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Inferno von Kaprun: 20 Jahre nach der Brandkatastrophe | BR24

© BR/Christine Haberlander
Bildrechte: Daniel Karmann/dpa

Das Unglück von Kaprun vor 20 Jahren war eine der größten Katastrophen Österreichs: Bei dem Bergbahnunglück im Tunnel zum Kitzsteinhorn starben 155 Menschen. Im brennenden Zug gab es weder Feuerlöscher, noch Notsprechanlagen oder Nothämmer.

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Inferno von Kaprun: 20 Jahre nach der Brandkatastrophe

Das Unglück von Kaprun vor 20 Jahren war eine der größten Katastrophen Österreichs: Bei dem Bergbahnunglück im Tunnel zum Kitzsteinhorn starben 155 Menschen. Im brennenden Zug gab es weder Feuerlöscher, noch Notsprechanlagen oder Nothämmer.

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Von
  • Christine Haberlander
  • Matthias Lauer

Vor 20 Jahren, am 11. November 2000, ereignete sich das schlimmste Unglück in der Bergbahngeschichte. Bei der Brandkatastrophe in der Salzburger Tourismus-Gemeinde Kaprun kommen 155 Menschen ums Leben. Die meisten Wintersportler sterben in dem Zug "Kitzsteingams", der genau um 9.02 Uhr seine Fahrt durch den Tunnel zum Kitzsteinhorn beginnt.

Feuer: Zug stoppt im Tunnel

Um 9.10 Uhr hält die Bahn plötzlich an, im hinteren Teil war Feuer ausgebrochen. Elf Erwachsene und ein Kind können sich gerade noch rechtzeitig durch ein zerschlagenes Fenster aus dem brennenden Zug retten und talwärts durch dicken, schwarzen Rauch zum Tunnelausgang flüchten. Darunter sind auch Wintersportler aus der Gemeinde Vilseck in der Oberpfalz.

Bergbahn: Am Ende ist der Zug ein Gerippe aus Stahl

Im Zug befinden sich junge Nachwuchs-Skirennläufer des Skiverbands Chiemgau und ihre Betreuer, darunter zum Beispiel auch Franz Ferstl, der Bruder und Onkel der Kitzbüheler Hahnenkamm-Sieger Josef Ferstl sen. und Josef Ferstl jun.

Die Bilder der Katastrophe gehen um die Welt, von der "Kitzsteingams" bleibt nur noch ein Gerippe aus Stahl übrig. Im Gegenzug, dem "Gletscherdrachen" kommen zwei Personen ums Leben, und in der Bergstation, dem "Alpincenter" ersticken drei Menschen durch die Rauchwalze, die durch den Tunnel nach oben schießt.

© picture alliance/APA/picturedesk.com/Franz Neumayr
Bildrechte: picture alliance/APA/picturedesk.com/Franz Neumayr

In Kaprun wird mit der Bergung des ausgebrannten Zuges im Tunnel begonnen (Archivbild).

Prozess: Pannen und Ungereimtheiten

Der Prozess am Landesgericht Salzburg, der im Juni 2002 beginnt, ist durch etliche Pannen gekennzeichnet: Der Hauptgutachter erkrankt und scheidet aus, Untersuchungsakten tauchen plötzlich wieder auf. Alle 16 Angeklagten, Mitarbeiter der Gletscherbahnen Kaprun, Verantwortliche von Baufirmen und Behörden werden im Februar 2004 freigesprochen. Das Oberlandesgericht Linz bestätigt 2005 den Freispruch. Für die Richter ist die Katastrophe eine "Verkettung unglücklicher Umstände".

Angehörige der Opfer sind entsetzt

Über die Freisprüche herrscht bis heute Unverständnis bei den Angehörigen. Sie sahen und sehen in dem verheerenden Unglück vor allem ein Versagen der Verantwortlichen der Gletscherbahnen Kaprun. Fakt ist, es gab im Zug keine Feuerlöscher, keine Notsprechanlagen und Nothämmer. Die Türen ließen sich auch im Notfall nur vom Fahrer öffnen.

Heizstrahler war falsch installiert?

Unbestritten ist, dass der Brand noch im Tal in einem Heizstrahler im Führerstand der "Kitzsteingams" ausgebrochen ist. Vermutlich durch auslaufendes Hydrauliköl aus einer undichten Leitung. Der Heizstrahler soll nicht sachgemäß eingebaut gewesen sein.

Gedenken wie jedes Jahr

Auch am 20. Jahrestag der Kaprun-Katastrophe wird es auf dem Parkplatz nahe der am 11. November 2004 eingeweihten Gedenkstätte wie jedes Jahr eine Zusammenkunft der Angehörigen geben. Organisiert wird das Gedenken, das unter strengen Coronavorschriften stattfindet, von der Gemeinde und den Hinterbliebenen. Über 180 Familien wurden eingeladen. Um 9 Uhr wird ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert. Danach wird für jedes Opfer eine Kerze angezündet.

Für die Gletscherbahnen Kaprun ist der Fall abgeschlossen. Der Tunnel, in dem das Unglück geschah, ist geschlossen und wird nicht mehr benutzt.

Business as usual

Das lukrative Geschäft mit dem Wintersport geht unterdessen weiter. Die Gletscherbahnen Kaprun AG, dessen Haupteigentümer die Gemeinde Kaprun ist, sind ein touristischer Erfolgsgarant. Pro Jahr werden 1,1 Millionen Gäste auf den Berg befördert und nutzen die Angebote auf dem Kitzsteinhorn.

Laut dem Pressesprecher der Gletscherbahnen Kaprun, Harald Schiffl, hat die AG in den vergangenen 20 Jahren 220 Millionen Euro unter anderem für acht neue Seilbahnen oder für den Bau der "Gipfelwelt 3000" investiert. 270 Mitarbeiter sind bei dem Unternehmen beschäftigt. Eine ganze Region lebt vom Tourismus, die Kaprun-Katastrophe mit 155 toten Wintersportlern wird jedoch immer ein Teil davon bleiben.

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