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Nahverkehr in der Luft: Airbus stellt Flugtaxi in Ingolstadt vor | BR24

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Aitbus hat heute in Ingolstadt seinen "CityAirbus" präsentiert. Das elektrisch angetriebene Fluggerät soll in ein paar Jahren als Flugtaxi eingesetzt werden.

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Nahverkehr in der Luft: Airbus stellt Flugtaxi in Ingolstadt vor

Vor wenigen Wochen hat Airbus das Ende des größten Passagierjets der Welt angekündigt. Nun will der Flugzeugbauer mit ganz kleinen Passagiermaschinen durchstarten. Der Luftraum über Ingolstadt wird dabei zur Testregion für den Nahverkehr der Zukunft.

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Bis zu vier Personen soll der elektrische City-Airbus durch die Luft transportieren. Mit seinen acht Rotoren kann er senkrecht starten und landen – nur jetzt noch nicht. Zum Präsentationstermin am Montag wurde das Demonstrationsmodell des City-Airbus von seinem Produktionsort Donauwörth mit einem Tieflader angeliefert. Denn die Phase mit den Probeflügen schließt sich an den Termin an und erfolgt in den kommenden Monaten auf dem Flugplatz in Manching.

Dieser von Airbus und der Bundeswehr genutzte Flugplatz ist das Alleinstellungsmerkmal, mit dem sich der Großraum Ingolstadt als Modellregion für Drohnen und Fliegen im städtischen Raum etablieren will. Derartige Testbedingungen gelten deutschlandweit als einmalig und europaweit als herausragend.

Ingolstadt als Teil eines Europäischen Netzwerks

Ingolstadt ist Teil eines europaweiten Netzwerks, das die europäische Kommission zur Entwicklung der Zukunftstechnologie Drohnen knüpft. Diese europäische Forschungsinitiative nennt sich "Urban Air Mobility" (UAM). An ihr beteiligen sich 14 weitere europäischen Kommunen, darunter Genf, Hamburg, Brüssel, Antwerpen und Toulouse.

Für ihr großes Vorhaben hat die Stadt Ingolstadt bereits über 40 Partner gewonnen. Dazu zählen die benachbarten Flughäfen sowie die Großunternehmen Audi und Airbus. Für die Wissenschaft beteiligen sich die Technische Hochschule Ingolstadt und die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt. Mit an Bord sind auch die Deutsche Bahn, zahlreiche Ministerien, die angrenzenden Landkreise und viele mittelständische Unternehmen.

Für die Zukunftstechnologie fließen Fördergelder in die Region. Allein das bayerische Wirtschaftsministerium gibt 680.000 Euro, um die Anwendungspotenziale der UAM in Oberbayern auszuloten. Das entsprechende Projekt startete im Januar 2019.

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Airbus Flugtaxi wird vorgestellt

Alleinstellungsmerkmal Flugplatz Manching

Bereits seit Herbst 2018 hat das Gründerzentrum "brikAir" grünes Licht vom bayerischen Ministerrat. "brikAir" ist auf dreidimensionale Mobilität spezialisiert und eine Erweiterung des Ingolstädter Gründerzentrum "brigk". Seinen Sitz wird "brigkAir" in Manching haben, in einem alten Hangar, direkt am Flugplatz Manching bei Airbus. Der Standort ist ideal, denn dort können Gründer und Startups ihre Technologien vor Ort in Flugversuchen erproben. Die Ansiedlung direkt am Flugplatz wertet Franz Glatz, Geschäftsführer von "brigk" und "brigkAIR" in Personalunion, als "Alleinstellungsmerkmal und Riesenvorteil gegenüber anderen Standorten".

Schon viele Anfragen von Startups

Schon heute erreichen "brigkAIR" viele Anfragen von potenziellen Gründern. Sie sollen möglichst bald in dem optimalen Testumfeld nahe Airbus durchstarten und hier Geschäftsmodelle rund um autonome Flug- und Fahrzeuge entwickeln. Flugtaxis sind nur ein Anwendungsfall unter vielen. Wichtige Einsatzgebiete der neuen Fluggeräte sind der Transport von Waren sowie Sicherheitsüberwachung von Bahnstrecken und anderen Objekten und Reparaturarbeiten, so "brigkAIR"-Geschäftsführer Glatz. Er ist davon überzeugt, dass sich der Standort Manching/Ingolstadt damit weltweit gut positionieren kann.

