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Ausgangssperren wegen der Corona-Pandemie sind sehr umstritten. Der Regensburger Infektiologe Bernd Salzberger hält sie als Teil eines Maßnahmenbündels für richtig. Die Intensivstationen seien voll. Jetzt sei alles richtig, was Kontakte minimiere.

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Infektiologe Salzberger befürwortet Ausgangssperren und Lockdown

Der Regensburger Infektiologe Bernd Salzberger unterstützt das Instrument der Ausgangssperre zur Senkung der Corona-Fallzahlen. Ausgangssperren verhinderten, dass die Menschen sich in jeweils anderen Wohnungen träfen, sagte Salzberger dem BR.

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Von
  • Antje Dörfner

Die Bundesregierung will ab einem Inzidenzwert von 100 nächtliche Ausgangssperren von 21 bis 5 Uhr. Darauf hat sich das Bundeskabinett geeinigt. Einige Aerosolforscher hatten sich kritisch zur Wirksamkeit der Ausgangssperren geäußert, weil das Risiko einer Ansteckung in Innenräumen viel größer sei als im Freien. Der Regensburger Infektiologe Bernd Salzberger unterstützt dagegen das Instrument der Ausgangssperre zur Senkung der Corona-Fallzahlen.

Ausgangssperren verhindern abendliche Treffen in Wohnungen

Abendliche Ausgangssperren verhinderten, dass die Menschen sich in anderen Wohnungen als in ihren eigenen träfen, sagte Salzberger in der Rundschau im BR Fernsehen. Der Mediziner, der die Abteilung Infektiologie am Regensburger Universitätsklinikum leitet und auch Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie ist, verwies auf Erfahrungen in Italien, Frankreich und Großbritannien. Diese zeigten, dass Ausgangssperren "im Bündel der Maßnahmen" wirksam gewesen seien. Gerade die Briten hätten es aktuell "richtig gut gemacht", lobte Salzberger, weshalb in Großbritannien nun gelockert werden könne.

"Im Augenblick ist alles wichtig, was Kontakte vermeidet"

Angesichts der aktuellen Lage in Deutschland, in der ein schneller Lockdown gebraucht werde, könnten Ausgangssperren hilfreich sein. Im Augenblick sei alles wichtig, was einen schnellen Lockdown bringe und Kontakte vermeide, sagte der Regensburger Infektiologe.

Analyse der Wirksamkeit einzelner Maßnahmen nicht einfach

Auch zur Frage der Wirksamkeit von Ausgangssperren angesichts einer nicht eindeutigen wissenschaftlichen Datenbasis äußerte sich Salzberger. In der Corona-Pandemie seien immer mehrere Maßnahmen rasch und gleichzeitig eingesetzt worden, so dass schwer zu unterscheiden sei, welche Einzelmaßnahmen besser als andere gewirkt hätten. Kritik übte Salzberger am Handeln der Landesregierungen: "Wir hampeln seit einer Woche mit der Bundesnotbremse herum und wir brauchen ziemlich rasch einen Lockdown", so Salzberger wörtlich.

Salzberger: "Unsere Intensivstationen sind voll"

Die Situation auf der Intensivstation des Regensburger Universitätsklinikums bezeichnete Salzberger als "angespannt". Es gäbe täglich neue Anfragen und die Mitarbeiter seien "extrem belastet".

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