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Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Inge Aures wegen des Verdachts der Untreue.

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Inge Aures: Unruhe und Untreuevorwürfe bei der AWO in Kulmbach

Inge Aures (SPD) steht im Visier der Ermittler. Die Vorsitzende der Kulmbacher AWO und frühere Vizepräsidentin des Bayerischen Landtags soll 100.000 Euro veruntreut haben. Es ist der zweite Vorwurf innerhalb weniger Jahre. Im Kreisverband rumort es.

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Von
  • Kristina Kreutzer

Landtagsabgeordnete genießen strafrechtliche Immunität, die der Landtag aufheben muss, wenn die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt oder einen Strafbefehl erlässt. Soweit ist die Justiz im Fall der Kulmbacher SPD-Abgeordneten Inge Aures noch nicht, aber die Staatsanwaltschaft ermittelt. Untersucht werden Geschäfte im Kulmbacher Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt, also dort, wo Aures Chefin ist.

Vorwurf: Gehälter ohne Gegenleistung

Doch es geht nicht nur um Inge Aures. Auch der langjährige Geschäftsführer des AWO-Kreisverbandes Kulmbach und Kreisvorsitzende, Oskar Schmidt, könnte sich vor Gericht verantworten müssen. Ein Revisionsbericht hat offenbar aufgedeckt, dass er nach seinem altersbedingten Ausscheidenden mehrere Jahre lang monatlich Gelder bezogen haben soll. Und diesen Vertrag soll Inge Aures in die Wege geleitet haben.

Aufträge an Aures' Ehemann vergeben

Zuvor hatte der Kulmbacher Kreisverband der AWO schon einmal für Schlagzeilen gesorgt. Das Architektenbüro des Ehemanns von Inge Aures habe unverhältnismäßig viele Aufträge bekommen, teils ohne Ausschreibungen, hieß es. Aures selbst betonte, dass sie nicht an entsprechenden Abstimmungen beteiligt gewesen wäre. Das ist offenbar auch korrekt. Dennoch sind alle Entscheidungen auch über ihren Schreibtisch gelaufen.

Bundesverband rügt die AWO in Kulmbach

Als das alles bekannt wurde, hat sich der Bundesverband der AWO eingeschaltet. Eine externe Firma wurde zur Prüfung beauftragt, um Missstände in Kulmbach aufzudecken. Im Oktober des vergangenen Jahres kam der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler nach Kulmbach. Er rügte und forderte mehr Transparenz, nachdem die Prüfer wohl tatsächlich massive Mängel bei der Vergabe von Planungsaufträgen kritisiert hatten. Was die Familienverhältnisse bei der Auftragsvergabe angehe hieß es hinterher, es sei zwar unter der Würde der AWO-Statuten, rechtlich aber nicht zu beanstanden.

Vorwurf der Untreue gegen Inge Aures

Im Fall der möglichen Untreue hat sich nun die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Im Januar haben Ermittler bereits mehrere Objekte in Kulmbach durchsucht, darunter die AWO-Kreisgeschäftsstelle und die Wohnung des Ex-Vorsitzenden. Es geht um Geld, dass der AWO gehört. Auf Nachfrage des BR heißt es bei der Staatsanwaltschaft Hof: "Die Ermittlungen im von Ihnen angefragten Fall dauern an." In Medienberichten ist von einem finanziellen Schaden der AWO von rund 100.000 Euro die Rede. Genaue Zahlen wird es wohl erst geben, wenn es zu einer Anklage und einem Verfahren kommt. Nach der Hausdurchsuchung im Januar hatte Inge Aures versprochen, die Ermittler bei der Aufklärung der Vorwürfe zu unterstützen.

Bei der AWO in Kulmbach macht sich Frust breit

In Kulmbach reagiert man gespalten auf den Fall. Viele halten Inge Aures die Treue, blocken bei Nachfragen ab und wollen sich mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen kein Urteil erlauben. Zu spüren ist aber auch: Die Frustration unter den AWO-Mitarbeitenden ist groß. Die vielen negativen Schlagzeilen der vergangenen Monate seien deprimierend, heißt es. Die eigene Arbeit verliere dadurch an Wertschätzung.

Aures: Fünf Jahre lang Vizepräsidentin des Bayerischen Landtags

Inge Aures war von 1995 bis 2007 Oberbürgermeisterin von Kulmbach. Von 2008 bis 2013 war sie stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion und von 2013 bis 2018 Vizepräsidentin des Bayerischen Landtags.

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