispiel für Zulagen für Erzieherinnen finde sich bereits in Pfaffenhofens Nachbargemeinde Hettenshausen. Für Herker steht fest: "Diese Praxis von Prämien und Zulagen geht zu Lasten der schwächeren Regierungsbezirke."

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