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Volle Züge Richtung Alpen: Corona-Abstand einhalten schwierig | BR24

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Corona-Lockerungen und schönes Wetter: Eine perfekte Kombination für einen Ausflug in die Berge per Bahn. Abstandhalten in den Zügen ist eine Herausforderung für die Passagiere - und für die Betreiber, etwa die Bayerische Oberlandbahn BOB.

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Volle Züge Richtung Alpen: Corona-Abstand einhalten schwierig

Sommer, Hitze, Ausflugslust - erst recht, nachdem wegen der Corona-Auflagen wenig los war in letzter Zeit. An diesem Wochenende aber sind Zehntausende unterwegs Richtung Seen und Berge. Da wird es schwierig mit dem Abstand, etwa bei der Oberlandbahn.

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An diesem Samstagvormittag wollten viele mit einem Zug der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) von München aus in die Alpen. 1,5 Meter Abstand sollten entsprechend der Corona-Regeln eingehalten werden, doch wenn der Zug sich so schnell füllt, ist das schwierig. Außerdem beklagen sich einige Fahrgäste, dass andere keine vorgeschriebene Mund-Nasen-Bedeckung tragen und sie das doch sehr stört:

"Im engen stickigen Abteil ist das sehr ärgerlich, wenn da einige keine Maske aufhaben. Also mich stört das. Wenn so viel los ist wie heute, ist an die eineinhalb Meter Abstand gar nicht zu denken, leider. Man merkt halt, dass das Wetter schön ist und dass alle in die Berge wollen." Fahrgast

Bei der Oberlandbahn gibt es langsam wieder mehr Fahrgäste als zur Zeit der einschneidensten Corona-Maßnahmen. Inzwischen sind laut Geschäftsleitung der Trägergesellschaft BRB die Züge wieder zu etwa 60 Prozent ausgelastet. Eine hundertprozentige Auslastung sei selten, an so sonnigen Wochenenden wie diesem gibt es sie aber durchaus öfter.

Bahn verweist auf Beförderungspflicht

Die BRB räumt ein, dass es manchmal enger wird, als das in der Verordnung gewünscht ist. Eine hundertprozentige Auslastung sei jedoch erlaubt, denn der 1,5-Meter-Abstand im Zug sei keine Pflicht, lediglich ein Gebot, so der Geschäftsführer der Oberlandbahn, Fabian Amini. Man habe schließlich gegenüber den Fahrgästen eine Beförderungspflicht. Auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks heißt es weiter, "dass es eine behördliche Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung gibt und an Bord von Straßenbahnen, U-Bahnen, Bussen und Zügen mitunter der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann".

Zur Einhaltung eines Mindestabstands von 1,50 Meter wären laut dem Sprecher "im Vergleich zu heute rund viermal so viel Kapazitäten im ÖPNV erforderlich, für die es weder ausreichend Infrastruktur noch so kurzfristig ausreichend Fahrzeuge gäbe".

Gleichzeitig ließen die bisherigen Erkenntnisse keine erhöhte Ansteckungsgefahr im öffentlichen Personenverkehr erkennen, wenn die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung besteht, so Sprecher von BRB und Deutscher Bahn unisono.

"Kein erhöhtes Infektionsrisiko bei Einhaltung der Hygienemaßnahmen"

Wenn sich das Gedränge in den Zügen verstärkt, raten die Verantwortlichen der Bahnen dazu, wenn möglich frühere oder spätere Verbindungen zu nehmen. "Wir haben als ÖPNV Unternehmen gegenüber den Fahrgästen eine Beförderungspflicht, verstehen aber, wenn Fahrgäste in der aktuellen Situation Bedenken bei der Nutzung vollerer Züge haben."

Fabian Amini betont, dass es kein erhöhtes Infektionsrisiko in den Zügen gebe, wenn man sich an an die Hygienemaßnahmen hält und Masken trägt. Die Oberlandbahn tue - ähnlich wie andere Bahnen in Bayern - einiges für die Hygiene.

"Neben kürzeren Kontaktzeiten spielt dabei auch die Klimatisierung und das häufige Öffnen der Türen eine wichtige Rolle, da dies für schnelleren Luftaustausch und Frischluft sorgt, als dies zum Beispiel in klimatisierten Gebäuden der Fall ist." Fabian Amini

Luftaustausch durch offene Türen und Kimaanlagen

Zudem hätten die Unternehmen die Reinigungsmaßnahmen intensiviert und die Türen würden an jedem Halt automatisch zentral geöffnet, sofern der Fahrzeugtyp dies technisch zulasse, sagt Amini. "Ferner appellieren wir regelmäßig an unsere Fahrgäste, der behördlichen Anordnung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung Folge zu leisten, um sich selbst und die anderen Fahrgäste zu schützen."

Am Bahnhof Tegernsee freut sich der Betreiber des Kiosk sehr darüber, dass wieder mehr Fahrgäste aus den Zügen steigen. Für ihn ist der volle Zug ein Segen:

"Wir haben natürlich in der Corona-Zeit sehr große Umsatzeinbußen gehabt, das würden wir gerne ausgleichen und da freuen wir uns, wenn die Leute raus fahren in die Berge." Kiosk-Betreiber

Pro Bahn fordert mehr Züge am Wochenende

Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht es kritisch, dass in den Zügen so eine große Enge entsteht, er fordert von der BOB mehr Züge am Wochenende, vor allem an sonnigen Tagen wie diesen. Schließlich sei es klar, dass es da zu einem Fahrgastansturm komme, so Andreas Barth von Pro Bahn.

Die Oberlandbahn verweist auf die wirtschaftliche Schieflage, durch die sie mit Corona gerutscht sei. Fabian Amini räumt ein, dass am Wochenende schon wieder eine hundertprozentige Auslastung erreicht werde. Weil eine Beförderungspflicht gilt, appelliert er an die Fahrgäste, Rücksicht zu üben und Masken zu tragen.

Eines ist den Aufrufen der Bahn in diesen Tagen gemeinsam. Sie appellieren an die Vernunft und die Eigenverantwortung ihrer Fahrgäste,

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Inzwischen sind die Züge der Oberlandbahn nach dem Einbruch während der Ausgangsbeschränkungen wieder besser ausgelastet. An sonnigen Wochenenden sind sie manchmal sogar übervoll.

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