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Ingolstadt: Prozess um mutmaßlichen Mord im Internetcafé | BR24

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Das Landgericht Ingolstadt verhandelt einen mutmaßlichen Mord in einem Internetcafé

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    Ingolstadt: Prozess um mutmaßlichen Mord im Internetcafé

    Das Landgericht Ingolstadt verhandelt einen mutmaßlichen Mord in einem Internetcafé. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft erschoss der Angeklagte einen Bekannten, um seine Ehre wiederherzustellen. Der Beschuldigte macht widersprüchliche Aussagen.

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    Von
    • Susanne Pfaller

    Das Landgericht Ingolstadt verhandelt einen mutmaßlichen Mord in einem Internetcafé. Das Motiv für die Tat lässt aufhorchen: Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft schoss der Angeklagte viermal auf einen Bekannten, um seine Ehre wiederherzustellen. Das Opfer rechnete nicht mit der Tat, war arg- und wehrlos. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den Angeklagten des Mordes, denn er habe aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch einen Menschen getötet.

    Opfer verblutete am Tatort

    Laut Anklage geschah die Tat an einem Freitagabend im vergangenen Juni in einem Internetcafé in Ingolstadt. Demnach kam der 38-jährige Angeklagte in das Lokal und schoss dort unvermittelt viermal mit seiner Pistole auf seinen Bekannten. Er traf ihn in den Arm, zweimal in die Brust und in die Schulter. Weil einer der Schüsse die Halsschlagader traf, verblutete das 50-jährige Opfer noch am Tatort.

    Tötung zur Wiederherstellung der Ehre

    Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte mit der gezielten Tötung seine Ehre wiederherstellen wollte und bezeichnet dieses Motiv als niedrigen Beweggrund. Die Ehre soll bei einem handgreiflichen Streit mit dem Opfer einige Tage zuvor verletzt worden sein. Bei der wechselseitigen Auseinandersetzung erlitt der Angeklagte ein blaues Auge und eine leichte Schulterverletzung.

    Zwischen "Lüge" und Teilgeständnis

    In einer ersten, spontanen Einlassung bezeichnete der Angeklagte die Anklage als "eine Lüge". Diese Aussage machte seinen Verteidiger sichtlich ratlos. Der Anwalt leitete die eigentlich vorbereitete Einlassung des Angeklagten mit den Worten ein, dass er nun "auch nicht wisse, welche Aussagen nun noch gelten". In der vorbereiteten Einlassung gesteht der Angeklagte nämlich ein, vier Schüsse auf den 50-Jährigen abgegeben zu haben. Die Tat sei nicht geplant gewesen. Nur zufällig sei er in der Tatnacht an dem Internetcafé vorbeigekommen und habe dort seinen Streitgegner gesehen.

    Mutmaßlicher Täter: Kokain genommen, Sicherungen durchgebrannt

    Laut der vorbereiteten Einlassung des Angeklagten seien ihm bei Anblick seines Bekannten "die Sicherungen durchgebrannt", weil er an den jüngsten Streit dachte und auch daran, dass der Bekannte seine Mutter beleidigt hätte. Kurz vor der Tat habe er Kokain genommen. Die Pistole habe er seit dem Streit mit dem Bekannten meist bei sich geführt, so eben auch an dem Tatabend. Bei dem Streit Anfang Juni 2020 habe der Bekannte nämlich ein Messer dabeigehabt.

    Doch noch ein Teilgeständnis – Urteil Ende März

    Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters bestätigte der Angeklagte, dass die vorbereite Einlassung und damit das Teilgeständnis richtig seien. Für das Verfahren sind neun Verhandlungstage angesetzt, denn die Liste der Zeugen ist lang. Zudem werden medizinische und psychologische Sachverständige gehört. Das Urteil wird Ende März erwartet.

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