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Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul

Als "unhörbaren Lärm von Windkraftanlagen" hat eine Bundesbehörde den Infraschall durch Windräder bezeichnet - seit einigen Tagen ist klar, dass diese Studie auf einem Rechenfehler beruhte. Nun fordern die Grünen Konsequenzen daraus auch für Bayern.

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Infraschall aus Windkraft überschätzt: Grüne wollen Konsequenzen

Als "unhörbaren Lärm von Windkraftanlagen" hat eine Bundesbehörde den Infraschall durch Windräder bezeichnet – seit einigen Tagen ist klar, dass diese Studie auf einem Rechenfehler beruhte. Nun fordern die Grünen Konsequenzen daraus auch für Bayern.

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Von
  • Lorenz Storch

Der eigentliche Anlass für die Infraschall-Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) von 2005 war es seinerzeit, den nötigen Mindestabstand von Windrädern zu Erdbeben-Messstationen zu ermitteln. Von solchen Stationen gibt es in Bayern ungefähr 40. Mehr als ein Dutzend davon betreibt die BGR selbst: im Bayerischen Wald und im Westen des Freistaats entlang der Fränkischen Alb.

Umkreis von Erdbeben-Messstationen für Windkraft tabu

Die bayerische Staatsregierung hat dann diesen Mindestabstand von Windkraftanlagen zu seismischen Stationen im bayerischen Windkrafterlass festgelegt: auf 15 Kilometer für die Station zur Überwachung des internationalen Atomwaffenteststopp-Abkommens in Haidmühle im Landkreis Freyung-Grafenau, und auf Werte zwischen einem und fünf Kilometern für die übrigen Messstationen. Dort sind Windräder seither tabu. Mindestens ein Dutzend Windkraftprojekte in Bayern wurden durch diese Regelung verhindert oder in juristische Auseinandersetzungen verwickelt.

Studie übertreibt Infraschall mehr als 1.000-fach

Nun haben sich, nach mehr als 15 Jahren, die Zahlen in der BGR-Studie als grob falsch herausgestellt: Die Infraschall-Werte der Windräder wurden darin um mehr als den Faktor 1.000 übertrieben. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat sich dafür entschuldigt.

Als Konsequenz daraus müsse die Staatsregierung nun auch den bayerischen Windkrafterlass ändern, fordert der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Stümpfig. Schließlich habe auch das bayerische Landesamt für Umwelt bereits vor geraumer Zeit mit eigenen Messungen herausgefunden, wie stark die Bundesbehörde BGR den Infraschall übertrieben hatte.

Umweltministerium will Windrad-Tabuzonen nicht verkleinern

Stümpfig hatte die Staatsregierung bereits vergangenes Jahr auf diesen potenziellen Rechenfehler hingewiesen – per parlamentarischer Anfrage. Das bayerische Umweltministerium hatte es jedoch abgelehnt, die Widersprüche bei den Infraschall-Messungen mit der Bundesbehörde zu klären. Auch jetzt will das Umweltministerium die Windkraft-Tabuzonen um die Erdbeben-Messstationen nicht verkleinern, erklärte eine Sprecherin auf BR-Anfrage. Denn bei den möglichen Störungen für die Messtechnik durch Windräder gehe es nicht nur um Infraschall, sondern auch um andere Erschütterungen.

Für Menschen keine Beeinträchtigungen

Gleichzeitig weist das bayerische Umweltministerium darauf hin, dass der Windkrafterlass des Freistaats auch in seiner jetzigen Form klarmacht, dass der Infraschall von Windrädern nicht gefährlich ist. Es heißt in dem Erlass: "Schädliche Umwelteinwirkungen durch Infraschall von Windenergieanlagen (WEA) konnten bisher nicht durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt werden. Bereits ab einem Abstand von 250 Metern von einer WEA sind im Allgemeinen keine erheblichen Belästigungen durch Infraschall mehr zu erwarten."

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