Auch das Gründerzentrum "brigkAIR" hofft auf hohe Fördersummen. Bis Mai will "brigkAIR" den entsprechenden Antrag bei der Regierung von Oberbayern einreichen. Schon im Juni könnte der Bescheid kommen. In der Diskussion sind bis zu sieben Millionen Euro Fördergelder.

Neue Arbeitsplätze durch dreidimensionale Mobilität

In der Modellregion Ingolstadt setzen viele Partner auf das europäische Projekt "Urban Air Mobility". Ingolstadts Oberbürgermeister Christian Lösel will damit die Arbeitsplätze für die Zukunft schaffen. In Anspielung auf die Probleme beim ortsansässigen Autobauer Audi erklärt der CSU-Politiker: "Wir bauen sicherlich in der einen oder anderen Industrie am Standort ab und wir müssen schauen als Standort Ingolstadt, dass wir neue Technologien aufgreifen, dass wir diesen Arbeitsplatzverlust auffangen können."

Lösel setzt dabei große Hoffnungen in die dreidimensionale Mobilität, speziell in die Flugtaxis. Er verweist auf aktuelle Studien: "Porsche Consulting hat Anfang 2019 gesagt, dass es 2035 einen weltweiten Markt für Flugtaxis gibt von 75 Milliarden US-Dollar – und zwar pro Jahr."

"Win-win-win-Situation"

Für den Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus eröffnet der City-Airbus vielleicht den Zugang zu zivilen Aufträgen. Audi sieht darin neue Chancen der Mobilität. Die Technische Hochschule erwartet sich davon einen wissenschaftlichen Schub. Die vielen kleinen Mittelständler, die sich beteiligen, wollen die Entwicklung nicht verpassen und ebenfalls wirtschaftlich partizipieren. So fasst der wissenschaftliche Leiter der UAM-Initiative Harry Wagner die Erwartungslage zusammen. Wagner ist Professor für "Automotive & Mobility Management" an der THI und wertet die Situation für alle UAM-Partner als "Win-win-win-Situation".

2030 per Flugtaxi vom Hauptbahnhof Ingolstadt zum Flughafen

Nach Wagners Einschätzung wird es "unbemannte Flugtaxis eher geben als das völlig autonome Fahren auf der Straße mit Level 5". Der Mobilitäts-Professor rechnet damit, dass in Oberbayern Flugtaxis "vielleicht schon 2030 vom Hauptbahnhof Ingolstadt zum Flughafen München fliegen werden". Wagner geht davon aus, dass die Flugtaxis zuerst zwischen den Städten oder einem Flughafen fliegen werden: "Es wird wohl bis 2035 dauern, bis wir hier in Ingolstadt ein elektrifiziertes Flugtaxi ohne Pilot im städtischen Bereich erleben". Ein serienfertiges Flugtaxi werde dann "wohl zwischen einer Viertel und einer halben Million Euro kosten".

In den kommenden Jahren, sagt Wagner, werde man viele verschiedene Drohnen erleben – mit und ohne Piloten und mit verschiedener Ausstattung: Multi- und Quadro-Copter, Kippflügler, Senkrechtstarter sowie Hybrid-Konstruktionen. Was sich durchsetzen werde, lasse sich noch nicht sagen.

Wichtig sei vor allem, dass es keine Unfälle gebe: "Es darf nichts passieren, sonst wirft uns das um Jahre zurück". Der Professor wünscht sich, dass die Forschung und Entwicklung der Fertigungstechnik in der Region Ingolstadt stattfindet. "Wo die Flugtaxis dann gebaut werden, ist nachrangig." Der City-Airbus zum Beispiel wird bei Airbus in Donauwörth gefertigt.

Erste Pilotprojekte schon 2020

Schon wesentlich früher könnten Flugtaxis in anderen Teilen der Welt unterwegs sein. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger vom November 2018 planen Dubai, Singapur, Los Angeles und Dallas bereits für 2020 erste Pilotprojekte mit kommerziellen Passagier-Drohnen. Der Studie zufolge arbeiten derzeit rund 75 Unternehmen weltweit an der Entwicklung von Passagier-Drohnen. Besonders wichtig für den Erfolg von Passagier-Drohnen sind laut der Berger-Studie "gezielte Partnerschaften" wie in Ingolstadt.